Studium ohne Abitur : Im Job noch höher hinaus

Kein Abitur, aber Erfahrung: In Berlin können Praktiker besonders gut studieren. Stefanie Dümmig von der IHK Berlin erklärt im Interview die wichtigsten Regelungen.

Karriereleiter. Ein Meister, der Fachwirt, aber auch schon eine Ausbildung plus Berufspraxis eröffnen den Weg an die Uni.
Karriereleiter. Ein Meister, der Fachwirt, aber auch schon eine Ausbildung plus Berufspraxis eröffnen den Weg an die Uni.Foto: Getty Images/iStockphoto

Egal ob Uni oder FH – heute kann man an jeder deutschen Hochschule auch ohne Abitur studieren. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung plus Berufserfahrung; dann können Fächer studiert werden, die zum erlernten Beruf passen. Die freie Auswahl haben in der Regel Praktiker, die einen Meistertitel, Fachwirt oder Fachkaufmann vorweisen können.

Frau Dümmig, unter welchen Voraussetzungen ist ein Studium ohne Abitur in Berlin möglich?
Das Berliner Hochschulgesetz sieht in Paragraf 11 verschiedene Zugangsmöglichkeiten für Studieninteressierte ohne Abitur, aber mit beruflicher Qualifikation vor. Welche es genau gibt, hängt vom Berufsabschluss und der Berufserfahrung ab. Bestimmte Bewerber- gruppen müssen zum Beispiel eine Zugangsprüfung absolvieren, andere nicht. Informationen zu Zugangsvoraussetzungen, Fristen, dem Bewerbungsablauf und auch zu Beratungsangeboten sollten am besten direkt bei der Hochschule eingeholt werden, die für das Studium in Frage kommt. Jede Hochschule berät zum Thema, oft auch unter dem Stichwort „Studieren mit Berufserfahrung“.

Bietet die Hauptstadt besonders gute Bedingungen?
Jedes Bundeslandes regelt die Voraussetzungen für ein Studium ohne Abitur individuell in seinem Hochschulgesetz. Insgesamt hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abitur seit 2010 verdoppelt. Aktuelle Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), zeigen aber, dass die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ist. Beim Anteil der Studienanfänger ohne Abitur belegen Hamburg mit 4,6 Prozent, Nordrhein-Westfalen mit 4,2 Prozent und Berlin mit 3,6 Prozent laut CHE die vorderen Plätze. Schlusslicht ist demnach das Saarland mit einer Quote von 0,8 Prozent. Insgesamt steigt die Zahl der Studierenden mit Berufserfahrung zwar, sie ist aber im Verhältnis zu den Studierenden mit Abitur oder Hochschulzugangsberechtigung nicht besonders hoch.

Stefanie Dümmig ist Hochschulexpertin bei der IHK Berlin.
Stefanie Dümmig ist Hochschulexpertin bei der IHK Berlin.Foto: IHK Berlin

Gibt es Vorbereitungskurse, um zum Beispiel das akademische Arbeiten zu üben?
Ja, auf unserer IHK-Informationsseite zum Thema haben wir eine Übersicht der Hochschulen mit Vorbereitungsangeboten zusammengestellt. Generell sollten Interessenten immer bei der Studienberatung der Wunschhochschule nachfragen.

Muss eigentlich erst ein Bachelor absolviert werden oder kann es gleich ein Masterstudium sein?
Meist erfolgt der Einstieg über ein Bachelorstudium. Je nach Vorerfahrung und Prüfungsordnung ist aber in Berlin auch ein „Master ohne Bachelor“ möglich. Auch hier sollte man sich am besten bei der Hochschule über die Zugangsvoraussetzungen informieren.

Die Fragen stellte Silke Zorn.

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