Spieleentwickler Wooga : Casinospezialist kauft Berliner Vorzeige-Start-up

Berlins größter Videospieleentwickler für weit über 100 Millionen Dollar an Playtika aus Israel verkauft.

Nächstes Level für Wooga-Gründer Jens Begemann.
Nächstes Level für Wooga-Gründer Jens Begemann.Doris Spiekermann-Klaas

Ein Vorzeige-Start-up der Hauptstadt wird verkauft: Der israelische Spielehersteller Playtika übernimmt Wooga. Dessen Gründer Jens Begemann hat die Höhen und Tiefen des schnelllebigen Spielegeschäfts alle miterlebt. Das 2009 gegründete Unternehmen hatte mit Spielen für Facebook angefangen, es war die Zeit als die US-amerikanische Zynga mit Titeln wie „Farmville“ die Branche durchschüttelte. Doch das Phänomen war schnell wieder vorbei; Wooga schaffte es schnell auf den nächsten Trend umzusatteln: Mobile Games. 2013 besichtigte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Büros in der Backfabrik am unteren Ende der Prenzlauer Allee. Das Unternehmen war damals auf dem Höhepunkt und galt als Berliner Vorzeige- Start-up. Der Umsatz mit den Handyspielen kletterte auf fast 50 Millionen Euro, Wooga beschäftigte 280 Mitarbeiter.

Doch dann verzettelte sich Begemann. Neue Titel und Ausflüge in andere Genres wie Strategiespiele und Shooter floppten. Ein Spiel zu „Futurama“, der Science-Fiction-Comedy der „Simpsons“- Macher ereilte das gleiche Schicksal wie die Serie: Es war kommerziell weit weniger erfolgreich, als die knallgelbe Comicfamilie. Begemann musste plötzlich Mitarbeiter entlassen und viele Projekte wieder einstampfen.

Milliarden für die Casino-Spielfirma

„Wir hatten schwierige Zeiten“, sagt Begemann, der auch eigene Fehler einräumt. Doch seit sich das Unternehmen wieder auf seine Kernkompetenz konzentriert, Gelegenheitsspiele für das Smartphone zu entwickeln, gehe es wieder deutlich aufwärts. Nachdem der Umsatz drei Jahre in Folge auf zuletzt 34,4 Millionen zurückgegangen war und Wooga sogar Verluste schrieb, hatten die Berliner im Sommer die Rückkehr in die schwarzen Zahlen und ein Einnahmeplus von rund 40 Prozent vermeldet. Als Notverkauf will Begemann die Übernahme durch Playtika daher nicht verstanden wissen: Im Gegenteil. „Die positive Entwicklung wurde im Markt registriert“, sagt Begemann.

Daher habe es auch wieder verstärkt Anfragen von Kaufinteressenten gegeben. „Es war nun der richtige Zeitpunkt, darauf zu reagieren“, sagt Begemann. Er kontaktierte weitere Interessenten, die früher schon angeklopft hatten aber abgeblitzt waren. Playtika bezeichnet er als besten Partner. Tatsächlich ergänzen sich die Unternehmen. Die Israelis sind mit digitalen Versionen von Casino-Spielen groß geworden und beschäftigen inzwischen 2000 Mitarbeiter. 2011 wurden sie von der Digitalsparte des Glücksspielkonzerns Caesars Entertainment aus Las Vegas übernommen. Vor zwei Jahren kaufte dann ein chinesisches Konsortium von Private-Equity-Investoren unter Führung von Giant Interactive die Israelis. Die Gruppe, an der auch Alibaba-Gründer Jack Ma beteiligt ist, bezahlte immerhin 4,4 Milliarden Dollar für Playtika.

Verkauf für etwa 200 Millionen Dollar

Im Vergleich dazu ist Wooga geradezu ein Schnäppchen. Der genaue Kaufpreis wird zwar nicht genannt, doch laut Begemann ist er neunstellig. Verschiedene Medien berichteten über einen Betrag von 100 Millionen Dollar. „Das ist definitiv falsch“, sagt Begemann. Die Summe soll deutlich höher liegen, das Branchenportal „Deutsche Startups“ spricht von rund 200 Millionen Dollar.

Das dürfte auch die Geldgeber freuen: Die Berliner hatten seit der Gründung von Investoren wie der britischen Risikokapitalgesellschaft Balderton Capital, der US-Gesellschaft Highland Capital Partners und Holtzbrinck Ventures insgesamt etwa 32 Millionen Dollar an Wagniskapital erhalten.

Wooga soll als eigenständiger Entwickler unter der Leitung von Begemann bestehen bleiben. Und auch die Arbeitsplätze der fast 190 Mitarbeiter sollen bleiben. „Wooga hat ein fokussiertes und leidenschaftliches Team mit einer starken Führung“, lobt Robert Antokol, Gründer und CEO von Playtika. „Wir freuen uns sehr, sie in der Playtika-Familie begrüßen zu können.“

Begemann hofft, vom Know-how der Israelis, beispielsweise im Bereich Marketing, zu profitieren. Trotzdem glaubt er, dass auch dort oder in der Finanzabteilung keine Stellen gestrichen oder mit dem neuen Besitzer zusammengelegt werden. „Im Bereich Marketing sind wir eher zu klein“, sagt Begemann, „ich gehe daher eher davon aus, dass die Mitarbeiterzahl weiter steigt.“

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