Umbau der Commerzbank : Komplett-Übernahme der Comdirect vorerst gescheitert

Rückschlag beim Umbau der Commerzbank: Zu wenige Aktionäre haben das Angebot angenommen, der Bank ihre Comdirect-Anteile zu verkaufen.

Die komplette Einbindung der Comdirect ist Teil der von Zielke im September verkündeten geänderten Strategie.
Die komplette Einbindung der Comdirect ist Teil der von Zielke im September verkündeten geänderten Strategie.Foto: Boris Roessler/dpa

Die Commerzbank kommt beim Umbau nicht so schnell voran wie erhofft. Im ersten Anlauf ist jetzt die Kompletteingliederung der Direktbank Comdirect gescheitert. Auf das freiwillige öffentliche Angebot zum Kauf der noch ausstehenden Aktien reagierten lediglich Aktionäre mit insgesamt gut 457.000 Aktien. Damit könnte die Commerzbank ihren Anteil an der Comdirect von zuvor 82,31 auf nur gut 82,60 Prozent steigern. Angepeilt hatte Commerzbank-Chef Martin Zielke mindestens 90 Prozent. Dann hätten die verbliebenen Aktionäre mit einer Barabfindung durch ein sogenanntes „Squeeze-out“ herausgedrängt werden können.

Nur wenige Aktionäre akzeptieren Kaufofferte

Mit der niedrigen Annahmequote ist das Übernahmeangebot gescheitert, räumt die Commerzbank ein. „Die Comdirect-Aktionäre behalten somit zunächst ihre Aktien“, sagt Zielke. Dem Vernehmen nach hat sich vor allem der Finanzinvestor Petrus Advisers gegen das Angebot gestemmt, weil er den Preis von 11,44 Euro je Aktie als zu niedrig erachtet, obwohl er um 25 Prozent über dem Preis bei der Veröffentlichung der Übernahmepläne im September liegt. Allerdings ist der Kurs der Comdirect-Aktie danach auf bis zu knapp 13,60 Euro gestiegen. Aktuell notiert das Papier bei rund 12,60 Euro. Zielke hatte trotzdem eine Erhöhung des Angebots abgelehnt.

Jetzt will der Vorstandschef die Tochter direkt auf die Commerzbank verschmelzen. „Die Maßnahmen dazu werden wir unverzüglich einleiten“. Dies müssen die Aktionäre beider Banken auf ihrer jeweiligen Hauptversammlung mit drei Viertel der Stimmen absegnen. Bei der Comdirect ist dies angesichts des Commerzbank-Anteils von 75 Prozent sicher.

Unklar ist, was aus den Beschäftigten wird

Zielke sieht in der kompletten Übernahme der Comdirect Vorteile sowohl für deren Kunden, weil sie dadurch vom kompletten Angebot der Commerzbank und von ihren Filialen profitieren könnten. Umgekehrt bekämen Commerzbank-Kunden Zugang zum „ausgezeichneten“ Digital-Angebot der Comdirect. Den freilich könnten sie sich jederzeit auch so verschaffen. Völlig unklar ist bislang, was aus der Comdirect-Zentrale in Quickborn bei Hamburg und den dort rund 1.100 Beschäftigten wird.

Die komplette Einbindung der Comdirect ist Teil der von Zielke im September verkündeten geänderten Strategie, um die Bank wieder nachhaltig in die schwarzen Zahlen zu bringen. Dazu werden in den nächsten drei Jahren 200 der aktuell noch 1.000 Filialen geschlossen und 4.300 Vollzeitstellen auf dann nur noch 29.300 abgebaut. Die erfolgreiche polnische Tochter M-Bank mit ihren 6.600 Beschäftigten wird verkauft. Das soll nach Angaben von Zielke bis Ende 2020 angeschlossen sein. Der Prozess laufe geordnet, er sei da sehr entspannt.

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