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Streik bei Ryanair : Ferienflieger am Boden

Ryanair muss in dieser Woche mindestens 300 Flüge streichen – Berlin ist nur mittelbar betroffen. Der Streit mit Flugbegleitern und Piloten belastet das Geschäftsergebnis.

Ready for Take-off. Viele Ryanair-Maschinen werden in dieser Woche am Boden bleiben.
Ready for Take-off. Viele Ryanair-Maschinen werden in dieser Woche am Boden bleiben.Foto: REUTERS

Ausgerechnet zur Ferienzeit wird der irische Billigflieger Ryanair von einer Streikwelle getroffen. Am Donnerstag und Freitag wollen zahlreiche Flugbegleiter des Unternehmens in Belgien, Spanien und Portugal ihre Arbeit niederlegen, 300 Flüge wurden vorsorglich gestrichen. Um welche Verbindungen es sich handelt, wollte die Fluggesellschaft nicht sagen. Flüge von und nach Deutschland dürften jedoch kaum tangiert sein, da sie überwiegend mit in Deutschland stationierten Besatzungen durchgeführt werden. Die Berliner Flughäfen haben bisher keine Ankündigungen von Ryanair-Flugstreichungen erhalten. Hier könnten aber ab August Pilotenstreiks drohen.

Alle betroffenen Passagiere seien verständigt worden und würden auf die nächstmöglichen Flüge umgebucht oder bekämen den Ticketpreis erstattet, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely auf Nachfrage. Wer keine Benachrichtigung erhalten habe, solle wie geplant zum Flughafen fahren. Chief Marketing Officer Kenny Jacobs bezeichnete den Streik als „völlig ungerechtfertigt“. Die Flugbegleiter bekämen ein Jahresgehalt von bis zu 40 000 Euro, hätten monatlich 14 freie Tage und weitere Vergünstigungen, argumentierte er.

Streiks drücken auf das Geschäftsergebnis

Streiks haben bereits im ersten Geschäftsquartal 2018/19 auf die Bilanz gedrückt. Hinzu kamen höhere Kosten für Piloten, Crew und Treibstoff sowie niedrigere Ticketpreise. Der Gewinn fiel von April bis Juni um ein Fünftel auf 319 Millionen Euro, wie Europas größter Billigflieger am Montag in Dublin mitteilte. Analysten hatten dies in etwa erwartet. Kunden seien mit dem Kauf von Tickets wegen der jüngsten Streiks zurückhaltender, hieß es. Die Aktienkurse von Fluggesellschaften gaben im Sog der Zahlen europaweit deutlich nach.

Ryanair bekräftigte, man sei nicht bereit, unvernünftige Forderungen des Personals zu akzeptieren, die das Geschäftsmodell oder die niedrigen Ticketpreise gefährdeten, hieß es in einer Mitteilung. Sollten die Streiks anhalten, müsse der Winterflugplan überprüft werden, was zu Flottenreduktionen und Jobverlusten führen könne. Das Jahresziel für den Gewinn bestätigte Unternehmenschef Michael O'Leary zwar, machte dies aber „sehr“ von den Preisen für die Tickets im laufenden zweiten Quartal abhängig. Für das Gesamtjahr peilt er einen Gewinn von 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro an, weniger als im Vorjahr. Neben den Streiks macht Ryanair auch der bevorstehende Brexit zu schaffen.

Erfolgreiche Verhandlungen mit Kabinenpersonal

Mit den deutschen Gewerkschaften der Kabinenbesatzungen steht Ryanair in erfolgversprechenden Verhandlungen. Mit Verdi hat man am Mittwoch eine Anerkennungsvereinbarung unterzeichnet, mit der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation steht man im Gespräch. „Damit ist uns ein erster historischer Schritt in Richtung gute Arbeitsbedingungen gelungen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Seit man im vergangenen Dezember beschlossen hat, Gewerkschaften anzuerkennen, hat Ryanair entsprechende Abkommen auch mit Arbeitnehmervertretungen in Italien und Großbritannien geschlossen.

Anders sieht es bei den Cockpitbesatzungen aus. Am vergangenen Donnerstag streikten zum zweiten Mal in diesem Monat die rund 100 festangestellten Piloten von Ryanair in Irland. Betroffen war allerdings nur ein gutes Dutzend an Flugpaaren nach Großbritannien, da die meisten Flüge von circa 200 selbstständigen Piloten im Rahmen von Dienstleistungsverträgen absolviert werden. Genau diese Ich-AGs sind den europäischen Pilotengewerkschaften ein Dorn im Auge.

Urabstimmung bei deutschen Ryanair-Piloten

Sie haben im März die Ryanair Transnational Pilot Group gegründet, die als multinationale Tarifkommission einheitliche Regelungen mit direkten Anstellungsverträgen nach jeweils lokalem Recht durchsetzen soll. Die deutsche Vereinigung Cockpit hat die Gespräche mit Ryanair kürzlich für gescheitert erklärt. Zur Begründung hieß es, der Arbeitgeber habe binnen eines halben Jahres keine akzeptablen Kompromisse zu den Arbeits- und Vergütungsbedingungen angeboten.

In diesem Monat läuft deshalb bei den deutschen Ryanair-Piloten eine Urabstimmung. Sprechen sie sich mehrheitlich für einen Streik aus und führen auch die noch laufenden Sondierungsgespräche zu keinem Erfolg, könnte es bereits im August auch hier zu Arbeitsniederlegungen kommen. (mit dpa)

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