Maschinen sollen den Mitarbeitern schwere körperliche Tätigkeiten erleichtern.

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Stress am Arbeitsplatz : Einfach mal abschalten

Der Handelskonzern Rewe versucht, dem Problem in erster Linie mit Gesprächskreisen und Schulungen zu begegnen. In Kommunikationsseminaren werden Führungskräfte sensibilisiert, um Schwierigkeiten und Belastungen im Team besser zu erkennen. „Ein Mitarbeiter, der eine schwierige Zeit durchlebt, etwa wegen eines Todesfalls, sollte nicht vom Filialleiter an die Kasse gesetzt werden“, nennt Rewe-Sprecher Andreas Krämer als Beispiel. Zudem hat das Unternehmen Vertrauenspersonen in der Belegschaft geschult, die zusätzlich zu den Betriebsräten als erste Ansprechpartner zur Verfügung stehen sollen. Auch seine Arbeitsabläufe will das Unternehmen überdenken. So soll im neuen Logistikzentrum in der Nähe von Frankfurt am Main künftig mehr automatisch laufen. „Die Maschinen sollen den Mitarbeitern schwere körperliche Tätigkeiten wie das Packen von Getränkepaletten erleichtern“, sagt Krämer. Das Unternehmen hat auch ein ökonomisches Interesse an einer gesunden Belegschaft, denn ein hoher Krankenstand ist teuer. „Zudem steigt die Belastung für die verbliebenen Kollegen, die die Ausfälle kompensieren müssen“, sagt Krämer.

Eine Gesetzesänderung, die das Bundeskabinett kurz vor Weihnachten beschlossen hatte, soll nun zumindest das Bewusstsein für psychische Erkrankungen schärfen. Künftig soll im Arbeitsschutzgesetz stehen: „Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.“ Zudem wird die Liste der möglichen Gefährdungen um „psychische Belastungen am Arbeitsplatz“ ergänzt. Das heißt, dass die Betriebe die Mitarbeiter nicht nur vor Lärm schützten sollen, sondern auch vor eventuell belastenden Arbeitsabläufen.

Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist das zu wenig und vor allem zu wenig konkret. Der Verband fordert eine Anti-Stress-Verordnung, die Arbeitgeber unter anderem zwingt, die vereinbarten Arbeitszeiten nicht zu überschreiten, und ansonsten zügig einen Ausgleich zu garantieren. Die Fehlzeiten in den Betrieben wegen psychischer Leiden sind laut dem DGB seit 1994 um 80 Prozent gestiegen. „Das Hauptproblem ist, dass psychische Belastungen in den meisten Betrieben noch immer ignoriert und die Beschäftigten wie Zitronen ausgequetscht werden“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Auch der Arbeitspsychologe Sonntag findet, dass in den Unternehmen noch zu wenig getan wird. „Im Hinblick auf die demographische Entwicklung und das steigende Renteneintrittsalter, müssen die Unternehmen die Gesundheit ihrere Mitarbeiter stärker im Blick haben.“ Zugleich verweist er aber auf die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer. „Die Mitarbeiter müssen auch selbst dafür sorgen, sich gesund zu halten und mit ihren Ressourcen zu haushalten.“

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