Teure Tickets nach Air Berlin-Pleite : Bundeskartellamt lässt Lufthansa vom Haken

Auf vielen Strecken war die Lufthansa-Tochter Eurowings monatelang die einzige Anbieterin - Tickets hatten sich um ein Drittel verteuert.

Kampf um Marktanteile: Eigentlich wollte Lufthansa die Air Berlin-Tochter Niki und ihre Strecken übernehmen, jetzt ist die Airline Teil von Ryanair.
Kampf um Marktanteile: Eigentlich wollte Lufthansa die Air Berlin-Tochter Niki und ihre Strecken übernehmen, jetzt ist die Airline...Foto: Marcel Kusch/dpa

Das Bundeskartellamt lässt die Lufthansa vom Haken. Obwohl die Airline nach der Air Berlin-Pleite ihre Ticketpreise mächtig erhöht hatte, wird die Wettbewerbsbehörde kein Missbrauchsverfahren gegen den Marktführer eröffnen. „Die Lufthansa Tickets waren nach der Insolvenz von Air Berlin im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 25 bis 30 Prozent teurer. In Einzelfällen gab es auch deutlich höhere Preisanhebungen. Dieser Preisanstieg ist zwar erheblich, rechtfertigt aber nicht die Einleitung eines Missbrauchsverfahrens", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag.

Eurowings war auf vielen Strecken der einzige Anbieter

Air Berlin hatte im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet und hatte Ende Oktober den Flugbetrieb eingestellt. Auf fast allen innerdeutschen Strecken waren Reisende von da an auf die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings angewiesen, die quasi als Monopolistin die Preise bestimmen konnte. Von billig konnte von da an aber keine Rede mehr sein. Die Tickets hatten sich darauf hin enorm verteuert, Preiserhöhungen um 50 Prozent waren keine Seltenheit.

Preisexplosion auf innerdeutschen Strecken

Verbraucherschützer hatten das als Preistreiberei der Lufthansa kritisiert, zahlreiche Verbraucher hatten sich beim Bundeskartellamt beschwert. Die Lufthansa hatte die Vorwürfe, sich zu bereichern, von sich gewiesen und auf das knappe Angebot hingewiesen. Die Preise würden durch einen Algorithmus bestimmt, das Buchungssystem richte sich nach der Nachfrage, hieß es.

Inzwischen hat sich die Situation auf den meisten Strecken aber wieder entspannt. Im Zuge des Insolvenzverfahrens sind zahlreiche alte Air Berlin-Strecken an Easyjet gegangen, vor allem Berlin-Verbindungen haben davon profitiert. "Die Entwicklung der Flugpreise wäre bestimmt nicht so günstig verlaufen, wenn die Lufthansa dauerhaft Monopolist auf diesen Strecken geworden wäre", sagte Mundt. Ursprünglich hatte die Lufthansa weite Teile von Air Berlin übernehmen wollen, war damit aber in Brüssel gescheitert. Daraufhin hatte Easyjet den Zuschlag für wichtige Strecken bekommen. Die frühere Air Berlin-Tochter Niki ist an ihren einstigen Gründer Niki Lauda gegangen, der nun mit Ryanair gemeinsame Sache macht.

Easyjet belebt das Geschäft

Um zu prüfen, wie sich die Preise entwickelt haben, hatte das Bundeskartellamt die Flugpreise von Lufthansa und Eurowings anhand beispielhaft ausgewählter Flüge im Herbst 2017 mit identischen Flügen aus dem Vorjahr verglichen. In einem zweiten Schritt hatten die Wettbewerbshüter Preisdaten für die gleichen Flüge aus dem Februar 2018 erhoben, um den Effekt des Markteintritts von Easyjet nachvollziehen zu können. Die Ermittlungen beziehen sich auf die 13 passagierstärksten innerdeutschen Strecken. Auf diesen Strecken wurden stichprobenartig insgesamt 412 Flüge an 44 Stichtagen untersucht. Insgesamt umfasste die Datengrundlage 56.064 Einzeltickets von Lufthansa und Eurowings. Die Ermittlungen ergaben, dass die Preise auf den ausgewählten Flügen im Jahresvergleich um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent gestiegen waren. Auf den mittlerweile von Eayjet bedienten Strecken besteht für die Verbraucher aber nunmehr wieder eine Ausweichalternative. Auf diesen Strecken sind die Preise im Februar 2018 gefallen und liegen ungefähr wieder auf dem Preisniveau, das vor dem Ausscheiden Air Berlins festgestellt wurde.

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