Überraschendes Ranking : Deutschland ist innovativer als Südkorea

Eine Bloomberg-Studie bescheinigt Deutschland eine Vorreiterrolle bei Elektromobilität und Maschinenbau. Die Bildung bleibt ein Problem.

Deutschland investiert viel in Elektromobilität und autonomes Fahren.
Deutschland investiert viel in Elektromobilität und autonomes Fahren.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ausgerechnet die Autobranche ist es, die Deutschland laut Bloomberg zur innovativsten Nation aufsteigen lässt. Die Bundesrepublik schlägt damit sogar Südkorea, das sechs Jahre in Folge auf Platz eins gestanden hat.

Deutschland punktet der Untersuchung der Nachrichtenagentur zufolge vor allem durch die hohe Anzahl der Hightech-Unternehmen, viele Patentanmeldungen und seine innovativen Fabriken. Dass Deutschland Südkorea toppen kann, liegt damit auch an den Milliarden Euro, die Autobauer wie VW, BMW und Daimler derzeit in Elektromobilität und autonomes Fahren investieren. Ebenfalls Lob gab es für den hoch entwickelten Maschinenbau. „Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland ist immer noch extrem wettbewerbsfähig und eine gute Basis für weitere Innovationen“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING.

Das Ergebnis der Untersuchung ist insofern überraschend, als es im vergangenen Jahr die Autoindustrie war, die die deutsche Wirtschaft belastet hat. Hierzulande haben die Dieselkrise und Fahrverbote Käufer verunsichert, im Ausland ist der Absatz unter anderem aufgrund des Handelsstreits zurückgegangen. Überhaupt hat sich die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr mau entwickelt, was eine Exportnation wie Deutschland sofort zu spüren bekommt.

Weltweit geht es aufwärts

Doch auch diesbezüglich gibt es gute Nachrichten: Es geht weltweit wieder aufwärts. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr etwas an Schwung gewinnen. Für 2020 sagt er ein Wachstum von 3,3 Prozent voraus, nachdem das Plus im vergangenen Jahr nur bei 2,9 Prozent gelegen hat.

Hoffnungsvoll stimmen die Experten zum Beispiel die teilweise Einigung der USA und China im Handelsstreit, auch die Sorgen vor einem ungeregelten Brexit haben nachgelassen. Das geht aus dem Konjunkturbericht hervor, den der IWF am Montag in Davos präsentierte. Dort treffen sich von diesem Dienstag an rund 3000 Konzernlenker und Staats- und Regierungschefs zum jährlichen Weltwirtschaftsforum.

Auch für Deutschland rechnen die Experten vom IWF mit einem Anziehen der Konjunktur. Nach einem mauen Wachstum im abgelaufenen Jahr dürfte die Wirtschaft hierzulande 2020 um 1,1 Prozent zulegen, prognostizieren sie.

Trotzdem sind diese Zahlen kein Grund, sich zurückzulegen. So zeigt der Innovation Index von Bloomberg auch, wo es hierzulande Nachholbedarf gibt: bei der Bildung. Eine am Montag vom Weltwirtschaftsforum veröffentlichte Studie legt das ebenfalls nahe. Demnach hinkt Deutschland bei den sozialen Aufstiegschancen weiter hinterher. Auch aufgrund der Ungleichheit bei den Bildungschancen schafft es Deutschland unter den 82 untersuchten Staaten nicht mehr in die Top zehn, sondern nur auf Platz elf. „Konzerne und Regierung müssen neue Wege für die sozioökonomische Mobilität finden und sicherstellen, dass jeder faire Erfolgschancen hat“, sagt Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums.

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