Schlachthof-Streit : Robert Tönnies sieht bei Onkel Clemens Anzeichen von „Größenwahn“

In Deutschlands größter Schlachterei geht der Streit weiter. Aktueller Anlass: eine 500-Millionen-Euro-Investition in China.

Trauen sich nicht über den Weg: Clemens Tönnies (l.) und sein Neffe Robert. Hier im Bielefelder Gericht 2016.
Trauen sich nicht über den Weg: Clemens Tönnies (l.) und sein Neffe Robert. Hier im Bielefelder Gericht 2016.Foto: picture alliance / dpa

Der Familienstreit bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb geht in die nächste Runde. Nach einer angekündigten Investition von rund 500 Millionen Euro in einen neuen Schlacht- und Zerlegebetrieb für Schweine in China meldet sich Mitgesellschafter Robert Tönnies zu Wort und macht seinem Onkel schwere Vorwürfe.

Der Neffe (41) hält wie Clemens Tönnies 50 Prozent an dem Familienunternehmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen. Robert wirft seinem 63-jährigen Onkel vor, ihn und den Konzernbeirat getäuscht zu haben, „da die geplante Investition eine Größenordnung hat, die der Zustimmung bedarf.“ Die Geschäftsführung habe in dem Fall ihre Kompetenzen weit überschritten.

Robert Tönnies befürchtet laut einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme vom Freitag, „dass Clemens an Größenwahn erkrankt sein könnte“ und will das Thema auf die Tagesordnung bei der nächsten Beiratssitzung setzen. Zwar sei er über das China-Geschäft informiert worden, aber die genannte Summe sei deutlich niedriger gewesen.

Sieben Millionen Schweine pro Jahr

Tönnies hatte am Freitag per Pressemitteilung mitgeteilt, das Auslandsgeschäft auszuweiten. Das Unternehmen investiert demnach zusammen mit einem Partner 500 Millionen Euro in einen neuen Schlacht- und Zerlegebetrieb in China. Zusammen mit der chinesischen Dekon Group will Tönnies in der Provinz Sichuan im ersten Schritt einen Schweineschlachthof mit der Kapazität für zunächst zwei Millionen Tiere bauen. Später wollen die Partner, die jeweils 50 Prozent halten, an dem Standort im Jahr sieben Millionen Schweine schlachten. Baubeginn soll im Jahr 2020 sein.

Clemens Tönnies und sein Neffe Robert haben sich über Jahre vor mehreren Gerichten über den Führungsanspruch und über Gesellschafteranteile gestritten. Robert ist der Sohn und Erbe des gestorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Im April 2017 hatten Clemens und Robert Tönnies eine außergerichtliche Einigung präsentiert. Von beiden Familienstämmen gestellte Geschäftsführer und eine neue Beiratslösung sollten Konflikte und Streitfragen bereits im Vorfeld verhindern.

Clemens Tönnies provoziert

Im Sommer 2019 war bekannt geworden, dass der verkündete Friede nicht lange angehalten hatte. Robert pocht daher jetzt auf einen Verkauf der Gruppe und will, dass die im Einigungsvertrag festgehaltene Ausstiegsvereinbarung umgesetzt wird und ein Verkaufsprozess angestoßen wird, bei dem am Ende auch die jeweils andere Familienseite als Käufer des Unternehmens auftreten kann. Die Tönnies-Gruppe mit weltweit rund 16 000 Mitarbeitern hat 2018 mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro erzielt.

Clemens Tönnies war Mitte dieses Jahres heftig kritisiert worden, nachdem er auf einer Veranstaltung gesagt hatte der Bund solle Kraftwerke in Afrika bauen. "Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren", so Tönnies damals. Er entschuldigte sich Tage später und zog sich für drei Monate von seinem Amt als Schalke-Aufsichtsrat zurück. Einen von vielen Seiten geforderten Rücktritt von seinem Amt in dem Fußballverein lehnte er ab. (dpa)

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