Überlastung und Dauerstress : So hart sind die Arbeitsbedingungen in der Pflege

Zeitdruck, Personalmangel und eine große Arbeitslast: Drei Viertel der Pflegekräfte in Deutschland fühlen sich bei ihrer Arbeit gehetzt.

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) haben am Freitag in Berlin eine repräsentative Beschäftigtenbefragung zu den Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass dort die Arbeitsbedingungen weitaus stärker von Zeitdruck und überbordender Arbeitsmenge geprägt sind als im Durchschnitt aller Berufsgruppen.

So liegt der Anteil der Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen bei 80 Prozent (Altenpflege: 69 Prozent; alle Berufsgruppen: 55 Prozent). Der Anteil der Beschäftigten in der Krankenpflege, die "häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen, um die Arbeitsmenge bewältigen zu können", liegt bei 49 Prozent (alle Berufsgruppen: 22 Prozent). Dass sich unter diesen Bedingungen nur rund ein Fünftel der Beschäftigten vorstellen kann, bis zur Rente so zu arbeiten, liegt auf der Hand - Krankenpflege: 23 Prozent, Altenpflege: 20 Prozent, alle Berufsgruppen: 48 Prozent.

Arbeitgeber verschleißen Gesundheit

Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand sagt: "Statt den Beschäftigten in der Altenpflege und in den Krankenhäusern den roten Teppich auszurollen, verschleißen die Arbeitgeber deren Gesundheit. Der Gesetzgeber muss Vorgaben für die Personalausstattung machen, die eine gute und sichere Versorgung gewährleisten. Die von Bundesgesundheitsminister Spahn vorgelegten Personaluntergrenzen im Krankenhaus legitimieren den Pflegenotstand, statt ihn zu beheben." DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach meint: "Wir werden in Zukunft noch viel mehr Fachkräfte brauchen, die dazu bereit sind, in der Pflege zu arbeiten. Deshalb müssen die Bedingungen schnell und umfassend verbessert werden. Professionelle und hoch motivierte Beschäftigte dürfen nicht länger unter solchen Arbeitsdruck gesetzt werden. Das treibt sie in die Selbstausbeutung und schreckt Berufseinsteiger ab."

Die große Koalition will durchsetzen, dass in der Altenpflege mehr Tarifverträge gelten, und diese dann auch für allgemeinverbindlich erklären. Die Bundesregierung geht davon aus, dass 80 Prozent der Beschäftigten nicht tarifgebunden sind. Insgesamt arbeiten bei 13 300 Pflegediensten und 13 600 Pflegeheimen 1,1 Millionen Menschen. In der Altenpflege sind mehr als 20 000 Stellen unbesetzt. Diskutiert wird auch deswegen ein Zuwanderungsgesetz für Fachkräfte aus Ländern jenseits der EU.

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