Uber plant Mega-Börsengang : Fahrdienstleister meldet sich in New York an

Uber stellt die Weichen für einen der größten Börsengänge seit Jahren. Die Zahlen zeigen aber, dass das Geschäft rund um Fahrdienste zuletzt kaum gewachsen ist.

Der Fahrdienst plant den Gang an die Börse
Der Fahrdienst plant den Gang an die BörseFoto: AFP/Oliver Berg

Der Fahrdienst-Vermittler Uber strebt an die Börse und will seine Aktien an der New York Stock Exchange unter dem Tickerkürzel „UBER“ listen lassen, wie aus dem am Donnerstag (Ortszeit) nach US-Börsenschluss veröffentlichten Wertpapierprospekt hervorgeht. Das Unternehmen reichte am Donnerstag die nötigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein.

Allerdings machte Uber in den Dokumenten keine Angaben darüber, wieviel Geld mit dem Börsengang eingenommen werden soll oder wann erste Aktien ausgegeben werden. Nach Angaben aus Bankkreisen und des Finanzdienstes Bloomberg peilt das Unternehmen an, mit knapp 100 Milliarden Dollar (88,8 Milliarden Euro) bewertet zu werden.

Damit könnte Uber einen der größten Börsengänge der Finanzgeschichte und das am höchsten taxierte Debüt seit 2014 stemmen, als der chinesische Online-Riese Alibaba an die New York Stock Exchange mit einer Bewertung von rund 170 Milliarden Dollar ging. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass Uber Anfang Mai Börsendebüt feiert - und dann möglicherweise Aktien im Wert von etwa zehn Milliarden Dollar verkauft.

Der Antrag enthält die Ergebnisse der vergangenen Geschäftsjahre: Uber steigerte den Umsatz 2018 im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar und machte einen Nettogewinn von knapp einer Milliarde Dollar. Diese schwarzen Zahlen gehen allerdings auf einen Sondererlös aus dem Verkauf von Teilen des internationalen Geschäfts im ersten Vierteljahr 2018 zurück, der für einen Quartalsgewinn von 3,75 Milliarden Dollar sorgte.

In den restlichen Quartalen des Jahres schrieb Uber nur Verluste: Zwei Mal rund 890 Millionen Dollar sowie fast eine Milliarde Dollar. Beim Jahresergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel ein Minus von 1,85 Milliarden Dollar an. Auffällig ist auch, dass der Erlös aus der Fahrdienst-Vermittlung in den letzten drei Quartalen 2018 nach zum Teil explosiven Wachstum in den Vorjahren praktisch unverändert bei jeweils 2,3 Milliarden Dollar lag. Via Uber wurden im Schlussquartal 1,5 Milliarden Fahrten gebucht und auf der Plattform waren 3,9 Millionen Fahrer aktiv.

Uber hatte zuletzt insgesamt 91 Millionen Nutzer

Uber betreibt auch ein Geschäft mit Essenslieferungen, die Frachtvermittlung für Lastwagen-Fahrer sowie einen E-Bike-Service. Der Plan ist auch, in die App alle verfügbaren Mobilitätsformen zu integrieren. Insgesamt hatte Uber zuletzt über die verschiedenen Dienste hinweg 91 Millionen aktive Nutzer.

Aus dem Börsenprospekt geht auch hervor, dass Uber in den vergangenen drei Jahren nahezu 1,1 Milliarden Dollar für die Entwicklung selbstfahrender Autos und andere Projekte wie Flugtaxis ausgab. Allein im vergangenen Jahr erreichten diese Investitionen 457 Millionen Dollar. Ubers Roboterwagen-Programm war nach einem tödlichen Unfall im März 2018 - dem ersten mit einem selbstfahrenden Auto - für Monate ausgesetzt worden.

Uber besorgte sich in den vergangenen zehn Jahren viel Geld bei Investoren für ein aggressives globales Wachstum. Zugleich geriet die Firma dadurch in viele Konflikte mit Behörden und der Taxi-Branche. Mitgründer und Chef Travis Kalanick musste nach einer Skandalserie gehen. Sein Nachfolger Dara Khosrowshahi brachte Stabilität in die Firma und versucht, Uber ein freundlicheres Image zu geben.

Im März ging auch Ubers kleinerer Rivale Lyft an die Börse, der bisher nur in den USA und Kanada aktiv ist. Lyft schraubte den Ausgabepreis seiner Aktien bis auf 72 Dollar hoch, der Börsengang galt als Erfolg. Doch nach einem positiven Debüt ging die Lyft-Aktie auf Talfahrt und schloss am Donnerstag bei 61 Dollar. (dpa, AFP)

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