"Die meisten Start-ups werden kein Erfolg"

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Venture-Capitalist O’Leary : "Die besten Unternehmen kommen aus Berlin"
6Wunderkinder. Niklas Zennström findet sie richtig gut: die sechs Gründer Christian Reber, Robert Kock, Daniel Marschner, Sebastian Scheerer, Jan Martin, Charlette Prevot. Darum investierte der milliardenschwere Mitbegründer von Skype im November 2011 4,2 Millionen Euro in die 6Wunderkinder. In Berlin-Mitte schrauben sie an ihrem Baby herum, eine App mit dem Namen „Wunderlist“. Die gibt es zwar erst seit ungefähr einem Jahr, sie hat aber schon über 1,5 Millionen Nutzer.Weitere Bilder anzeigen
Foto: promo
16.01.2012 15:046Wunderkinder. Niklas Zennström findet sie richtig gut: die sechs Gründer Christian Reber, Robert Kock, Daniel Marschner,...

Finanzinvestoren haben in Deutschland keinen guten Ruf.

Sogar einen ganz schlechten. Dabei sind wir so ziemlich das genaue Gegenteil von einer Heuschrecke. Wir quälen keine Unternehmen und bürden ihnen keine Schulden auf. Wir geben vielmehr frisches Geld, das ausschließlich für die Einstellung von Mitarbeitern und die Entwicklung von Technologien verwendet wird. Dafür bekommen wir Anteile am Unternehmen, in der Regel aber nur um die 20 Prozent. Wir machen auch mal Fehler, aber wir entsprechen nicht dem negativen Bild, das viele Menschen von uns haben.

Welche Fehler machen Sie?

Im Start-up-Bereich werden die meisten Unternehmen kein Erfolg. Das ist leider so. 20 bis 30 Prozent gehen Pleite. 50 Prozent laufen so einigermaßen und 20 bis 30 Prozent werden richtig gut – mit großem Börsengang und vielen tausend Mitarbeitern. Zu unserem Job gehört es auch, möglichst schnell zu identifizieren, was nicht läuft.

Nehmen Sie Ihr Geld wieder raus oder ist es dann verloren?

In 20 bis 30 Prozent der Fälle ist es weg. Das ist für uns auch deshalb bitter, weil wir eng mit den Gründern zusammenarbeiten. Emotional ist das sehr belastend. Unser Job ist wie eine Achterbahnfahrt.

Bekommt jemand, der mit einer Idee gescheitert ist, bei Ihnen je wieder Geld?

Oh ja. Leute, die schon zwei, drei Sachen ausprobiert haben, besitzen einen viel besseren Erfahrungsschatz. Durch das Scheitern lernt man meist mehr, als durch den Erfolg. Das gilt natürlich nicht, wenn jemand 20 Firmen gründet und 20 mal scheitert, da passt dann wohl etwas nicht. Aber wir müssen lernen, das Scheitern zu akzeptieren und es als Pluspunkt zu werten.

Welche Unternehmen hat Earlybird gemacht?

Zum Beispiel Interhyp, die mittlerweile mehr Immobilienkredite vermitteln als die Deutsche Bank. In der Spitze war Interhyp mit 800 Millionen Euro bewertet. Oder auch Tip24, die erste nicht- staatlich Lotterie. Tip 24 hat im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro verdient. Wir versuchen Unternehmen zu bauen, die auf absehbare Zeit wesentliche Treiber in ihren Branchen sind. In unserem jetzigen Fonds sind die meisten Unternehmen zwischen zwei und vier Jahren alt. Die nächsten Börsengänge und Verkäufe werden wir wahrscheinlich erst in den kommenden ein bis zwei Jahren sehen.

Wie lange bleiben Sie in einem Unternehmen?

In der Regel reicht unser Atem fünf bis sieben Jahre. Aber wenn jemand vorher einen attraktiven Preis bietet, sagen wir nicht nein.

Wer gibt sein Geld in Ihre Fonds?

Wir als Team zeichnen natürlich einen Anteil, etwa zwei bis drei Prozent, damit wir bis über die Halskrause motiviert sind. Die übrigen Investoren kommen aus dem Ausland, wie zum Beispiel die Osaka Gas Company oder die Abu Dhabi Investment Authority. In Deutschland gibt es einige vermögende Privatpersonen und Familien. Es ist aber leider so, dass Venture Capital als Anlageprodukt in Deutschland noch nicht so recht angekommen ist. Viele erinnern sich an die geplatzte Blase der New Economy und denken, damit kann man doch nur Geld verlieren.

Wie viel Geld muss man anlegen?

Es soll nicht arrogant klingen, aber wegen des Verwaltungsaufwands lohnt es sich für uns nicht, hier und da ein paar tausend Euro einzusammeln. Ab fünf Millionen Euro ist man dabei. Wir wollen maximal 20 Anleger haben, zu denen wir dann ein enges Verhältnis pflegen. Die einzelnen Fonds haben ein Volumen zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Wir glauben, dass dies für Deutschland die richtige Größenordnung ist, um eine vernünftige Rendite zu erzielen. Wenn man zu viel Geld hat, ist man versucht, es unter die Leute zu bringen. Das ist meist Mist.

Wie viel Rendite machen Sie?

Unsere Fonds laufen zehn Jahre. Zuerst sammeln wir das Geld ein, dann gibt es, wie gesagt, einige Ausfälle. Nach drei bis vier Jahren kommen die ersten Erlöse. Wenn man bei uns anlegt, kann man in der Regel sein Geld verdrei- bis verfünffachen. Alle unsere historischen Fonds lagen unter den besten 20 Prozent ihrer Anlageklasse in Europa. Wenn man das nicht schafft, hat man auch keine Chance. Das ist ein ziemlich gnadenloses Geschäft.

Wie finden Sie die Unternehmen, in die Sie investieren?

Die ersten Unternehmer treffe ich meist schon um 8.30 Uhr zum Frühstück, mein Tag endet oft gegen Mitternacht bei einem Bier mit anderen Unternehmern. Wir gehen aktiv hinaus, um die richtigen Leute zu finden.

Wer entscheidet über ein Investment?

Das machen wir im Team.

Ihre Investoren fragen Sie nicht?

Nein, dann könnten wir nicht schnell genug entscheiden.

Wann kommt der nächste Fonds?

Sehr bald. Mehr können wir dazu nicht sagen.

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