Update

Stiftung Warentest : Nur wenige Girokonten sind wirklich gratis

Kostenlose Angebote? Damit ist bei vielen Banken Schluss. Von 270 aktuellen Kontomodellen sind nur 23 wirklich umsonst, sagt Stiftung Warentest.

Nach Ansicht der Experten sollten Verbraucher über einen Kontowechsel nachdenken, wenn die Bank im Jahr mehr als 60 Euro Gebühren kassiert.
Nach Ansicht der Experten sollten Verbraucher über einen Kontowechsel nachdenken, wenn die Bank im Jahr mehr als 60 Euro Gebühren...Foto: DPA/ Salome Kegler

Das richtige Girokonto zu finden, ist keine leichte Sache. Durch sechs Seiten mit Tabellen müssen sich Verbraucher kämpfen, um im aktuellen Girokontentest der Stiftung Warentest (Finanztest 9/2018) das passende Angebot zu finden. Und dabei sind dort ohnehin nur Angebote aufgelistet, die nicht mehr als 60 Euro im Jahr kosten, die also schon per se günstig sind. Viele Verbraucher zahlen für ihre Bankverbindung deutlich mehr. „Das eine gute Konto für jeden gibt es nicht“, betonen die Tester. Dennoch gibt es zumindest eine Richtschnur, an der sich alle orientieren können: „Wenn Sie für Ihr Girokonto mehr als 60 Euro im Jahr bezahlen, sollten Sie das Konto wechseln“, empfiehlt Heike Nicodemus, Finanzexpertin der Stiftung Warentest.

23 Gratiskonten für jedermann

Gibt es überhaupt noch Konten, die zum Nulltarif geführt werden? Ja, sagt die Stiftung Warentest. Die Tester haben 270 Kontomodelle von 119 Banken und Sparkassen getestet und sind auf 23 Konten gestoßen, die ohne Wenn und Aber gratis sind. In einigen Häusern sind sie sogar auf Pakete gestoßen, in denen nicht nur das Konto gratis ist, sondern auch die Kreditkarte. Wer ein Gratiskonto und ein Institut mit Filialen sucht, wird etwa bei der Degussa Bank, der Sparda Bank Hessen, der VR Bank Niederbayern-Oberpfalz und der Bank im Bistum Essen fündig. Wer keinen Ansprechpartner vor Ort braucht, hat die Wahl unter weiteren zehn Gratiskonten von Direktbanken. Nicht komplett gratis, aber preisgünstig ist das „Giro Digital“-Konto der Berliner Sparkasse, das drei Euro im Monat kostet. Allerdings fallen hier zusätzliche 8,50 Euro Jahresgebühr für die Girocard an sowie jeweils zwei Euro für Überweisungen am Telefon oder am Bankautomaten sowie für Kontoauszüge am Drucker.

Gratiskonten mit regelmäßigem Geldeingang

Noch größer ist die Auswahl unter Gratiskonten, wenn regelmäßig Geld auf dem Girokonto eingeht. Allerdings sind die Voraussetzungen hier sehr unterschiedlich. Die Postbank verlangt einen monatlichen Geldeingang von 3000 Euro, der Targobank reicht für ihr „Online-Konto“ ein Monatsgehalt von 600 Euro. Dafür kostet aber die Überweisung mit Beleg hier 3,50 Euro. Wer auch seine Überweisungen zum Nulltarif vornehmen möchte, muss bei derselben Bank auf die Kontovariante „Komfort-Konto“ ausweichen. Die setzt allerdings ein Gehalt von 2000 Euro im Monat voraus und bestraft Kontoüberziehungen mit einem happigen Dispokredit von 12,43 Prozent. Sehr viel günstiger kommen Berliner und Brandenburger mit dem „GiroGehalt“-Konto der PSD Berlin-Brandenburg über die Runden: Überweisungskosten fallen nicht an, der Dispo ist mit 6,09 Prozent niedrig. Dafür kostet die Kreditkarte 25 Euro im Jahr. Die gibt es bei der Postbank, der Targobank und einigen weiteren Geldhäusern zum Nulltarif. Komplizierte Welt.

Online geht es billiger

Die Beispiele zeigen: Achten Sie auf die Extrakosten. Denn wer sein Konto nicht ausschließlich online führt, sondern doch gelegentlich das Telefonbanking nutzt, das Serviceterminal oder den Schalter, muss zahlen. „Für eine Überweisung mit Beleg werden bei vielen Banken zwischen 0,20 und 4,90 Euro fällig“, haben die Tester herausgefunden. Auch wer am Automaten überweist, wird zur Kasse gebeten. Und bis zu drei Euro berechnen Institute für Überweisungen am Telefon – selbst wenn man dort nur den Sprachcomputer erreicht.

Welches Online-Verfahren?

Die meisten Banken bieten ihren Onlinekunden mehrere Verfahren an. Kunden brauchen ein Handy, ein Smartphone oder einen Tan-Generator. Das Problem: Nicht bei allen Banken sind alle Verfahren kostenlos, warnen die Verbraucherschützer. Für den Tan-Generator verlangen die Banken meist einmalig zehn Euro, für das Lesegerät beim Photo-Tan-Verfahren 20 Euro, und für das Verschicken einer SMS-Tan berechnen einige Anbieter bis zu zehn Cent.

Wenn Bargeld kostet

Sehr wichtig beim Kontenvergleich: Was ist, wenn man Bares braucht? Wie viele Geldautomaten kann man kostenlos nutzen? Bargeld ohne Aufschlag gibt es in aller Regel nämlich nur dann, wenn man sich an einen Automaten stellt, der zum eigenen Bankenverbund gehört. So verlangt die Hamburger Volksbank bis zu 5,95 Euro von Fremdkunden.
Das größte Netz haben die Sparkassen mit 25.700 Maschinen im Bundesgebiet. 18.300 können die Volks- und Raiffeisenbanken vorweisen. Die Cash Group aus Deutscher Bank, Commerzbank, Postbank und Hypovereinsbank kommt auf 9000 Geldautomaten, die im Cash Pool zusammengeschlossenen Sparda-Banken, Targobank, Santander und andere haben 3200. Die ING-Diba verfügt über 1200 Geldabholstellen.
Einige Banken nehmen keine Gebühren, wenn Kunden nicht mit der Giro-, sondern mit der Kreditkarte Geld ziehen – in Deutschland und im Euro.Raum. Ob Giro- oder Kreditkarte: Bei einigen Geldhäusern ist die Anzahl der kostenlosen Barabhebungen begrenzt. Andere verlangen eine bestimmte Mindestsumme. Bei der Comdirect Bank, der ING-Diba und der Visa-Kreditkarte der DKB-Bank muss man zahlen, wenn man weniger als 50 Euro aus dem Automaten zieht.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!