Spielwaren-Expertin Rice : "Spielen muss nicht immer mit Lernen zu tun haben"

Die US-Amerikanerin Reyne Rice analysiert für die Spielwarenmesse Nürnberg Markttrends. Im Interview spricht sie über Pädagogik im Kinderzimmer

Die US-Amerikanerin Reyne Rice beobachtet für die Veranstalter der Spielwarenmesse Nürnberg die Trends der Branche.
Die US-Amerikanerin Reyne Rice beobachtet für die Veranstalter der Spielwarenmesse Nürnberg die Trends der Branche.Foto: Christian Hartlmaier/Spielwarenmesse 2017

Frau Rice, einer der Trends der diesjährigen Spielwarenmesse lautet „Explore Nature“. Worum geht es da?

Es geht darum, Kindern zu zeigen, wie sie die Welt da draußen wiederentdecken können. Ziel ist, ihnen all die wunderbaren Spielmöglichkeiten zu zeigen, die es direkt vor ihrer Haustür gibt: im Garten und auf dem Spielplatz der freien Natur. Dazu zählt etwa das Erkunden von Pflanzen und das Spielen mit Wasser und Bäumen – damit Kinder die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen.

Das ist doch ein starker Kontrast zu den High-Tech-Spielwaren, die auf der Messe präsentiert werden.

Natürlich wird Technikspielzeug auch weiterhin Einfluss auf Familien und Kinder haben. Der Trend „Explore Nature“ ist fast so etwas wie ein Gegentrend dazu. Eltern stellen fest, dass ihre Kinder einen Ausgleich zum Elektronikspielzeug brauchen, dass sie über die Monitore hinausschauen und in die Natur gehen.

Welche Trends gibt es noch auf der Spielwarenmesse?

Außerdem haben wir den Trend „Just for Fun“ definiert. Kinder sollen einfach Kinder sein und spielen, weil das Spaß macht. Spielen muss nicht immer mit Ausbildung und Lernen zu tun haben. Es geht darum, offen und kreativ zu sein – und nicht nur darauf zu schauen, was dabei herauskommt.

Ein Mädchen fährt auf der Spielwarenmesse in Nürnberg auf dem "Feber Mad Racer" des Herstellers Fabricas Agrupadas de Munecas de Onil. Das Spielzeug ist in der Kategorie "SchoolKids" für den "Toy Award" nominiert. Die weltweit größte Spielwarenmesse geht bis 4. Februar 2018.
Ein Mädchen fährt auf der Spielwarenmesse in Nürnberg auf dem "Feber Mad Racer" des Herstellers Fabricas Agrupadas de Munecas de...Foto: Daniel Karmann/dpa

Sollte nicht jedes Spiel Spaß machen? Was wäre denn ein Beispiel für den Trend „Just for Fun“?

„Just for Fun“ kann ein Game sein, das zur Kooperation ermutigt, bei dem Kinder im Team spielen, um ein Ziel zu erreichen. Zum Beispiel das gemeinsame Bauen eines Turms.

Sie haben noch einen dritten Trend ausgemacht...

Der nennt sich „Team Spirit“. Auch hier geht es darum, zusammenzuarbeiten und Teil eines größeren Teams zu sein. Das Gefühl zu haben, dass man gemeinsam etwas erreichen kann. Viele Kinder spielen am Computer – und viele dieser Aktivitäten sind solitär. Deshalb geht es darum, die Kinder zum Spiel in der Gruppe zu ermutigen. Zu zeigen, wie viel Spaß das macht.

Das klingt weniger nach Spiel als nach Berufsvorbereitung.

Ich glaube, dass alle Trends, die wir für die Spielwarenmesse auswählen, Kinder mit Fähigkeiten für ihr späteres Leben ausstatten. Das sind Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert: In der digitalen und der greifbaren Welt gleichermaßen zu leben, sozial und emotional kompetent zu sein, sich für Vielfalt auszusprechen und Empathie zu fördern.

Ein Junge spielt am auf der Spielwarenmesse in Nürnberg mit dem "Robo Chameleon" von Silverlit Toys Manufactory.
Ein Junge spielt am auf der Spielwarenmesse in Nürnberg mit dem "Robo Chameleon" von Silverlit Toys Manufactory.Foto: Daniel Karmann/dpa

Noch einmal zum Thema „Technikspielzeug“. Was sind da die Haupttrends?

Auf der letztjährigen Spielwarenmesse hatten wir zum ersten Mal die Aktionsfläche „Tech2Play“. Da geht es zum Beispiel um Coding und das Programmieren von Robotern und Quadrokoptern. Kinder lernen dabei, dass Technologie ihnen beim Lernen helfen kann. Kürzlich war ich auf der Technikmesse CES in Las Vegas und habe mich dort nach Technikspielzeug für Kinder umgeschaut. Themen waren zum Beispiel Augmented Reality, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz. Ich stelle fest, dass physisches und digitales Spielzeug immer stärker zusammenwächst. Kinder programmieren dieses Spielzeug und merken dabei, dass sie die Ergebnisse kontrollieren können.

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