Wirtschaft : Siemens setzt auf Berlin

Der Konzern profitiert vom Export. 750 neue Arbeitsplätze am größten Fertigungsstandort

Corinna Visser

Berlin - Die gute Wirtschaftsentwicklung hat für volle Auftragsbücher beim größten Industrieunternehmen der Hauptstadt gesorgt. „Alle Werke sind gut ausgelastet und arbeiten profitabel“, sagte der Chef von Siemens Berlin, Gerd von Brandenstein, am Dienstag. „Der Firma geht es gut. Wir kämpfen darum, dass es weiter gut bleibt.“ Im vergangenen Geschäftsjahr produzierte Siemens in Berlin Waren und Dienstleistungen im Wert von 2,8 Milliarden Euro, 300 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

Das brachte auch neue Jobs: 580 Mitarbeiter hat der Konzern in der Region eingestellt. Seit Beginn des neuen Geschäftsjahres im Oktober hat Siemens hier 170 Mitarbeiter unter Vertrag genommen – und sucht derzeit noch weitere 150 Arbeitskräfte, vor allem Facharbeiter und Ingenieure. Besonders viele Einstellungen gab es zuletzt im Dynamowerk, im Schaltwerk Hochspannung, im Gasturbinen- und im Messgerätewerk. Insgesamt arbeiteten Ende Februar 14 047 Mitarbeiter bei Siemens in Berlin. Zum 1. April wird Siemens jedoch 2000 Mitarbeiter aus der Telekommunikation verlieren. Sie wechseln in das dann startende Joint Venture Nokia Siemens Networks, das Technik für Mobilfunk- und Festnetze produziert.

Unter den 14 047 Mitarbeitern sind mehr als 1000 Auszubildende. Auch hier sucht Siemens Bewerber – und arbeitet intensiv daran, mehr Mädchen für technische Berufe zu gewinnen. In der Ausbildung zur „Elektronikerin für Betriebstechnik“ gibt es sogar reine Mädchenklassen. Die Hauptstadt ist mit ihren acht Fabriken der weltweit größte Fertigungsstandort des Konzerns. „Siemens in Berlin ist ein Gewinner der Globalisierung“, sagte Brandenstein. „Wir arbeiten hier zu 90 Prozent für den Export.“ Von der Korruptionsaffäre um schwarze Kassen im Konzern, in der seit vergangenem November die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt, sei Berlin nicht betroffen. „Wir sind streng und haben alles kontrolliert“, sagte Brandenstein. Die Korruptionsaffäre schade dem Image des Unternehmens, räumte der Berliner Repräsentant ein. In den Auftragsbüchern habe sich das jedoch bisher nicht niedergeschlagen.

Der Konzern – vor bald 160 Jahren in Berlin gegründet, aber seit 1949 von München aus geführt – investiert weiter in den Hauptstadtstandort: Im vergangenen Geschäftsjahr stieg das Investitionsvolumen um 50 Millionen auf 400 Millionen Euro. 240 Millionen davon flossen in Forschung und Entwicklung. „Ich glaube, es gibt keinen anderen in Berlin, der so viel investiert“, sagte Brandenstein. Dafür haben die 2200 Forscher und Entwickler mehr als 300 Erfindungen gemacht, seit Oktober kamen 120 weitere hinzu. Im Moabiter Gasturbinenwerk wird derzeit die weltweit stärkste Gasturbine gebaut. An anderer Stelle entwickeln Forscher biologisch abbaubare Leiterplatten auf Rapsbasis. Im Dynamowerk entstehen Antriebe für vier Aida Kreuzfahrtschiffe.

Dabei sichere Siemens auch rund 13 000 Arbeitsplätze außerhalb des Konzerns, sagte Brandenstein. 2006 hätten allein die Berliner Werke für 1,7 Milliarden Euro bei Mittelständlern in Deutschland eingekauft. Davon seien rund 500 Millionen in der Region geblieben.

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