Simba-Dickie wächst wieder : Wie der Bobby-Car-Hersteller aus der Krise fand

Die Spielwaren-Branche steckt in Schwierigkeiten. Bei dem Familienunternehmen Simba-Dickie hofft man, die Wende geschafft zu haben.

Simba-Dickie, der Hersteller des Bobby-Cars, verzeichnet ein schwaches Wachstum.
Simba-Dickie, der Hersteller des Bobby-Cars, verzeichnet ein schwaches Wachstum.Foto: picture alliance/dpa

Vor zwei Jahren bemühte Michael Sieber noch eine Fußball-Metapher, um seine Geschäftsstrategie zu beschreiben. „In den vergangenen drei Jahren war für uns wichtig, dass hinten die Null steht“, sagte der Chef des Spielwarenherstellers Simba Dickie. Ab sofort wolle man aber „wieder Tore schießen“.

Damit meinte er zwei Dinge: Erstens Konkurrenten aufkaufen. Und zweitens das Wachstum nach Jahren der Krise und Konsolidierung wieder nach oben treiben. Mit einiger Verzögerung scheint das nun zu klappen.

Denn im abgelaufenen Jahr konnte die Simba Dickie Group ein Umsatzwachstum von 14 Prozent erzielen, wie das Unternehmen am Rande der Spielwarenmesse in Nürnberg mitteilte. Zwar waren die Zukäufe für einen Großteil dieses Plus’ verantwortlich, doch auch ohne die neuen Tochterunternehmen stieg der Umsatz immerhin um ein Prozent. Die Ertragssituation sei „stabil“. Insgesamt lag der konsolidierte Gesamtumsatz bei 702,3 Millionen Euro. Vor Jahresfrist waren es 616 Millionen Euro, was damals ein Rückgang um fünf Prozent bedeutet hatte.

Jeder kennt das Bobby-Car

Simba Dickie mag nicht zu den berühmtesten Firmennamen des Landes gehören, die Produkte des Familienunternehmens sind allerdings weithin bekannt. So gehört etwa die Bobby-Car-Marke Big zum Konzern. Auch Noris-Spiele und -puzzle dürften sich in vielen Haushalten befinden. Die Modellbaumarke Märklin gehört ebenfalls der Eigentümerfamilie Sieber, die die Firma in zweiter Generation führt. Märklin ist allerdings nicht Teil des Simba-Dickie-Konzerns, konnte seinen Umsatz aber ebenfalls um fünf Millionen Euro steigern.

So beschaulich die Geschichte eines 1982 gegründeten Familienunternehmens aus Fürth auch klingen mag – Simba-Dickie ist längst ein Weltkonzern. Das haben die vergangenen Jahre erneut gezeigt, in denen die Siebers international auf Einkaufstour gingen. Die neuesten Mitglieder der Simba-Dickie-Familie sind die amerikanische Jada Group, ein Produzent von Modellautos, und der französische Puppenhersteller Corolle.

Zudem stiegen die Fürther beim Schweizer Händler Franz Carl Weber ein. All das schlug sich in der aktuellen Bilanz erstmals nieder. Weltweit beschäftigt Simba-Dickie inzwischen 3090 Mitarbeiter, 777 davon in Deutschland. 72 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet.

Angesichts eines „weiterhin sehr schwierigen Marktumfelds mit Krisen in vielen Ecken der Welt“, bewertete Manfred Duschl, Finanzchef des Konzerns, das aktuelle Ergebnis als „großen Erfolg“. Und in der Tat steckte nicht nur Simba Dickie, sondern viele Bereiche der Spielebranche in Schwierigkeiten. Am heftigsten traf die Hersteller die Pleite des US-Händlers Toys’R’Us im Jahr 2018. Doch auch in Frankreich und Belgien verschwanden führende Händler vom Markt.

Barbie-Hersteller überholt Simba-Dickie

Die niederländische Kette Intertoys schloss Mitte 2019 all ihre Filialen in Deutschland. Hauptgrund für die Krise der Händler dürfte die Online-Konkurrenz sein. Laut dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels werden inzwischen rund 43 Prozent des Spielzeugs im Internet gekauft. Doch politische Ereignisse wie der Brexit wirken sich beim Bobby-Car-Hersteller aus: Allein in Großbritannien war der Umsatz mit Spielwaren 2018 um zwölf Prozent eingebrochen.

Obwohl man sich bei Simba-Dickie mit den aktuellen Zahlen zufrieden zeigt, hat das Unternehmen gegenüber der Konkurrenz in Deutschland an Boden verloren. Dem Marktforschungsinstitut NPD Group nach war der Konzern Ende 2019 der fünftgrößte Spielwarenhersteller in der Bundesrepublik. Zuvor lagen die Fürther auf Rang vier. Überholt wurden sie von Barbie-Hersteller Mattel. Die ersten drei Plätze gehen unverändert an Lego, Playmobil und Ravensburger.

„Im Jahr 2020 stehen weltweit hinter vielen politischen, wirtschaftlichen und währungspolitischen Entwicklungen Fragezeichen“, gab sich Duschl beim Ausblick auch nur verhalten optimistisch. „Eine Rezession in Europa, aber auch in Deutschland ist im laufenden Jahr nicht mehr ganz ausgeschlossen.“ Von weiteren Akquisitionen sprach er nicht. Investieren will das Unternehmen in diesem Jahr vornehmlich in die Logistik. Dennoch soll der Umsatz weiter steigen. Duschl geht davon aus, im nächsten Jahr 725 Millionen Euro verkünden zu können. Thorsten Mumme

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