Rechnung per Internet : Telekom-Anbieter wollen keine Briefe mehr verschicken

Telekom, 02 und Vodafone stellen um. Wer seine Rechnung weiter per Brief möchte, muss widersprechen. Ist das rechtens?

Anna Parrisius
Digitale Rechnungen kann man nicht verlieren, aber auch nicht zerknüllen.
Digitale Rechnungen kann man nicht verlieren, aber auch nicht zerknüllen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Telekom-Kunden erhalten Rechnungen künftig nur noch dann per Brief, wenn sie sich explizit gegen eine digitale Rechnung aussprechen. Für diejenigen, die ihre Verträge online abgeschlossen haben, ist die Online-Rechnung schon seit langem Standard. Für so manchen Kunden, der seinen Tarif noch im Telekom-Shop auswählte und dort die Unterschrift unter den Vertrag setzte, wird die Umstellung jedoch eine Überraschung sein. Die Telekom stellt nach eigenen Angaben schon seit längerem auf den Onlinebereich um, das gilt für Vertragsabschlüsse und den Zugang zu Rechnungen. Mehr als 80 Prozent der Kunden, darunter 13 Millionen Privat- und sechs Millionen Geschäftskunden, haben kein Papier mehr in der Hand.

Telekom: Wir reagieren auf das wachsende Umweltbewusstsein

Dass Rechnungen auf der Internetplattform jederzeit abgerufen und nur bei Bedarf ausgedruckt werden können, hält Telekom-Sprecher Frank Domagala für praktisch. „Uns geht es mit der Umstellung aber primär um etwas anderes“, sagt er. „Wir reagieren auf ein seit Jahren gewachsenes Umweltbewusstsein unserer Kunden.“ So hat die Telekom nach eigenen Angaben 2018 bereits 1920 Tonnen Papier eingespart, in diesem Jahr wird eine Einsparung von weiteren 2000 Tonnen erwartet. Beschwerden habe die Telekom bislang nicht erhalten. „Ich wüsste auch nicht, wieso. Schließlich können Kunden, die eine Papierrechnung wünschen, uns jederzeit kostenfrei anrufen und genau das einfordern“, sagt Domagala.

Die Wettbewerber machen es ähnlich

Bei O2 und Vodafone sieht es ähnlich aus. Digitale Rechnungen sind auch bei diesen Anbietern inzwischen der Standard. Die Umstellung spare Papier und sei deshalb gut für die Umwelt. Es werde, wo immer möglich, auf Briefe aus Papier verzichten, sagt Volker Petendorf, Sprecher von Vodafone. Eine Papierrechnung wünschten nur noch fünf Prozent der Privatkunden. Nach Angaben von Vodafone handele es sich dabei vor allem um „ältere Kunden, die das Internet gar nicht oder nur sehr selten nutzen.“

Verbraucherfreundlicher wäre es, den Kunden ein Angebot zu machen

Oliver Müller von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hält das Vorgehen der Anbieter zumindest dann für grundsätzlich rechtmäßig, sofern es sich um einen Vertrag handelt, den der Anbieter ausschließlich über das Internet vertreibt. „Verbraucherfreundlicher wäre es jedoch, wenn die Kunden ein Angebot zur Online-Rechnung erhielten“, sagt Müller. Rechtlich gesehen ist die Umstellung auf Online-Rechnungen als neuer Standard eine Änderung der Vertragsbedingungen. Indem Anbieter ihren Kunden Rechnungen zukommen lassen, erfüllen sie eine Nebenpflicht ihres Vertrags.

Es gibt kein Recht auf Papier

Ein Recht auf Papier gibt es aber nicht. Nach der Rechtsprechung dürfen Papierrechnungen lediglich nichts kosten und Verbraucher müssen jederzeit verlangen können, Rechnungen per Brief zu erhalten, sofern sie ihren Vertrag nicht online geschlossen haben. Bei der Verbraucherzentrale gab es aber bislang nur vereinzelte Beschwerden, so Müllers Eindruck. Menschen, die keinen Internetzugang besäßen oder einfach nicht so internetaffin seien, könnten aber durchaus abgeschreckt sein, räumt der Verbraucherschützer ein.

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