"Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Google gemacht."

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Samsung im Interview : "Geschwindigkeit ist unser Markenzeichen"
"Bei den kurzen Lebenszyklen der Produkte wird Geheimhaltung immer wichtiger", sagt Hans Wienands..
"Bei den kurzen Lebenszyklen der Produkte wird Geheimhaltung immer wichtiger", sagt Hans Wienands..Foto: Mike Wolff

Samsung ist der weltgrößte Hersteller von Smartphones. Aber beim Betriebssystem greifen Sie auf Produkte anderer zurück, beim S4 zum Beispiel auf Android von Google. Warum setzen Sie nicht auf Ihr eigenes System?

Wir sind bis jetzt sehr sehr gut damit gefahren – etwa bei der Entwicklung der DVD oder der MP3-Technik – wenn wir offene Standards genutzt haben. Wir haben ja mit Bada eine eigene Plattform, arbeiten aber auch mit Microsoft zusammen und haben sehr gute Erfahrungen mit Google gemacht.

Aber mit einem eigenen System kann man mehr Geld verdienen.

Das mag sein. Aber unser Ursprung ist die Hardware, da sind wir echte Spezialisten. Und bis jetzt gelingt es uns gut, mit offenen Systemen sehr, sehr viele Menschen zu erreichen.

Apple ist Ihr ärgster Konkurrent bei Smartphones, zugleich kauft Apple Bauteile bei Samsung ein. Wie kann so etwas funktionieren?

Apple ist Kunde von Samsung Electronics, allerdings im Bereich Components, der komplett getrennt ist vom Gerätegeschäft. Wenn wir zum Beispiel für unsere Fernseher eigene Chips bauen lassen, werden wir dort auch wie ein Kunde behandelt.

Und müssen manchmal hinter Apple anstehen?

Da habe ich keinen Einblick, aber vorstellen kann ich es mir.

Zugleich streiten Sie sich mit Apple in Deutschland und weltweit über Patente.

Als reiner Vertriebsmann beobachte ich das nur als Zaungast. Ich weiß nur, dass dieses Thema keinen Einfluss auf unser Geschäft in Deutschland hat.

Das neue Galaxy S4 wurde in New York vorgestellt...

Ich war leider nicht dabei.

Waren Sie nicht eingeladen?

Doch, aber ich hatte keine Zeit.

Was war wichtiger?

Ein Kundentermin, der geht vor.

Was wird Samsung als nächstes großes Ding präsentieren?

Gute Frage.

Ich hatte auf eine ausführlichere Antwort gehofft.

Wir haben weltweit 60.000 Kollegen, die an Forschung, Entwicklung und Design arbeiten, also an den Dingen, die als nächstes kommen. Die sind uns in ihren Gedanken 18 bis 24 Monate voraus.

Forscht und entwickelt Samsung auch in Europa?

Ja, die europäische Hausgeräteentwicklung sitzt zum Beispiel in Stuttgart. Daneben haben wir zwei Designcenter in Mailand und London.

Wann erfahren Sie von einem neuen Produkt?

Ungefähr zwei Monate vor dem Launch.

Das ist kurz.

Ja, aber Geschwindigkeit ist unser Markenzeichen.

Sie wissen wirklich nicht, was als nächstes kommen wird?

Bei den kurzen Lebenszyklen der Produkte wird Geheimhaltung immer wichtiger. Aber ich denke, bei mobilen Geräten sind wir noch nicht am Ende der technischen Möglichkeiten angekommen. Denken Sie zum Beispiel an flexible Displays. Ein anderer Trend ist die Weiterentwicklung von Fernsehern und Licht durch die organische LED-Technologie. Mit der können sie ganze Flächen in Möbeln oder Fenstern beleuchten.


Das Gespräch führte Corinna Visser.

DER KONZERN
Samsung Electronics ist Weltmarktführer bei Smartphones und Fernsehern, baut aber auch Kameras und Hausgeräte sowie Computerchips, Bildschirme und Lithium-Ionen-Akkus. In vielen elektronischen Geräten steckt Technik von Samsung, auch wenn ein anderer Name auf dem Produkt steht. Das Unternehmen, das zur südkoreanischen Samsung-Gruppe gehört, setzte 2012 mit weltweit mehr als 200.000 Mitarbeitern umgerechnet 135 Milliarden Euro um. Samsung Electronics hat 197 Niederlassungen in 72 Ländern. Die deutsche Niederlassung wurde 1982 gegründet und sitzt in Schwalbach im Taunus. 2011 setzte sie drei Milliarden Euro um.

DER MANAGER
Hans Wienands, 1957 in Mettmann bei Düsseldorf geboren, kam 2005 zu Samsung. Zuvor arbeitete der Marketing- und Vertriebsprofi für den japanischen Elektronikkonzern Panasonic. Als Executive Vice President verantwortet er das operative Geschäft von Samsung in Deutschland mit 620 Mitarbeitern.

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