Slack-Gründer Butterfield : Der Totengräber der E-Mail

Stewart Butterfield hat einst die Fotoplattform Flickr gegründet. Jetzt will er mit Slack die E-Mail abschaffen, Millionen nutzen den Dienst schon.

Zweiter Erfolg nach Flickr. Slack-Gründer Butterfield sprach in Berlin.
Zweiter Erfolg nach Flickr. Slack-Gründer Butterfield sprach in Berlin.Foto: dpa

Immer wieder versuchen Unternehmen, Alternativen zur E-Mail zu entwickeln. Eines der ambitioniertesten Versuche war Google Wave – und wurde mangels Erfolges nach einem Jahr wieder eingestellt. Stewart Butterfield ist es dagegen gelungen, einen Ersatz zu erfinden, der immer populärer wird. Slack heißt sein Kommunikationsdienst, der vor allem bei Start-ups und anderen Technologieunternehmen für die interne Kommunikation genutzt wird.

„Slack ist nicht so einfach zu erklären“, sagte Butterfield am Donnerstag auf der Internetkonferenz DLD, die zum ersten Mal mit einem Ableger in Berlin stattfand. „Doch im Prinzip ersetzt es E-Mail innerhalb von Unternehmen.“ Die Kommunikation erfolgt dabei vor allem in thematischen Kanälen statt mit einzelnen Personen oder Gruppen. Es können auch Dokumente geteilt und gemeinsam bearbeitet werden. Inzwischen verwenden mehr als sechs Millionen Menschen Slack täglich. „Allein in Berlin haben wir 70 000 Nutzer“, sagte Butterfield.

Milliardengebote von Amazon & Co. abgelehnt

Das hat auch das Interesse der großen Konzerne geweckt. Sowohl Microsoft als auch Amazon sollen laut US-Medienberichten schon acht bis neun Milliarden Dollar für Slack geboten haben. Doch Butterfield will von einem Verkauf nichts wissen: „Wenn es für sie Sinn macht, uns zu kaufen, macht es für uns Sinn, unabhängig zu bleiben.“

Das nötige Polster dafür hat Slack: Erst im September hat der japanische Telekommunikationsriese Softbank über seinen neuen Technologiefonds 250 Millionen Dollar investiert, insgesamt hat das Start-up damit fast 800 Millionen von Investoren erhalten und wird mit mehr als fünf Milliarden Dollar bewertet. Zudem erzielt das Unternehmen mit seinen zwei Millionen zahlenden Nutzern Einnahmen von 200 Millionen Dollar pro Jahr. Um das Geschäft hierzulande anzukurbeln, sollen die Daten künftig nicht mehr nur in den USA, sondern auch auf Servern in Europa gespeichert werden.

Gegenattacke von Microsoft

Allerdings versuchen sich andere große Unternehmen inzwischen an Konkurrenzprodukten, allen voran Microsoft. In diesem Jahr führte der Konzern mit „Microsoft Teams“ eine Gruppenchat-Software ein, die Kritiker als Slack-Kopie bezeichnen. Doch Butterfield hat vor dem Riesen aus Redmond keine Angst. „Wer Anfang der Achtziger gesagt hätte, Microsoft werde größer als IBM, den hätte man ausgelacht“, sagt Butterfield. Dann kam Google und trotz großer Anstrengungen gelang es Microsoft nicht, mit seiner eigenen Suchmaschine mitzuhalten. Google wiederum schaffte es nicht, sein eigenes soziales Netzwerk Google Plus gegen Facebook zu positionieren. „Ein kleines fokussiertes Start-up hat immer einen Vorteil gegen ein großes Unternehmen“, sagt Butterfield.

Der 44-jährige Kanadier wehrt sich auch gegen eine Übernahme, weil er sein erstes Unternehmen schnell verkauft hat. 2002 hatte er mit seiner damaligen Frau das Fotoportal Flickr gegründet, zu dieser Zeit die erste populäre Plattform, um Bilder im Netz zu veröffentlichen. Nach drei Jahren hatte Yahoo Flickr gekauft. Butterfield blieb noch drei Jahre bei Yahoo, dann wollte er ein Onlinespiel entwickeln. Das Projekt scheiterte, doch nebenbei entstand Slack. Denn die Gründer waren über die USA verteilt und entwickelten eine Kommunikationssoftware für den eigenen Gebrauch, die sich an Chat- und Messengerprogrammen orientierte.

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„Mir geht es nicht um das Geld, ich liebe es, Software zu machen“, sagt Butterfield. Und er wisse, dass er so eine Chance, eine große Firma aufzubauen, wie nun mit Slack, wohl nicht noch einmal bekomme. „Ich möchte das für die nächsten 25 Jahre machen“, erklärte er dem Berliner Publikum.

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