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Umbau nach Monsanto-Übernahme : Bayer will 4500 deutsche Arbeitsplätze abbauen

Der Chemiekonzern hatte angekündigt, weltweit 12.000 Stellen zu streichen. Jetzt weiß man: Ein Drittel entfällt auf Deutschland.

Heike Jahberg
Der Chemiekonzern Bayer in Berlin.
Der Chemiekonzern Bayer in Berlin.Foto: AFP/Odd Andersen

Die milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto kostet Bayer Arbeitsplätze in Deutschland. Der Pharma- und Chemiekonzern wird in seinem Heimatland 4500 Stellen streichen. Damit würden 14 Prozent der 32.100 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Nach Informationen des Wirtschaftsdienstes Bloomberg sollen die Rationalisierungen bis Ende 2021 umgesetzt werden. 3000 Arbeitsplätze würden die Verwaltung und die IT betreffen. In welchem Maße der Standort Berlin in Mitleidenschaft gezogen wird, lässt sich noch nicht absehen. Bayer hatte vor Jahren den Pharmaproduzenten Schering übernommen und beschäftigt am alten Schering-Standort im Wedding jetzt noch rund 5200 Mitarbeiter. Bayer wollte die Meldung am Montag nicht kommentieren. Bayer-Chef Werner Baumann hatte aber bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass weltweit 12.000 Stellen gestrichen werden sollen. Davon betreffen 4100 Arbeitsplätze das Agrarchemiegeschäft und 1100 den Pharmabereich.

Der Monsanto-Deal macht Probleme

Bayer hatte Monsanto im August vergangenen Jahres für die Rekordsumme von 63 Milliarden Euro übernommen. Doch der Deal erweist sich als problematisch. Mehr als 11.000 Menschen verklagen Bayer in den USA auf Schadensersatz, weil sie glauben, dass das von Monsanto vertriebene Glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup Krebs erzeugt. In zwei Fällen hat eine Geschworenenjury den Klägern Recht gegeben. Bayer geht in die Berufung und verweist auf internationale Studien, denen zufolge Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher ist.

Macht Glyphosat Krebs? Bayer sagt nein, doch zwei Prozesse gingen in den USA verloren.
Macht Glyphosat Krebs? Bayer sagt nein, doch zwei Prozesse gingen in den USA verloren.Foto: dpa

Um seine Position zu untermauern, hat Bayer insgesamt 107 Studienberichte zur Sicherheit des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat im Internet veröffentlicht. Alle Studienberichte, die im Zuge des EU-Zulassungsverfahrens bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) eingereicht worden seien und an denen Bayer die Rechte besitze, seien damit auf der Transparenzplattform des Unternehmens öffentlich zugänglich, teilte der Konzern am Montag mit. Das EU-Gericht hatte erst im März entschieden, dass die Studien über das Krebsrisiko von Glyphosat öffentlich gemacht werden müssten. Die Entscheidung der EU-Lebensmittelbehörde, entsprechende Untersuchungen unter Verschluss zu halten, sei nichtig, erklärten die Luxemburger Richter damals, da hier das öffentliche Interesse an Informationen höher zu bewerten sei als der Schutz von Geschäftsinteressen.

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