Tarifkonflikt mit Ufo : Lufthansa sucht Kurs

Im Konflikt mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo gibt es ständige Strategiewechsel. Immerhin ist die Streikgefahr gebannt. Vorerst

Wenn Ufo-Vormann Baublies ruft, folgen die Flugbegleiter: Der letzte große Streik traf im November die Lufthansa.
Wenn Ufo-Vormann Baublies ruft, folgen die Flugbegleiter: Der letzte große Streik traf im November die Lufthansa.Foto: dpa

Nach monatelangem Ringen und diversen Streiks haben sich Lufthansa und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo auf einen Lösungsweg verständigt. Da die Situation zwischen den Parteien äußerst kompliziert ist, gibt es drei Verfahren gleichzeitig: Eine Schlichtung, eine Mediation und ein außergerichtliches Güteverfahren für arbeitsrechtliche Themen. Bis zum Abschluss der Schlichtung sind Streiks ausgeschlossen. Am Mittwochabend sah das noch ganz anders aus: Die Ufo übermittelte der Lufthansa eine Streikankündigung, die alle bisherigen Arbeitskampfmaßnahmen deutlich übertroffen hätten:

Vom 5. Februar an sollten über zwei Wochen Lufthansa-Flüge bestreikt werden. Am Donnerstag setzten beide Seiten dann doch die Verhandlungen fort und verständigten sich auf das Drei-Säulen- Modell. Man wolle sich um eine gemeinsame Vertrauensbasis bemühen, betonten Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann und Daniel Flohr, stellvertretender Vorsitzender von Ufo, am Freitag.

Gehalt angeblich doppelt kassiert

In der Beziehung des Konzerns zur Ufo gab es turbulente Zeiten und immer wieder überraschende Strategiewechsel. Im vergangenen Frühjahr stellte die Lufthansa den Gewerkschaftsstatus überhaupt in Frage, verweigerte sich deshalb auch den Tarifverhandlungen und forderte von Flohr und dem langjährigen Ufo-Chef Nicoley Baublies ein paar Hunderttausend Euro zurück, weil die beiden doppelt kassiert hätten: Sowohl von der Lufthansa als auch von der Ufo sollen sie Gehalt bekommen haben. Die Ufo-Führung war 2019 zerrüttet, Baublies trat ab und viele Ufo-Mitglieder aus.

Personalchefin abgesetzt

Im Herbst dann verblüffte die Lufthansa mit einem Strategiewechsel: Mit Ufo wurde nicht nur wieder verhandelt, sondern Personalvorstand Bettina Volkens setzte sich sogar mit Baublies an einen Tisch – obgleich die Lufthansa dem wenige Wochen zuvor gekündigt hatte wegen unerlaubter Nebentätigkeiten. Bei Lufthansa-Chef Carsten Spohr kam die Rolle rückwärts gar nicht gut an: Volkens verlor nach mehr als sieben Jahren ihren Vorstandsposten und wurde durch Niggemann ersetzt, der zuvor als Finanzchef bei der Lufthansa-Tochter Swiss tätig war und mit Tarifthemen bislang kaum in Berührung kam.

Der Neue macht genauso weiter

Niggemann wiederum hat sich angeblich am Mittwochabend zu einem Vier- Augen-Gespräch mit Baublies getroffen, um Auswege aus der verfahrenen Lage zu finden. Tatsächlich geht es in dem ganzen zähen Konflikt bislang weniger um die Arbeitsbedingungen der 22 000 Flugbegleiter im Lufthansa-Konzern, als um die Ufo und ihren Ex-Vorsitzenden Baublies. Deshalb gibt es drei Verfahren.

Nach Angaben einer Lufthansa-Sprecherin soll die sogenannte „große“ Schlichtung unter der Regie von Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise sofort beginnen. Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg und der ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit hatten sich wochenlang bemüht, beide Seiten für Verhandlungen wieder an einen Tisch zu bringen. In der Schlichtung geht es unter anderem um höhere Spesen, Zulagen und den Mitarbeiterfonds. Vorab wurden bereits einige Punkte gelöst: Aufenthalte und damit Ruhepausen der Kabinenbeschäftigten in Fernzielen in Asien werden wieder auf zwei Nächte verlängert. Daneben erhalten Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter mit der nächsten Gehaltsabrechnung eine Sonderzahlung von 1500 Euro.

Mediation plus Güteverfahren

In der Mediation wiederum werden nach Angaben von Niggemann und Flohr Fragen des Miteinanders besprochen. Man müsse klären, was man in Zukunft anders machen müsse, „damit ein Konflikt nicht mehr derart eskaliert“, sagte Flohr, der als Schüler Baublies’ gilt. Man wolle die Konflikte der Vergangenheit ausräumen und nach vorne schauen, betonte auch Personalchef Niggemann.

Im außergerichtlichen Güteverfahren schließlich, dem Vernehmen nach unter der Leitung des früheren Arbeitsrichters Holger Dahl, sollen die juristischen Konflikte zwischen der Lufthansa und einzelnen Funktionären der Gewerkschaft geklärt werden. Dabei geht es um gegenseitig erhobene finanzielle Forderungen und um den arbeitsrechtlichen Konflikt zwischen Baublies und dessen früheren Arbeitgeber, der Lufthansa.

Ufo will Millionen Schadensersatz

Angeblich hatte die Ufo ursprünglich eine Wiedereinstellung von Baublies sowie fünf Millionen Euro Schadensersatz von der Lufthansa gefordert. Bevor das nicht geklärt sei, wäre ein Schlichtung nicht möglich. Zuletzt waren noch zwei Millionen im Gespräch – eine Million für Ufo und eine Million für Baublies, der seine Forderung unter anderem mit Kosten für eine psychologische Betreuung begründe, heißt es im Konzern.

Der entscheidende Ufo ist immer noch der Ex-Vorsitzende Nicoley Baublies.
Der entscheidende Ufo ist immer noch der Ex-Vorsitzende Nicoley Baublies.Foto: dpa

Die Mediation könnte nach Angaben der Lufthansa bis März abgeschlossen sein. Durch die Etablierung von drei nebeneinander laufenden Verfahren verspricht sich das Unternehmen eine größere Lösungswahrscheinlichkeit. Denn bislang war die Schlichtung blockiert worden durch die offenen Forderungen von Ufo/Baublies. Die Schlichter Platzeck und Weise dürften sich auf einen langwierigen Job einstellen. Man sei noch weit von der Normalität entfernt, heißt es in einem Schreiben von Ufo an die Mitglieder. Lufthansa und Ufo hätten viel Vertrauen verloren. Kunden, Mitarbeiter und Öffentlichkeit schauten sehr genau, ob man jetzt zu einer normalen Tarifpartnerschaft zurückkehren werde.

Kaum Geld da für einen Streik

„Es wird ein langer und schwieriger Weg“, heißt es bei Ufo. „Wir wollen diesen Prozess zum Erfolg führen“, betonte auch Niggemann. Die Lufthansa muss jedenfalls in den nächsten Wochen nicht mit Streiks rechnen. Ob die Ufo die angedrohten zweiwöchigen Streiks indes überhaupt durchgehalten hätte, wird im Konzern bezweifelt: Die Organisation sei so gut wie pleite und hätte kaum das Streikgeld zahlen können. Deshalb lege Ufo auch so viel wert auf Schadensersatz.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!