Unternehmens-Gehälter im Vergleich : Aufsichtsräte erhalten zu wenig Geld

Aufsichtsratsvorsitzende sind im Vergleich zu ihren Vorstandschefs beim Gehalt längst nicht auf Augenhöhe. Das ist das Ergebnis einer Studie.

Paul Achleitner ist Deutschlands bestbezahlter Aufsichtsrat
Paul Achleitner ist Deutschlands bestbezahlter AufsichtsratFoto: REUTERS

Die Chefs der Aufsichtsräte deutscher Konzerne sind im Vergleich zu Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen angeblich zu schlecht bezahlt. „Vorstandschefs haben 2018 im Schnitt rund das 15-fache eines Aufsichtsratsvorsitzenden erhalten. Das ist angesichts der Aufgabenfülle nicht mehr gerechtfertigt. Der Chef des Kontrollgremiums sollte mit 20 Prozent der Vergütung des Vorstandschefs bezahlt werden", sagt Regine Siepmann, Partnerin der Vergütungsberatung hkp.

Legt man diesen Maßstab zugrunde, dann hätte Deutsche Bank-Chef Paul Achleitner im vergangenen Jahr – bei einer Vergütung von sieben Millionen Euro für Vorstandschef Christian Sewing – rund 1,4 Millionen Euro erhalten müssen. Tatsächlich waren es der Analyse von hkp zufolge 858.000 Euro. Damit war Achleitner gleichwohl auch 2018 der am besten bezahlte Aufsichtsratschef bei den 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzernen.

Im Schnitt erhielten die Chef-Kontrolleure nach Informationen aus der am Montag vorgelegten Studie 424.000 Euro und damit knapp vier Prozent mehr als 2019. Hinter Achleitner rangieren Gerd Krick von Fresenius und Norbert Reithofer mit jeweils 640.000 Euro, dann folgt VW-Chef-Aufseher Hans Dieter Pötsch mit 584.500 Euro.

Bei BASF erhielt Jürgen Hambrecht 550.000 Euro, bei Bayer Werner Wenning 407.000 und bei SAP Hasso Plattner 363.000 Euro. Die geringste Vergütung eines Aufsichtsratschefs gab es beim Unternehmen Beiersdorf für Reinhard Pöllath (228.000 Euro).

Vorstands- und Aufsichtsratschef müssten sich auf Augenhöhe begegnen

Viel zu wenig sei das, sagt hkp-Partnerin Siepmann. „Legt man den Faktor 15 zum Vorstandschef zugrunde, wäre das so als ob der 365 Tage im Jahr arbeitet, der Aufsichtsratschef aber nur 25. Das passt nicht.“ Mindestens hundert Tage im Jahr müsste sich ein Chef-Kontrolleur mit „seinem“ Unternehmen befassen, sagt sie. „500.000 Euro wären deshalb im Schnitt angemessen.“

Ein Aufsichtsratschef sei heutzutage in die Strategieberatung eingebunden und faktisch ein Sparringpartner für den Vorstand. „Keine nennenswerte Investition oder sonstige Entscheidung von größerem Ausmaß kann heute ohne die Einbindung des Aufsichtsratsvorsitzenden getätigt werden.“ Vorstands- und Aufsichtsratschef müssten sich auf Augenhöhe begegnen. „Davon sind wir weit entfernt.“

Kritisch bewertet Siepmann den Trend zur ausschließlich festen Bezahlung der Chef-Kontrolleure. Das werde deren Aufgabenfülle nicht gerecht. Allerdings solle die höhere Flexibilität zwingend durch eine Verpflichtung zum Kauf von Aktien des Unternehmens ergänzt werden. Das sei aktuell nur bei BASF, Bayer, Daimler und RWE der Fall. Verfügen können die Manager über diese Aktien aber erst nach dem Ende ihrer Amtszeit.

Am besten verdient hat unter den Kontrolleuren, die mehrere Mandate wahrnehmen, 2018 Michael Diekmann, der den Aufsichtsrat der Allianz leitet und im Gremium bei BASF, Fresenius und Siemens sitzt. Für diese Aufgaben erhielt er insgesamt 1,4 Millionen Euro. Achleitner kam durch seine Mandate bei Bayer, Daimler und den Chefposten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank auf insgesamt 1,25 Millionen Euro. Knapp 1,16 Millionen waren es bei Karl-Ludwig Kley, der bei BMW mitkontrolliert und zugleich als Chef-Aufseher bei Lufthansa und E.ON fungiert.

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Laut dem Kodex für gute Unternehmensführung soll ein Manager nicht mehr als fünf Aufsichtsratsmandate wahrnehmen, sofern er Vorstandsmitglied ist, nicht mehr als zwei und keinen Aufsichtsratsvorsitz.

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