Verbraucherschützer warnen, dass Nutzer die Kontrolle über ihre Daten verlieren

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Selftracking : Die Vermessung des Menschen
Zähltag. Selbstvermesser erfassen zum Beispiel, wie viele Schritte sie am Tag machen
Zähltag. Selbstvermesser erfassen zum Beispiel, wie viele Schritte sie am Tag machenFoto: picture alliance / dpa

Verbraucherschützer sehen die Entwicklung sehr kritisch. Denn die Hersteller sammeln über die Geräte und Apps eine Vielzahl sensibler Daten, die schnell in die falschen Hände kommen könnten, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Er hat die Dienste, die Selftracker nutzen, stichprobenartig untersucht. Das Ergebnis: In vielen Fällen treten die Nutzer mit ihrem Häkchen unter den Allgemeinen Geschäftsbedingungen das Recht an ihren Daten ab. Die Anbieter dürfen sie dann an Dritte weitergeben, die sie zum Beispiel nutzen können, um personenbezogene Werbung zu schalten.

 Interessant ist das Geschäft auch für Krankenkassen, die stets bemüht sind, mehr über ihre Versicherten zu erfahren. Die AOK Nordost hat jetzt 730 Menschen mit einer Handy-App ausgestattet, mit der sie erfassen können, wie viel Sport sie treiben, wie viel Alkohol sie trinken oder wie viel sie schlafen. Noch ist das ein Pilotprogramm. Wird es ein Erfolg, könnte es schon bald Teil des Bonusprogramms der Krankenkasse werden.

Die Wissenschaft sieht ebenfalls Potenzial im Selftracking

Auch die Wissenschaft hat erkannt, welche Möglichkeiten das Selftracking bietet. Forscher der Universität Bonn nutzen es zum Beispiel, um frühzeitig psychische Probleme aufzudecken. Sie haben eine App entwickelt, die erfasst, wie oft ein Smartphone-Nutzer telefoniert, wie viele Nachrichten er schreibt und wo er sich aufhält. Aus diesen Daten lässt sich herauslesen, wie oft jemand mit anderen kommuniziert. „Zieht er sich aus seinem sozialen Umfeld zurück, kann das ein erstes Anzeichen für eine Depression sein“, sagt Wissenschaftler Alexander Markowetz. Auf diese Weise wird die Selbstüberwachung zur Lebenshilfe.

Auch Selbstvermesser Florian Schumacher glaubt, dass Selftracking noch viel Potenzial hat. Er testet derzeit das sogenannte „Lifelogging“. An seiner Jacke steckt ein kleines schwarzes Gerät, das in etwa die Größe eines Passfotos hat: Es ist eine Kamera, die alle 30 Sekunden ein Foto schießt. Auf diese Weise dokumentiert Schumacher seinen Alltag. Wo war er, was hat er gemacht, welche Menschen hat er getroffen, wie war das Wetter? Wie er die Fotos nutzen will, ob er alle oder nur einen Teil archivieren wird, weiß Schumacher noch nicht. „Im Moment teste ich das erst einmal aus“, sagt er.

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