Vegane Burger : Warum der Hype um Beyond Meat bald vorbei sein könnte

Beyond Meat wächst um 287 Prozent, doch die Aktie fällt rasant. Grund ist eine Ankündigung des Managements – und viele Besorgnis erregende Signale.

Der vegane Burger von Beyond Meat
Der vegane Burger von Beyond MeatFoto: Lidl/obs

Eigentlich hätten sich Aktionäre von Beyond Meat die aktuellen Quartalszahlen kaum besser wünschen können. Um 287 Prozent stieg der Umsatz des Fleischersatzherstellers aus den USA im Jahresvergleich auf nun 67,3 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Für das gesamte Jahr rechnet das Unternehmen mit 240 Millionen.

Und was fast noch bemerkenswerter ist: Mit einem bereinigten Gewinn von 6,9 Millionen Dollar schafft es das 2009 gegründete Unternehmen bereits in die schwarze Zahlen. Höchst ungewöhnlich für ein Start-up, das, wie Beyond Meat, zunächst den Markt erschließen will und deshalb auf Expansion ausgerichtet ist.

Doch trotz dieser Zahlen stürzte die Aktie am Montag nachbörslich um fast zwölf Prozent ab. Bei einem Börsenwert von rund 13 Milliarden Dollar geht mit solch einem Verlust viel Kapital verloren. Erholen konnte sich der Wert seitdem noch nicht.

Doch weshalb der Einbruch trotz der sensationellen Geschäftsentwicklung?

Die Antwort ist vielschichtig. Auf den ersten Blick dürfte eine Ankündigung von Firmenchef Ethan Brown ausschlaggebend sein. Er hatte am Montagabend eine Kapitalerhöhung angekündigt; Beyond Meat will mehr als drei Millionen neue Aktien ausgeben. Bisherigen Anteilseignern dürfte das missfallen, da sich der Gewinn des Unternehmens künftig auf mehr Aktien aufteilt und somit pro Aktie geringer ausfällt.

Der Hype um Beyond Meat

Doch es dürften noch psychologische Gründe hinzugekommen sein, die den Kurssturz verstärkten. Denn Beyond Meat ist eine der außergewöhnlichsten Unternehmensgeschichten der vergangenen Jahre. Das Start-up hat es geschafft, einen Hype um seine Burgerpatties aus Erbsen zu kreieren, der zunächst in den USA startete, spätestens mit dem Markteinstieg in anderen Ländern aber zu einem globalen Phänomen wurde.

Dass Stars wie Schauspieler Leonardi Di Caprio zu den Investoren gehören, ist sicherlich ein Faktor des Erfolges. Ebenso die Tatsache, dass das Fleischersatzprodukt wie gemacht zu sein scheint für einen Zeitgeist, in dem viele Menschen versuchen, sich gesünder und klimaschonender zu ernähren. Auch als Beyond Meat vor gut einem Monat in Deutschland im Einzelhandel startete, waren die Produkte in vielen Supermärkten nach wenigen Stunden ausverkauft.

Ähnlich fulminant fiel der Börsengang vor drei Monaten aus. Nach einem Ausgabepreis von rund 25 Dollar rangierte die Aktie schon bald beim neunfachen Wert. Schon am ersten Tag schnellte der Kurs um 163 Prozent in die Höhe. Es war der beste US-Börsenstart seit 19 Jahren.

Ethan Brown, Gründer und CEO von Beyond Meat, will einen großen Teil seiner Anteile am Unternehmen verkaufen.
Ethan Brown, Gründer und CEO von Beyond Meat, will einen großen Teil seiner Anteile am Unternehmen verkaufen.Foto: REUTERS

Doch genau hier setzen auch die Zweifel an.

Einige Börsianer sehen in dem Boom schon eine "Vegan-Blase". Gerne wird Beyond Meat mit Tesla verglichen. Ähnlich wie Beyond Meat ist der US-Elektorautohersteller seiner Konkurrenz in vielen Punkten weit voraus und ist ebenfalls für rasante Börsenralleys gut - dennoch würde sich aber kaum jemand wundern, wenn Gründer Elon Musk plötzlich auf Twitter die Insolvenz seines Unternehmens bekannt geben würde.

Tatsächlich gibt es einige Indizien, dass die Beyond-Meat-Aktie deutlich zu hoch bewertet ist. Nach den aktuellen Zahlen ist das Unternehmen 54 mal so viel Wert wie der eigene Umsatz - üblich ist hier eher das Ein- oder Zweifache. Wohl auch deshalb rät derzeit kein Analyst zum Kauf der Aktie.

Warum verkaufen die Chefs ihre Aktien?

Zudem erwarten Kritiker, dass Beyond Meat bald Marktanteile verlieren wird. Denn die Konkurrenz wächst. Lebensmittelkonzerne wie Nestlé verbessern ihre eigenen veganen Burgerpatties stetig. Der Schweizer Konzern hat sich zudem das fleischlose Geschäft von McDonald's gesichert. Die Partnerschaft mit Burger King hat sich sogar ein direkter Konkurrent von Beyond Meat gesichert; Impossible Foods, ein Start-up, das auf veganes Fleisch spezialisiert ist. Selbst Lidl, der erste Vertriebspartner von Beyond Meat im Einzelhandel in Deutschland, bringt künftig einen fleischlosen Burger als Eigenmarke heraus.

Unter diesem Aspekt ist es für einige Anleger auch keine gute Nachricht, dass bereits Gewinne verbucht werden. Schließlich, so könnte man argumentieren, könnte man jeden Dollar dafür brauchen, sich weitere Marktanteile zu sichern und den Vorsprung vor der Konkurrenz auszubauen.

Und noch eine Sache machte die Anleger besonders skeptisch: Ausgerechnet Firmenchef Brown und Finanzvorstand Mark Nelson wollen im Zuge der Kapitalerhöhung 100.000 ihrer Aktien verkaufen. Kritiker könnten das als Versuch sehen, noch schnell mit dem aktuell extrem hohen Kurs Kasse zu machen, bevor der Wert danach wieder sinkt.

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Tatsächlich ist das größte Kapital von Beyond Meat neben der Rezeptur wohl das Image. Der weitere Erfolg dürfte vor allem davon abhängen, Beyond Meat als das Produkt dieser Zeit zu vermarkten. Die Firmenchefs wären wohl nicht schlecht beraten, ihre Einnahmen aus dem Aktienverkauf in ihre Marketing-Abteilung zu stecken.

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