Unterschiede nach Branche und Region : Was verdienen Azubis?

Wie hoch das Ausbildungsgehalt ausfällt, hängt von der Branche ab – und der Region. Angehende Friseure etwa verdienen in NRW mehr als in Brandenburg.

Sarah Birkhäuser
Das Friseurhandwerk gehört zur niedrigsten Gruppe der tariflichen Ausbildungsvegütungen.
Das Friseurhandwerk gehört zur niedrigsten Gruppe der tariflichen Ausbildungsvegütungen.Foto: picture alliance / Susann Prautsch

1037 oder 325 Euro? Die Spannweite der Ausbildungsvergütungen im ersten Jahr ist groß. Das meiste Geld gibt es in der Metallindustrie, am wenigsten verdienen die Azubis in Friseursalons. Oftmals sind die Einkommen in Tarifverträgen festgelegt. Wenn der Betrieb nicht nach Tarif zahlt, haben die Azubis Anspruch auf mindestens 80 Prozent der tariflichen Vergütung. Diese Untergrenze gilt allerdings nicht für staatlich geförderte Ausbildungen. Einer aktuellen Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge unterscheiden sich die Einkommen nicht nur nach Branche und Lehrjahr, sondern vor allem auch nach Regionen. Es gibt ein West-Ost- und ein Süd-Nord-Gefälle.

Auszubildende im Friseurhandwerk verdienen in Nordrhein-Westfalen 510 Euro, in Brandenburg nur 325 Euro. Deutlich ist auch die Differenz in der Floristik-Branche: Im Westen bekommen Azubis über 600 Euro, im Osten 400 Euro. Noch größer wird die regionale Spanne im dritten Ausbildungsjahr. In der Textilindustrie variieren die Vergütungen dann um gut 200 Euro. Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe liegen die regionalen Abstände bei 245 Euro. Spitzenreiter ist aber das Kfz-Handwerk. Auszubildende im dritten Lehrjahr verdienen in Baden-Württemberg 984 Euro und in Brandenburg 690 Euro. Bundeseinheitliche Tarife gibt es unter anderem für die Azubis bei Banken und Versicherungen, im öffentlichen Dienst sowie dem Bäckerhandwerk.

Die größten regionalen Unterschiede in den einzelnen Branchen.
Die größten regionalen Unterschiede in den einzelnen Branchen.Foto: Tsp/Klöpfel

Alles in allem liegt das Ausbildungsentgelt in den meisten Tarifbranchen deutlich über der geplanten Mindestvergütung. Vom kommenden Jahr an will die Bundesregierung mindestens 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr vorschreiben. Das würde dann vor allem die vielen nicht-tarifgebundene Betriebe betreffen, „die mitunter ihre Auszubildenden immer noch deutlich schlechter bezahlen“, sagt Thorsten Schulten von der Böckler-Stiftung. Wenn das Ausbildungsgehalt nicht ausreicht, weil zum Beispiel die Fahrtkosten oder die Unterbringung am Ausbildungsort hoch sind, dann kann man bei der Arbeitsagentur finanzielle Hilfe in Form einer Berufsausbildungsbeihilfe beantragen.

Der Ausbildungsvertrag regelt nicht nur die Höhe der Vergütung, sondern auch Inhalte und Dauer der Ausbildung. Zum gegenseitigen Kennenlernen gibt es am Anfang eine Probezeit von maximal vier Monaten. In dieser Phase können beide Seiten das Arbeitsverhältnis von heute auf morgen kündigen. Möchte man die Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen, kann auch später noch ein Aufhebungsvertrag vereinbart werden. Der DGB rät dazu, auf jeden Fall erst dann zu kündigen, wenn ein neuer Ausbildungsplatz gefunden ist.

Wie viel Urlaub haben Azubis? Auch das steht im Vertrag, mindestens zwei Wochen sollten am Stück gewährt werden. Der Antrag muss schriftlich und frühzeitig eingereicht werden. Überstunden sollten von Azubis nicht geleistet werden. In der Ausbildung geht es darum den Beruf zu erlernen, wofür die vertraglich festgelegte Arbeitszeit ausreichen sollte. Kommen Überstunden doch vor, gelten die Regelungen des Jugendarbeitsschutz- und des Arbeitszeitgesetzes. Außerdem müssen sie bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen werden.

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