Sparkassen : Mit Rekordgewinn zur LBB-Übernahme

Mit einem Rekordgewinn im Rücken sind Deutschlands Sparkassen zum Erwerb der Landesbank Berlin entschlossen. Der Sparkassen- und Giroverband sieht sich gut gerüstet, die Übernahme zu stemmen.

Frankfurt/Main - "Wir sind in der Lage, jedes betriebswirtschaftlich vernünftig begründete Angebot zu schultern", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis. "Wir wollen Berlin erwerben." 2006 steigerten die 457 Sparkassen ihren Jahresüberschuss binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Der DSGV hatte Anfang März ein gemeinsames Kaufangebot der Sparkassen zum Erwerb des 81-prozentigen Landesanteils an der früheren Bankgesellschaft Berlin angekündigt. Es basiere auf einer Eigenkapitalbasis von "um die vier Milliarden Euro". Berlin muss sich wegen Auflagen der Europäischen Union bis Jahresende von der LBB trennen. Erwartet wird ein Milliardenerlös.

Die Sparkassengruppe profitierte im vergangenen Jahr von der anziehenden Konjunktur: Kredite im Gesamtvolumen von 615,5 (Vorjahr: 612,4) Milliarden Euro wurden an Unternehmen, Privatleute und die öffentliche Hand ausgegeben. Zusammen mit den Landesbanken bauten die Sparkassen ihren Marktanteil bei der Unternehmensfinanzierung leicht von 43,1 auf 44,1 Prozent aus. "Wir sind nun mit noch größerem Abstand der Mittelstandsfinanzierer Nummer eins in Deutschland", sagte Haasis.

Keine eigene Direktbank

Im umkämpften Markt der Konsumentenkredite sieht der DSGV-Präsident weiterhin Nachholbedarf, betonte jedoch: "Wir treiben unsere Kunden nicht in die Verschuldung." Haasis zeigte sich überzeugt, dass die öffentlich-rechtlichen Institute beim weiteren Werben um Kunden das richtige Geschäftsmodell haben. "Es gibt keinen Ansatz, dass wir bundesweit eine eigene Direktbank wollen." Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Kundeneinlagen insgesamt um 15,8 Milliarden auf fast 697 Milliarden Euro.

Innerhalb der Sparkassengruppe verloren in den vergangenen zwölf Monaten weitere sechs Institute ihre Unabhängigkeit. Seit dem Spitzenwert von 770 im Jahr 1990 sank die Zahl der Sparkassen um mehr als 300. "Der Fusionsprozess ist nicht abgeschlossen, es wird in einem langsameren Tempo noch zu weiteren Konzentrationen kommen", sagte Haasis. Die Zahl der Mitarbeiter sank wegen natürlicher Fluktuation in den vergangenen zwölf Monaten von knapp 261.000 auf 257.000. (tso/dpa)

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