Rekordjahr für Lufthansa : "Wir sind wieder in der Offensive"

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erreicht einen Rekordgewinn und will bei der Konsolidierung der Branche in Europa kräftig mitmischen.

Kunden der Lufthansa warten in Berlin auf dem Flughafen Tegel an einem Lufthansa-Schalter.
Kunden der Lufthansa warten in Berlin auf dem Flughafen Tegel an einem Lufthansa-Schalter.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Lufthansa steht vor ihrem dritten Rekordjahr in Folge. Mit 2,6 Milliarden Euro erzielte die Airline in den ersten neun Monaten das beste Betriebsergebnis ihrer Geschichte. „Die Lufthansa ist wieder in der Offensive“, sagte Vorstandschef Carsten Spohr am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen. „Wir können wieder gezielt in unser Wachstum investieren und uns aktiv an der Konsolidierung des europäischen Luftfahrt-Marktes beteiligen.“ Lufthansa wird Teile von Air Berlin übernehmen und bewirbt sich auch für Bereiche der insolventen Alitalia. Bei Air Berlin hofft Spohr bis zum Jahresende auf grünes Licht durch die EU-Kommission. Dauert es länger, könnte es dem Lufthansa-Chef zufolge für die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) mit ihren knapp 900 Beschäftigten, die Lufthansa von Air Berlin übernimmt, knapp werden. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte der

„FAZ“, die Lufthansa werde wohl Strecken abgeben müssen, damit die Kommission grünes Licht für den Deal gibt. Die bisherigen Routen von Air Berlin und Lufthansa würden sich teilweise überschneiden. „Auf einigen Strecken gibt es jetzt einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol.“ Daraus resultierende höhere Preise und schlechterer Service müssten verhindert werden.

Eine Beteiligung an der Tranfergesellschaft lehnt Spohr ab

Spohr will Anfang 2018 mit der Integration von LGW und Niki beginnen. Mit den bereits von Air Berlin für die Lufthansa-Tochter Eurowings und Austrian geleasten 35 Air-Berlin-Flugzeugen übernimmt Lufthansa 81 Flugzeuge von Air Berlin. Von LGW und Niki kommen damit 1700 Beschäftigte zu Eurowings, für weitere 1300 Air Berliner werden dort Stellen ausgeschrieben. Spohr zufolge investiert Lufthansa rund 1,5 Milliarden Euro, davon entfallen 210 Millionen auf die Übernahme von Niki und LGW. Möglicherweise übernimmt Lufthansa weitere fünf Airbus A 320 von Air Berlin als Reserve. Ab 2019 sollen die ehemaligen Air-Berlin-Maschinen und -Beschäftigten einen positiven Beitrag zum Lufthansa-Ergebnis leisten.

"In den nächsten Wochen wird es ruckeln"

Eine Beteiligung von Lufthansa an der geplanten Transfergesellschaft für die Air-Berlin-Beschäftigten, die nicht bei Lufthansa oder anderen Käufern unterkommen, lehnte Spohr am Mittwoch erneut ab. Lufthansa sei sich gleichwohl ihrer Verantwortung bewusst und werde ihr Angebot auf den innerdeutschen Strecken in den nächsten Wochen mit dem Einsatz größerer Maschinen, etwa von Jumbo-Jets zwischen Frankfurt und Berlin oder von Airbus A 340 Langstreckenjets zwischen München und Berlin wahrnehmen, wenn ab kommendem Samstag 80 bis 90 der Air-Berlin-Jets nicht mehr in die Luft gehen. „Deren Ausfall kann aber niemand kompensieren. Es wird in den nächsten Wochen ruckeln“, sagte Spohr. Für frei werdende Start- und Landerechte werde sich Lufthansa bewerben. Im Ausland am Boden gebliebenen Air-Berlin-Passagieren will Spohr mit einem Rabatt von 50 Prozent auf Lufthansa-Tickets entgegenkommen.

Die finanzielle Lage ist super

Das Engagement bei Air Berlin und die Investitionen von 1,5 Milliarden Euro kann sich die Lufthansa locker leisten. Der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten um 2,9 Milliarden auf 26,8 Milliarden Euro, die flüssigen Mittel erhöhten sich trotz höherer Investitionen um 80 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, die Netto-Finanzschulden sanken im Verlauf des Jahres von 2,7 Milliarden auf 521 Millionen Euro. Alle Gesellschaften des Konzerns – Lufthansa, Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines sowie die Technik-, Fracht- und Catering-Sparte – konnten ihre Ergebnisse steigern. Die Billig-Tochter Eurowings wird Spohr zufolge mittelfristig auf 210 Flugzeuge und 10000 Beschäftigte wachsen und pro Jahr fünf Milliarden Euro umsetzen.

Der neue Pilotentarif bringt 150 Millionen

Wichtiger Teil des Erfolgs ist nach Angaben von Spohr die Anfang Oktober endgültig unterschriebene Vereinbarung mit den Piloten. Sie werde ab 2018 zu jährlichen Einsparungen von 150 Millionen Euro führen. Mit der Vereinbarung habe man die Sozialpartnerschaft bei der Lufthansa neu definiert und Vertrauen aufgebaut, sagt Spohr. Die Lufthansa schaffe jetzt 700 Stellen für junge Piloten und 600 Stellen für Kapitäns-Anwärter. Trotz der Erfolge muss Spohr zufolge die Kostenoptimierung ganz oben auf der Tagesordnung bleiben. Nur so könne die Lufthansa weiter wachsen, die Branche aktiv gestalten und „Nummer<ET>eins“ für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre sein.

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