Studie „Die Ängste der Deutschen“ : Deutsche fürchten hohe Mieten mehr als den Klimawandel

Insgesamt ist die Stimmung so gut wie seit 25 Jahren nicht mehr, zeigt eine Langzeit-Studie. Überforderte Politiker bereiten den Bürgern jedoch Sorgen.

Viele Menschen fürchten, bald ihre Miete nicht mehr zahlen zu können.
Viele Menschen fürchten, bald ihre Miete nicht mehr zahlen zu können.Foto: picture alliance / Britta Peders

Die leicht schwächelnde Wirtschaft macht die Deutschen noch nicht nervös. Nur jeder Vierte fürchtet sich davor, den Job zu verlieren – so wenige wie nie zuvor. Mit 35 Prozent erreicht auch die Sorge vor einer Rezession den geringsten Wert seit 20 Jahren. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Umfrage „Die Ängste der Deutschen“, die die R+V-Versicherung seit 1992 durchführt.

Bei allen Themen sind die Menschen gelassener als 2018. Die Stimmung sei sogar so gut wie seit 25 Jahren nicht, heißt es. Was die knappe Mehrheit dennoch ängstigt, sind drei politische Fragen: Ist der Staat mit der großen Zahl von Flüchtlingen überfordert? Kommt es dadurch zu Spannungen zwischen Deutschen und eingewanderten Ausländern? Wird die Welt durch Donald Trump gefährlicher?

Recht viele Menschen sorgen sich zudem um Extremismus (47 Prozent), vor allem islamistischem, um unbezahlbare Mieten (45 Prozent) und einem Leben als Pflegefall (45 Prozent). Höhere Steuern wegen der EU, steigende Preise und der Klimawandel sind für etwas weniger der Befragten angsterregend.

Über die Gründe kann man nur spekulieren, meint der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt. Vielleicht würden die Menschen Politikern etwas mehr vertrauen – auch wenn sie ihnen nur die Schulnote „ausreichend“ ausstellen. Vielleicht hätten sie sich an schlechte Nachrichten gewöhnt. Oder die vergangenen Monate waren schlicht weniger dramatisch. „Die Deutschen reagieren auf reale Gefahren“, sagt Schmidt. So weite sich das bedrohliche Gefühl zum Beispiel nach einem terroristischen Anschlag aus.

Zwar sind die Ängste in Ost- wie in Westdeutschland rückläufig. Da sie im Westen jedoch erheblich stärker gesunken seien, gibt es in diesem Jahr wieder deutliche Unterschiede. Im Osten des Landes fürchten sich die Menschen laut der Umfrage vor allem mehr – sei es vor der Handlungsunfähigkeit der Politik, ob sie sich sicher fühlen können oder ihren Arbeitsplatz behalten.

In Westdeutschland sinken die Sorgen. Anders in Ostdeutschland.
In Westdeutschland sinken die Sorgen. Anders in Ostdeutschland.
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