Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer : „Ich bin kein Dagobert Duck“

Rocket Internet verpasst seine eigenen Ziele. Nun fordern Kritiker sogar, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Rocket-Chef Oliver Samwer lehnt Forderungen nach Kurspflege und Dividende ab.
Rocket-Chef Oliver Samwer lehnt Forderungen nach Kurspflege und Dividende ab.Foto: Axel Schmidt/Reuters

Einige Anleger haben genug. 42,50 Euro kosteten die Aktien von Rocket Internet beim Börsendebüt vor drei Jahren. Doch seit Mitte 2016 dümpelt der Kurs nun bei weniger als der Hälfte, und das trotz Börsenboom und Start-up-Hype.

Bei der Vorlage der Quartalszahlen forderten mehrere Analysten daher Rocket-Gründer Oliver Samwer in ungewöhnlich deutlicher Art auf, entweder mehr eigene Anteilsscheine zu erwerben oder das Unternehmen sogar von der Börse zu nehmen. Auf Letzteres ging er nicht ein und auch den Forderungen nach Aktienkurspflege erteilte Samwer eine Absage. Dabei hat Rocket gut 1,9 Milliarden Euro auf der hohen Kante. „Ich bin kein Dagobert Duck“, sagte Samwer. Es gehe ihm nicht darum, das Geld zu horten. Es wäre aber nicht gut für das Unternehmen, wenn es Kaufmöglichkeiten nicht wahrnehmen könnte, nur weil die Mittel gerade in ein neues Aktienrückkaufprogramm fließen. Auch eine baldige Dividende sei nicht geplant.

Start-ups werden erst später Gewinne erzielen

Eine Enttäuschung gab es auch bei der Entwicklung der eigenen Unternehmen: Ursprünglich hatte Rocket geplant, dass bis Ende 2017 mindestens drei Jungfirmen die Gewinnschwelle knacken. Doch das Ziel werde man „um einige Quartale verfehlen", räumte Finanzchef Peter Kimpel ein.

Am ehesten seien beim Möbelhändler Westwing schwarze Zahlen in Sicht. Auch die anderen großen Beteiligungen – vom Kochbox-Anbieter HelloFresh bis zum Möbelhändler Home24 – haben laut Rocket von Januar bis September ihre Profitabilität gesteigert. Die aggregierte bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von –19 Prozent auf –12 Prozent. Die Umsätze stiegen bei HelloFresh, das Anfang November an die Börse gegangen war, gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres um 49 Prozent, bei dem Modeversender Global Fashion Group um 27 Prozent und beim Möbelhändler Home24 um zehn Prozent. An der Börse wurden die Zahlen mit Enttäuschung registriert: Die Rocket-Aktie gab zeitweise fast vier Prozent auf 19,86 Euro nach und war damit größter Verlierer im Kleinwerteindex S-Dax.

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