Wirtschaft : Urlaubsgrüße werden billiger

EU-Minister wollen bis zum Sommer eine Preisobergrenze für Mobiltelefonate im Ausland einführen

Corinna Visser

Berlin - Gespräche mit dem Handy im Ausland könnten schon in diesem Sommer deutlich billiger werden. Bei ihrem Treffen am Rande der Computermesse Cebit in Hannover haben sich die 27 für Telekommunikation zuständigen Minister der EU am Donnerstag grundsätzlich darauf geeinigt, Obergrenzen für Roaming-Gebühren in Europa einzuführen. Roaming-Gebühren sind die Preise, die ein Kunde zahlen muss, wenn er im Ausland das Netz eines fremden Mobilfunkunternehmens nutzt. Nach Meinung von EU-Kommissarin Viviane Reding und der Minister sind die Gebühren viel zu hoch. Reding forderte: „Wir brauchen einen Konsumentenschutztarif und wir brauchen das schnell.“ Reding will den Unternehmen einen Maximalpreis von 50 Cent pro Minute vorschreiben. Derzeit sind es mitunter bis zu drei Euro.

Auf Details wollten sich die Politiker am Donnerstag noch nicht festlegen. Nach Beratungen im Europäischen Parlament im Mai wollen die Minister im Juni zu einer Einigung gelangen, die dann dem Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs vorgelegt werden soll. Am Vorabend hatte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Preissenkungen von der Branche gefordert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte am Donnerstag, ein Roaming-Tarif sei vor allem zum Verbraucherschutz nötig. „Wir können das nicht dem Markt überlassen.“

Die Branche reagierte verärgert auf die Vorstöße der Bundesregierung. Offene Kritik wollte jedoch keiner äußern. „Es ist eigenartig, dass sich der Bundeswirtschaftsminister als Verbraucherschutzminister aufspielt“, sagte einer aus der Branche. Offiziell verweisen die Unternehmen darauf, dass die Preise in der Branche in den vergangenen Jahren bereits dramatisch gesunken sind. Auch in punkto internationale Verbindungen im Ausland gebe es bereits eine Reihe neuer – kostengünstiger – Tarife. „Der Markt hat bereits mit Angeboten reagiert“, heißt es beim Netzbetreiber O2. „Die sinkenden Roaming- Preise sind ein Beweis dafür, dass der Wettbewerb funktioniert“, argumentiert die Telekom. Zudem verweisen die Mobilfunkbetreiber auf die Preissenkungen vor allem für mobile Datenübertragung, die auf der Cebit angekündigt wurden.

Bei ihrem Messerundgang am Morgen besuchte Merkel unter anderem auch den Stand des Mobilfunkanbieters Vodafone. Deutschland-Chef Friedrich Joussen führte ihr die nach eigenen Angaben „schnellste mobile Internetverbindung weltweit“ vor. „Ich hätte das gerne auch in Berlin“, sagte die Bundeskanzlerin. Daraufhin verspricht ihr Joussen, das UMTS- Netz auch in der Hauptstadt auszubauen.

Ganz im Gegensatz zum Mobilfunk will EU-Kommissarin Reding auf dem schnell wachsenden Markt für RFID-Funkchips möglichst wenig Einschränkungen. Brüssel plane keine Regulierungsschritte, sagte Reding. „Ich finde, wir sollten den Bereich unter- statt überregulieren, damit die Branche abheben kann“, sagte Reding. RFID sind kleine Funkchips, die es zum Beispiel möglich machen, den Weg eines Produktes genau zu verfolgen.

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