Wirtschaft : Software AG baut Engagement in Berlin aus

Darmstädter suchen Partnerhochschule und wollen Hauptstadtbüro einrichten

Corinna Visser

Berlin - Deutschlands zweitgrößte Softwarefirma verstärkt ihr Engagement in der Hauptstadt. „Wir wollen in den kommenden drei Jahren unsere Präsenz hier auf 50 Mitarbeiter ausbauen“, sagte Karl- Heinz Streibich, Vorstandschef der Software AG, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „In Berlin soll ein Kompetenzzentrum für E-Government entstehen.“ E-Government bedeutet unter anderem, dass verschiedene Dienstleistungen des Staates internetfähig gemacht werden. Das Darmstädter Unternehmen, das derzeit in Berlin lediglich eine Geschäftsstelle mit zehn Mitarbeitern in Moabit unterhält, will ein neues Hauptstadtbüro eröffnen. Zudem ist die Software AG auch an einer strategischen Partnerschaft mit einer Berliner Hochschule interessiert.

Die Software AG ist in zwei Geschäftsfeldern aktiv: Der größere Bereich mit 80 Prozent des Umsatzes ist das Datenbankgeschäft. Hierbei geht es in der Regel um unternehmenskritische Software. Das heißt: Die Unternehmen funktionieren nicht mehr, wenn die Software versagt. So läuft etwa die Flensburger Verkehrssünderkartei über Software der Software AG ebenso wie die Gehaltsabrechnung des Bundeskanzleramts, die Steuerabrechnung des Staates Kalifornien oder die Kontrolle des Gasflusses bei Gasprom.

Das zweite kleinere, aber stark wachsende Geschäftsfeld ist die Integration und Modernisierung bestehender individueller Softwaresysteme. Hier hilft die Software AG Firmen, ihre über die Jahre angeschafften verschiedenen Programme und Anwendungen zu verbinden und zu integrieren. SOA: serviceorientierte Architektur heißt dieses Geschäft im Fachjargon. Kunden der Software AG sind größere Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, die ein Rechenzentrum haben. Konkurrenten sind Firmen wie IBM, Oracle aber auch Microsoft.

Am Freitag kündigte das Unternehmen an, erneut die Dividende zu erhöhen. Für 2006 sollen 90 Cent pro Aktie gezahlt werden, 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Vorstandschef Streibich hat das Unternehmen nach einer harten Sanierung nun auf Expansionskurs gebracht. Innerhalb von fünf Jahren soll sich der Umsatz auf eine Milliarde Euro verdoppeln. Die Wachstumsrate soll von zehn Prozent im Jahr 2007 in den Jahren bis 2011 auf durchschnittlich 17 Prozent jährlich steigen. Dabei sind auch Zukäufe geplant. „Wir können allein 100 Millionen Euro aus unseren Rücklagen für Akquisitionen einsetzen“, sagte Streibich. Verstärken will sich das Unternehmen in drei Bereichen: „Wir wollen erstens im Bereich Technologie zukaufen, um unser Portfolio zu ergänzen.“ Das sei billiger, als alles selbst zu entwickeln. Zukäufe seien zweitens geplant, um neue Marktzugänge zu erschließen. „Dazu haben wir einen Partner in Mittelamerika gekauft“, erklärte Streibich. Drittens gehe es darum, Firmen zu erwerben, um Marktanteile hinzuzugewinnen. Sein Augenmerk richtet das Unternehmen dabei auf die aufstrebenden Regionen in Asien, Lateinamerika, im mittleren Osten und in Osteuropa.

In Deutschland hofft die Software AG auch auf die Bundesregierung. Sie soll mit gutem Beispiel vorangehen und zum Innovator werden, also selbst modernste Informationstechnik einsetzen. Daher will das Unternehmen seinen Vertrieb, aber auch die Entwicklung in Berlin ausbauen. Neben bereits bestehenden Kooperationen mit der Hochschule Darmstadt und dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam sucht das Unternehmen auch eine Partnerhochschule in Berlin. Geplant ist, dass Studenten eine Ausbildung und praktische Erfahrung in dem Bereich der Integration und Flexibilisierung von IT-Systemen bekommen sollen. „Wir müssen neue Trends aus der Industrie in die Wissenschaft aktiv hineintragen und wollen nicht warten, bis die Lehrpläne angepasst sind und die richtigen IT-Fachkräfte auf den Markt kommen“, sagte Streibich.

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