Schneller als der Hurrikan : Wie Pauschalurlauber sicherer unterwegs sind

Naturkatastrophen, Anschläge, Terror: Die Reisebranche diskutiert über Frühwarnsysteme und Informationen für Reisende.

Katastrophe im Touristenland. West Palm Beach, Florida, nach dem Hurrikan Irma.
Katastrophe im Touristenland. West Palm Beach, Florida, nach dem Hurrikan Irma.Foto: imago/ZUMA Press

Pauschalurlauber, die am heutigen Mittwoch ihren Rückflug von La Réunion erreichen wollten, wurden zwei Stunden früher vom Hotel abgeholt. Grund: Der Tropensturm Berguitta ist im Anmarsch. Entsprechend wurden die Starts vorverlegt, „damit wir unsere Gäste vor dem Unwetter rausbringen können“, sagt Melanie Gerhard vom Krisenmanagement bei DER Touristik. Bei einem Round Table gestern in Berlin drehte sich alles um das Thema Reisesicherheit.

Dass das Unternehmen – wie inzwischen alle großen Veranstalter – vorausschauend und schnell auf mögliche Gefahren reagieren kann, liegt auch an dem Tübinger IT-Unternehmen A3M. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiseverband (DRV) hat es ein Info-System entwickelt, das alle möglichen Unwägbarkeiten in allen Teilen der Welt registriert. Da kommt viel zusammen. „Im Jahr 2017 waren das zum Beispiel 95 tropische Stürme, 881 Erdbeben (ab einer Magnitude von 4,8), 1237 Ereignisse mit terroristischem Hintergrund und 450 Ereignisse im Bereich Transport“, berichtet Marcel Brandt von A3M. 500 Quellen, darunter natürlich auch die Hinweise des Auswärtigen Amtes, werden rund um die Uhr in dem Unternehmen aufbereitet. Dazu werden sie nach Relevanz auf einer Skala von eins bis fünf eingeordnet. „Fünf wäre dann aber schon ein Hurrikan oder ein Anschlag wie etwa 9/11“, sagte Brandt.

Nachrichten per SMS an Urlauber

Die Veranstalter haben durch ihre Kontakte zu Hotels und Reiseleitern vor Ort, oft noch mehr Quellen. „Wir greifen im Schnitt auf 750 zurück“, sagt Melanie Gerhard. Sobald ein Notfall eintritt, ob Pilotenstreik oder drohender Erdrutsch, bekommen die Urlauber dies per SMS mitgeteilt. Vorausgesetzt natürlich, sie haben dem Veranstalter vorab ihre Mobilfunknummer mitgeteilt. Dann könnte man sie instruieren etwa mit der Botschaft: „Bleiben Sie zunächst im Hotel, Sie werden verpflegt, wir kümmern uns“, sagt Ulrich Heuer, Krisenstabsleiter bei Tui. Leider behielten Deutsche, anders als Skandinavier oder Engländer, ihre Mobilfunknummern gern geheim. „Sie wollen sie einfach nicht rausrücken“, sagt Heuer. Schon gar nicht, wenn sie nur eine Städtereise gebucht haben. Bei der Fernstrecke seien die Urlauber vorsichtiger, sagt Gerhard. „Da haben wir die Handynummern nur bei rund 80 Prozent der Buchungen.“

Frühwarnsysteme auf der Tagesordnung

Auch Geschäftsreisende bilden ein wichtiges Klientel von A3M. „Ob Aktenkoffer oder Beachball unterm Arm, die Ereignisse bleiben dieselben“, erläutert Tom Dillon, Geschäftsführer der Firma. Wer aufgrund des Business unterwegs ist, muss auch mal in Regionen fliegen, die ohnehin gefährlicher seien als ein Mittelmeerstrand. Dringlich sei auch die „Entwarnung“, etwa nach einem Anschlag, sagt Stefan Vorndran, Vorstand im DRV. Paris zum Beispiel hatte nach der Attacke vor gut zwei Jahren lange Probleme, Touristen, aber auch Geschäftsleute in die Metropole zu locken. „Dort wollte einfach niemand eine Tagung mit 150 Leuten durchführen“, weiß Vorndran.

Einig waren sich die Experten in der Erkenntnis: Auch 2018/2019 wird das Thema Frühwarnsystem eine große Rolle spielen. Angeführt werde das Krisen-Ranking vom Klimawandel. „Nie mussten wir in Kroatien so viele Campingplätze wegen Unwetter räumen wie 2017, niemals so viele Urlauber vor Waldbränden in Kalifornien in Sicherheit bringen“, sagt Gerhard. „Und der Terror gehört inzwischen sowieso zum allgemeinen Lebensrisiko“, sagt Mirko Jacubowski vom Krisenstab bei Thomas Cook.

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