Die Schattenseiten des starken Schweizer Franken

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Schock und Schokolade : Die Tücken des starken Schweizer Franken
Wechselkurseffekt. Binnen 24 Stunden wertete der Schweizer Franken im Januar um fast ein Viertel auf.
Wechselkurseffekt. Binnen 24 Stunden wertete der Schweizer Franken im Januar um fast ein Viertel auf.Foto: Oliver Berg/dpa

Die Deka, Fondstochter der Sparkassen, gibt zu bedenken, dass der starke Franken die Schweizer Wirtschaft zu Einsparungen, strukturellen Veränderungen wie Verlagerungen der Produktion in die Euro-Zone zwingen und damit langfristig wettbewerbsfähiger machen könnte. Hinzu kommt, dass die drei größten Aktien im Schweizer Index – Nestlé, Novartis und Roche – international ausgerichtet sind: Umsätze wie auch Kosten fallen vor allem in anderen Währungen als dem Franken an, weil im Ausland nicht nur verkauft, sondern auch produziert wird.

UBS und Bank of Tokyo sehen kaum Spielraum für eine weitere Aufwertung, da der Franken zuletzt auf dem stärksten Niveau seit drei Dekaden angekommen sei und die Negativzinsen Kapital aus dem Franken ziehen würden. Die Commerzbank und JP Morgan hingegen glauben, dass der Euro seine jüngsten Gewinne wieder abgeben und auf 92 bis 98 Rappen je Euro abwerten könnte. Verantwortlich dafür seien die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank und vor allem jene Anleger und Kommunen, die wegen der sehr günstigen Zinsen Kredite in Franken aufgenommen hätten, aber in anderer Währung tilgen und auf einen Schlag 20 Prozent höhere Schulden haben. Ein Tausch der Kredite in Euro würde den Franken weiter stärken. Betroffen sind deutsche Städte und Hunderttausende Immobilienkäufer in der EU, vor allem in Polen.

Umgekehrt könnten Anleger, die Festgelder in der Schweiz oder auf Franken- Konten bei deutschen Banken angelegt haben, nur bei einer weiteren Aufwertung mit Renditen rechnen. Denn zwar müssen Privatanleger keine Negativzinsen zahlen, doch positive Zinsen wirft der Franken kaum ab. Die Grenze für Strafzinsen liegt je nach Bank zwischen 100 000 und einer Million Franken.

Immobilien sind wertvoller geworden - auf dem Papier

Gut verdient – zumindest auf dem Papier – haben seit dem 22. Januar auch Anleger aus der Euro-Zone, die in Schweizer Immobilien angelegt hatten. Ihre Häuser waren schlagartig 20 Prozent mehr wert, wenn auch nur in Euro. Allerdings bleibt das Plus nach Erkenntnissen von Tom Friess oft ein virtuelles: „Wer als Euro- Ausländer eine Immobilie in der Schweiz ergattert hat, kann sich zwar jetzt freuen, dass er beim Verkauf mehr Euro in der Tasche hätte. Aber die meisten wollen gar nicht verkaufen.“ Umgekehrt muss nun noch mehr bezahlen, wer sich als Euro-Verdiener ein Haus in Davos oder eine Wohnung in Zürich kaufen möchte.

Auch wer sich nicht direkt in der Schweiz, sondern nur in Franken engagieren möchte, hat Möglichkeiten. Er kann in Aktien, Anleihen und Rohstoffe investieren, dies aber nicht in Euro, sondern in Franken bei Schweizer Fondsanbietern. Zudem bieten einige Häuser außerhalb der Schweiz ihre Flaggschiffe auch in Franken-Tranchen an. So sind im Mischfonds Carmignac Patrimoine, der mehr als 20 Milliarden Euro verwaltet, ein paar Millionen auch in einer Franken-Version deponiert. Das Ergebnis: Der Fonds, der weltweit in Aktien und Anleihen investiert, liegt in der Euro-Variante 2015 bis jetzt gut fünf Prozent im Plus. Wer vor dem Franken-Schock Anfang Januar gekauft hatte, nun verkauft und in Euro tauscht, kann 19 Prozent Plus einstreichen.

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