Urteil zu Flugreisen : Rücktrittsversicherung greift auch bei Durchfall

Eine unerwartet schwere Erkrankung kann eine Flugreise unzumutbar machen, die Versicherung muss die Kosten übernehmen. So urteilte das Oberlandesgericht Celle.

Eine Toilette müsse jederzeit verfügbar sein, urteilten die Richter.
Eine Toilette müsse jederzeit verfügbar sein, urteilten die Richter.Foto: Patrick Seeger/dpa

Wird der Antritt einer Flugreise durch eine unerwartet schwere Erkrankung verhindert, muss die Reiserücktrittsversicherung einspringen. Dies gilt auch für eine Durchfallerkrankung "erheblicher Ausprägung", die trotz Einnahme von Medikamenten den Betroffenen "überfallartig und ohne Vorwarnung" zwang, vier- bis fünfmal am Tag in unregelmäßigen Abständen die Toilette aufzusuchen, wie das Oberlandesgericht Celle in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschied (Az. 8 U 165/18).

Hierbei komme es nicht auf eine konkrete ärztliche Diagnose der Erkrankung an, urteilten die Richter. Entscheidend sei vielmehr das Vorliegen einer krankheitsbedingten Symptomatik, die den Antritt einer Flugreise unzumutbar erscheinen lasse. Der Betroffene könne nicht darauf verwiesen werden, dass während des Fluges sowie am Urlaubsort Sanitäranlagen vorhanden seien. Die Zumutbarkeit des Reiseantritts dürfe nicht mit dessen "technischer Durchführbarkeit" verwechselt werden.

Vielmehr sei zu berücksichtigen, dass schon bei der Anfahrt zum Flughafen, während des Eincheckens und bis zum Erreichen der Flughöhe nicht jederzeit eine Toilette zugänglich sei. In einem Flugzeug stehe nur eine begrenzte Anzahl von Bordtoiletten zur Verfügung und die Möglichkeit deren Inanspruchnahme sei schließlich auch von den Bedürfnissen der anderen Flugpassagiere abhängig.

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Jedenfalls bei einer Durchfallerkrankung mit der im vorliegenden Fall festgestellten Symptomatik und einem "überfallartig" entstehenden Bedürfnis müsse aber die jederzeit mögliche Inanspruchnahme einer Toilette gewährleistet sein. Das sei insbesondere auf einem längeren Flug regelmäßig nicht der Fall, weshalb der Reiseantritt insgesamt unzumutbar sei - und der Versicherer leistungspflichtig, urteilten die Richter. (AFP)

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