Schleppende Nachfrage nach E-Autos : Kaufprämie als Ladenhüter

Nur knapp 47.000 Mal wurde die halbstaatliche Förderung seit Mitte 2016 abgerufen – für 300 000 E-Autos ist Geld da.

Stromausfall. Ihr Anteil am Automarkt wächst, doch die Nachfrage nach E-Autos bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Stromausfall. Ihr Anteil am Automarkt wächst, doch die Nachfrage nach E-Autos bleibt hinter den Erwartungen zurück.Foto: Patrick Pleul/dpa

Berlin - Die deutsche Automobilindustrie feiert bei Absatz und Produktion ein Erfolgsjahr 2017 – kann aber die Kundschaft kaum von einer Zukunftstechnologie überzeugen: Elektromobilität. Zwar wächst der Anteil von E-Fahrzeugen am Pkw-Bestand, trotz staatlicher Kaufzuschüsse und Diesel-Abwrackprämie bleibt die Nachfrage aber schwach.

So wurden bis Ende 2017 lediglich knapp 47 000 Kaufprämien beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) abgerufen. Der im Frühjahr 2016 vom Bund und der Industrie aufgesetzte Topf stellt insgesamt Mittel für rund 300 000 Elektro- und Plug- in-Hybrid-Fahrzeuge zur Verfügung. 600 Millionen Euro des Bundes werden durch weitere 600 Millionen Euro der Industrie aufgestockt. Die Förderung läuft, solange Geld da ist oder bis spätestens Mitte 2019.

Von den fast 47 000 Anträgen auf Kaufprämien stammten laut Bafa 24 500 von Unternehmen und gut 21 600 von Privatkunden. Staatliche Stellen hielten sich dagegen zurück: Nur 346 kommunale Betriebe und Zweckverbände nutzen die Prämie. Weil absehbar ist, dass der Fördertopf bis Mitte kommenden Jahres nicht ausgeschöpft wird, wird nun darüber diskutiert, einen Teil des Geldes in den Aufbau der Ladeinfrastruktur zu investieren. Das löchrige Netz von Ladesäulen gilt als ein Grund, warum sich Verbraucher kein Elektroauto kaufen.

Stattdessen werden weiterhin herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor angeschafft. Im Jahr 2017 dürften nach Prognosen des Autoverbandes VDA bis zu 3,5 Millionen Neuwagen in Deutschland zugelassen worden sein. Mehr waren es lediglich im Jahr 2009, als es wegen der Finanzkrise eine Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge gegeben hatte. Rückläufig ist weiter der Anteil an Diesel-Fahrzeugen, die zuletzt kaum mehr als 30 Prozent des Neuwagengeschäfts ausmachten, vor der VW-Dieselaffäre waren es knapp 50 Prozent.

Nach dem kräftigen Zuwachs im vergangenen Jahr wird der Automarkt in Deutschland 2018 voraussichtlich etwas an Schwung verlieren. Der VDA rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Pkw-Neuzulassungen um zwei Prozent auf rund 3,4 Millionen Fahrzeuge. Um zwei Prozent soll 2018 die Zahl der produzierten Autos deutscher Marken steigen, auf dann 16,7 Millionen Fahrzeuge. Ein Drittel davon – wie im vergangenen Jahr rund 5,6 Millionen Autos – sollen im Inland hergestellt werden, etwa 11,1 Millionen in Werken im Ausland.

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