Russischer Energiekonzern : Gazprom entlässt Spitzenmanager

Die beiden wichtigsten Vize-Chefs müssen gehen. Russische Medien spekulieren, dass ein Skandal bei Gazprom den Umbau im Konzern auslöste.

Gazprom_Logo auf dem Dach der Zentrale in Moskau.Maxim Shemetov/File Photo
Gazprom_Logo auf dem Dach der Zentrale in Moskau.Maxim Shemetov/File PhotoFoto: Maxim Shemetov/File Photo/REUTERS

Die Pressemitteilung die Gazprom am Montagmittag veröffentlicht hat, ist gerade einmal neun Zeilen lang: Der vom russischen Staat kontrollierte Gaskonzern hat die beiden wichtigsten Stellvertreter von Unternehmenschef Alexej Miller gefeuert. Der für das Auslandsgeschäft zuständige Alexander Medwedew und Waleri Golubjow, der das Inlandsgeschäft und den Handel mit Weißrussland verantwortete, müssen gehen. Zudem verliert der für die Gasförderung zuständige Hauptabteilungsleiter Wsewolod Tscherepanow seinen Posten. Es ist der erste große Umbau bei Gazprom seit 2011.

Medwedew und Golubjow saßen seit anderthalb Jahrzehnten auf ihren Posten, sie waren praktisch gemeinsam mit Gazprom-Chef Miller in ihre Positionen gelangt. Gemessen daran fielen die Abschiedsworte des Konzerns ausgesprochen distanziert aus. Medwedew erhielt nicht einmal ein Wort des Dankes. Gazprom teilte lediglich mit, er werde sich jetzt seiner Arbeit in einer internationalen Organisation und an der Spitze des St. Petersburger Fußballklubs "Zenit" widmen. Golubjow erhielt von Miller wenigstens den Dank für eine "langjährige fruchtbare Zusammenarbeit zum Wohle Gazproms". Auf Nachfrage russischer Journalisten hieß es lediglich, es gebe keine Kritik an den beiden Entlassenen.

Verhaftung im russischen Senat

Da Nachrichten über die Personalpolitik von Gazprom spärlich sind, löste der Wechsel an der Gazprom-Spitze in den russischen Medien Spekulationen aus. Die angesehene Wirtschaftszeitung "Kommersant" ging am Montag davon aus, die Entscheidung habe keinen "prinzipiellen Charakter". Die Einfluss Medwedews im Konzern habe sich seit 2014 abgeschwächt, seine realen Vollmachten seien schon in den letzten Jahren nicht mehr groß gewesen, schreibt das Blatt unter Berufung auf nicht genannte Quellen im Konzern. Der Abgang Golubjows sei seit einiger Zeit erwartet worden.

Alexander Medwedew war seit 17 Jahren für das Auslandsgeschäft von Gazprom zuständig.
Alexander Medwedew war seit 17 Jahren für das Auslandsgeschäft von Gazprom zuständig.Foto: Natalia Kolesnikova, AFP

Die kremlferne Internet-Zeitung RBC will von einem früheren Gazprom-Manager erfahren haben, Medwedew wie Golubjow seien schon seit mindestens drei Jahren nicht mehr in Entscheidungen über das operative Geschäft eingebunden gewesen. Ihre Geschäftsfelder hätten längst andere im Vorstand übernommen. Als Nachfolgerin für Medwedew gilt Jelena Burmistrowa, die seit 2014 an der Spitze von Gazprom Export steht.

RBC bringt die Entlassung der Gazprom-Manager in eine Verbindung mit einem Skandal, der die politische Szene in Russland derzeit erschüttert. Dabei geht es um die Unterschlagung von umgerechnet 400 Millionen Euro von Gazprom-Geldern. Ende Januar war der russische Senator Rauf Araschukow während einer Sitzung des russischen Senats festgenommen. Wenige Stunden später erschien die Polizei auch bei dessen Vater. Araschukow junior ist Generaldirektor eines Gasunternehmens in Südrussland, der Vater hatte einen Beratervertrag mit einer Regionaltochter von Gazprom. Gemeinsam mit Komplizen sollen sie nicht nur illegal Gaslieferungen abgezweigt haben. Rauf Araschukow wird auch beschuldigt, im Jahr 2010 zwei Morde in Auftrag gegeben zu haben.

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