Umsatzwarnung : Apple ist auch selbst schuld an seinen Problemen

Trumps Handelsstreit drosselt Chinas Wirtschaft - und schadet US-Konzernen. Doch nur mit dem Finger auf den Präsidenten zu zeigen, reicht nicht. Ein Kommentar.

Ein iPhone XS, ein iPhone XR und ein iPhone XS Max liegen nebeneinander.
Ein iPhone XS, ein iPhone XR und ein iPhone XS Max liegen nebeneinander.Foto: Richard Drew / AP / dpa

Natürlich bietet sich US-Präsident Donald Trump als Buhmann an, wenn Apple seine eigenen Umsatzerwartungen wegen des schlechten Geschäfts mit iPhones in China erstmals seit zehn Jahren nicht erfüllen kann.

Es stimmt ja auch: Trumps erratischer Handelskonflikt drosselt nicht nur Chinas Wirtschaft, er schafft auf beiden Seiten Verlierer. Dass bei Apple der Umsatz im Weihnachtsquartal nur 84 Milliarden US-Dollar betrug statt 89 bis 93 Milliarden, sollte eine Warnung sein: Bleibt Trump auf China-Konfrontationskurs, wird auch Amerika nicht weiter wie bisher wachsen.

Und trotzdem ist auch Apple selbst an der Misere schuld. Schon seit Monaten laufen die Verkäufe des Tech-Konzerns nicht mehr gut. Strukturelle Probleme gab es schon, bevor der Handelsstreit sich zuspitzte. Nicht ohne Grund hörte Apple bereits im November damit auf, Verkaufsdaten von iPhones offenzulegen. Fast zeitgleich teilten Komponentenhersteller Umsatzrückgänge mit. Schon damals wurden erste aufmerksame Anleger nervös, ob ein Rückgang der Verkäufe von iPhones bevorstehen würde.

Die Geräte von Apple sind zu teuer

Apple will partout trotz Konjunkturrisiken an seiner Hochpreisstrategie festhalten. Aber auch die schicksten Produkte sind mit einem Preis von meist über 1000 US-Dollar schlicht zu teuer, vor allem für den chinesischen Markt. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino will fast dreimal so viel kassieren wie chinesische Anbieter, die dafür aber den Markt massenhaft bedienen. Der wiederum schrumpft schon das ganze Jahr über – und Apple ist einer der Hauptverlierer.

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Auch global gesehen muss Apple-CEO Tim Cook darauf reagieren, dass sich das Käuferverhalten – auch wegen seiner Preispolitik – ändert. Die Telefone können inzwischen noch länger auf einem relativ neuen technischen Stand genutzt werden. Und gerade weil neue Geräte, die kaum Innovation versprechen, so teuer sind, begnügen sich Verbraucher zunehmend mit einem neuen Akku für ihr aktuelles Handy – vor allem vor der bevorstehenden 5G-Welle. Genau hier müsste Apple ansetzen: Der Konzern braucht über das iPhone hinaus einen neuen Blockbuster.

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