Rückzug des BMW-Chefs : Zu langsam für die Hochgeschwindigkeitsbranche

BMW-Chef Harald Krüger kündigt seinen Rückzug für kommendes Jahr an. Vielleicht war er als Typ zu nett, auf jeden Fall zu unentschieden. Ein Kommentar.

Harald Krueger auf einer Pressekonferenz von BMW.
Harald Krueger auf einer Pressekonferenz von BMW.Foto: Christof Stache/AFP

Ein anständiger Kerl, nett und umgänglich, aber auch hart genug und durchsetzungsstark? Harald Krüger, seit vier Jahren BMW-Chef, wirft die Brocken hin. In Wolfsburg dürfte Herbert Diess mit Genugtuung die Nachricht aus München registriert haben. Denn der BMW-Aufsichtsrat hatte damals die Wahl zwischen zwei Kandidaten als Nachfolger von Norbert Reithofer an der Vorstandsspitze: Diess oder Krüger. Der Unterlegene zog die Konsequenz und ging als VW-Markenchef zu Volkswagen. Inzwischen ist Diess Konzernchef und schlägt ein atemberaubendes Tempo an, um die Fahrzeuge des größten Herstellers der Welt zu elektrifizieren.

Krüger ist kein Mann für hohes Tempo. Dass BMW seit 2016 nicht mehr der Weltmarktführer in der Oberklasse ist, sondern von Mercedes überholt wurde, belastete seinen Start ähnlich wie der Kreislaufkollaps ausgerechnet bei der Leistungsschau IAA im Herbst 2015. Und dann blieb und bleibt immer noch unklar, wie die BMW-Strategie für das nächste Jahrzehnt aussieht. Das Elektroauto i3 kam vielleicht zu früh auf den Markt. Aber was kommt jetzt? In den nächsten zehn Jahren wird die Autoindustrie durchgeschüttelt wie kaum eine andere Branche. Wie kommt BMW da durch? Mit welchen Autos und mit welcher Führung?

Einen Tag vor Krügers Demission wurde ein Kooperationsvertrag mit Mercedes über das autonome Fahren unterzeichnet. Beide Unternehmen – BMW und Daimler – sind allein zu klein, um Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromobilität zu stemmen. Kooperationen zwischen Konkurrenten sind in vielfacher Hinsicht schwierig, doch BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich hat das mit Daimler-Boss Ola Källenius gut eingefädelt. Fröhlich ist so ähnlich wie Diess: Zupackend, beherzt, selbstbewusst. Vermutlich ist jetzt die Zeit reif für so einen Typen an der BMW-Spitze. Der andere Kandidat, Produktionsvorstand Oliver Zispe, ist ein ähnlicher Typ wie Krüger. Diesmal sollte sich der Aufsichtsrat, unter Vorsitz von Krügers Vorgänger Reithofer, richtig entscheiden.

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