Technologie und Schweinefleisch : So kamen die zehn reichsten Menschen Chinas zu ihrem Vermögen

Die reichsten Chinesen sind Gründer großer Technologie-Konzerne wie Alibaba oder Tencent. Doch nicht alle von ihnen profitieren von der wachsenden Wirtschaft.

Ning Wang
Alibaba founder Jack Ma performs on the stage during Alibaba s 20th anniversary gala at Hangzhou Olympic Center Stadium on September 10, 2019 in Hangzhou
Alibaba founder Jack Ma performs on the stage during Alibaba s 20th anniversary gala at Hangzhou Olympic Center Stadium on...Foto: imago images / VCG

Zehn Mal wurde er in Harvard abgewiesen. Nicht aufzugeben, sondern es immer wieder zu versuchen zeigt die Mentalität von Chinas reichstem Mann Jack Ma. Vielleicht ist es ein Glück für ihn, nie dort studiert zu haben, denn auch so ist er zum zweiten Mal in Folge mit einem Vermögen von 39 Milliarden Dollar auf Platz eins der reichsten Chinesen gelandet. Im sogenannten Hurun-Report wird das chinesische Vermögensranking jährlich veröffentlicht.

Ma ist ein ehemaliger Englischlehrer. Auf dem zweiten Platz folgt Pony Ma, der Sohn eines Hafenarbeiters, an dritter Stelle steht Xu Jiayin, der von seiner Großmutter aufgezogen wurde. Diese drei Männer gehören seit vergangener Woche wieder zu den reichsten Menschen in China. Was sie trotz unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters verbindet: Unternehmensgeist. Addiert haben sie mit ihren Ideen 106 Milliarden Dollar Vermögen akkumuliert. Jack Ma hat mit Alibaba ein Konglomerat aus E-Commerce-Unternehmen bis hinzu Filmproduktionsfirmen aufgebaut. Durch den lukrativen Finanzarm Ant Financial, der in Sekundenschnelle die Vergabe von Mikrokrediten organisiert, hat er einen zusätzlichen Antriebsmotor für sein Vermögen geschaffen.

Sein Namensvetter Pony verdient ebenfalls mit dem Internet sein Geld. Ihm gehört der Instant-Messenger- Dienst WeChat, dazu weitere E-Commerce-Plattformen und vor allem Online-Spiele. Was Xu von den beiden Mas unterscheidet: er kommt aus der Immobilienbranche. Sein Unternehmen Evergrande gehört zu den größten Immobilienentwicklern des Landes. Diese Branche brachte ursprünglich viele neue Milliardäre hervor – doch in diesem Jahr kommen die Aufsteiger aus der Bildung, dem Technologiebereich und der Dienstleistungsindustrie. Während Xu 2017 noch die Nummer eins der reichsten Chinesen war ist sein Vermögen in den beiden vergangenen Jahren um 13 Milliarden Dollar geschrumpft.

Chinas Milliardäre überwiegend "selfmade"

Anders als in Deutschland, wo viele Superreiche ihr Vermögen geerbt haben, zählt China 97 Prozent „Selfmade“-Milliardäre. Die Neuzugänge in diesem Jahr zeigen, in welchen Wirtschaftsfeldern am meisten Kapital angehäuft werden konnte. 192 Milliardäre haben es dieses Jahr zum ersten Mal auf die Liste geschafft. Zwei von ihnen konnten sich gleich unter die Top 100 mischen: Ein Mutter-Sohn Duo etwa sammelte mit einer Trainings-App für Chinas gefürchtete Beamtenprüfungen 8,4 Milliarden Dollar Vermögen an. Auch eine Online-Meeting-Plattform mit den Namen Zoom hat ihrem Gründer Eric Zheng mit einem Vermögen von mehr als fünf Milliarden Dollar Platz 78 der Liste gesichert.

Der 39-jährige Colin Huang ist einer der jüngeren Selfmade-Milliardäre und hat mit E-Commerce sein Vermögen um rund ein Drittel auf 19 Milliarden gesteigert. Mit der Plattform Pinduoduo bietet er Käufern Rabatte, wenn sie in Gruppen einkaufen. Seit der Gründung im September 2015 hat er in nur vier Jahren 20 Milliarden Dollar verdient. „Alle Augen sind auf die Köpfe der nächsten Welle der sogenannten ,vierten industriellen Revolution’ gerichtet“, sagt Rupert Hoogewerf, der die Liste seit 1999 jährlich erstellt. Auch Einhörner, also Start-ups, die eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar haben, machen etwa ein Viertel der neuen Aufsteiger aus und tragen dazu bei den Strukturwandel zur digitalen Wirtschaft in China voranzutreiben. Sie kommen aus Bereichen wie Gesichtserkennungs-Software, Robotik oder sind Drohnenhersteller wie DJI aus Südchina.

Chinesische Restaurantkette verdient Vermögen mit Feuertopf und Roboter-Belegschaft

Wegen der steigenden Schweinefleischpreise sind Schweinezüchter Qin Yinglin (54) und seine Frau Qian Ying (53) in den Top 20 gelandet. Durch den Erlös von fast sechs Millionen verkaufter Schweine verdreifachte sich ihr Vermögen auf 14 Milliarden Dollar. In China brach vergangenes Jahr die afrikanische Schweinegrippe aus und der Preis für Schweinefleisch verteuert sich daraufhin um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr.

Ein anderes Ehepaar, das auch aus der Foodbranche kommt, sind Zhang Yong und seine Frau Shu Ping. Sie verdoppelten ihr Vermögen auf 17 Milliarden US-Dollar und stiegen so zum ersten Mal in die Top 10 auf. Beide betreiben erfolgreich die Restaurantkette Haidilao. Diese serviert den populären Feuertopf und findet bei den Kunden durch „innovativen Service“ großen Anklang: In Peking gibt es eine Filiale, deren Belegschaft vor allem aus Robotern besteht, die die Kunden täglich 24 Stunden bedient.

Klaffende Schere zwischen Arm und Reich

Doch die Zahl der Reichen in China nimmt ab. So tauchen dieses Jahr 266 Personen nicht mehr auf der Liste auf, der stärkste Rückgang seit Beginn der Liste. Es ist das zweite Jahr in Folge, dass die Zahlen rückläufig sind. International zeichnete sich dieser Trend schon im vergangenen Jahr bei der Forbes-Liste ab und setzt sich auch dieses Jahr fort. Weltweit gibt es 2153 Menschen, die ein Privatvermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen, 55 weniger als 2018.

Die Schere der Vermögensverteilung hat sich in China so schnell entwickelt, wie in keinem anderen Land. Die hundert reichsten Chinesen besitzen zusammen 643 Milliarden Dollar und damit mehr als 40 Prozent der chinesischen Haushalte. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wurde 2018 mit 16186 Dollar gemessen. 1990 lag es noch bei 1522 Dollar.

Doch wegen gestiegener Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmitteln und vor allem der Ausbildung der Kinder, fühlen sich die meisten Haushalte in Chinas Städten mit einem Jahreseinkommen von 100.000 bis 500.000 Yuan (12.800 bis 64.100 Euro) nicht der Mittelklasse zugehörig. Nach Auffassung der Nationalen Statistikbehörde kann man sich mit einem derartigen Einkommen aber durchaus „ein Auto, eine Wohnung kaufen oder auf Reisen gehen“.

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