Verkehr in Berlin : Mit Sixt und Oply starten zwei neue Carsharing-Anbieter

In den Markt für geteilte Autos kommt Bewegung: Mit Sixt und Oply gibt es zwei neue Anbieter in Berlin. Zuvor hatten BMW und Daimler ihr Sharing zusammengelegt.

Jana Kugoth
Per Mausclick oder Smartphone-App. Autos zu suchen und zu teilen, bereitet kaum Mühe.
Per Mausclick oder Smartphone-App. Autos zu suchen und zu teilen, bereitet kaum Mühe.Foto: kebox Fotolia


Der Carsharing-Markt in Berlin wird in den kommenden Wochen rasant wachsen. Nach dem jüngsten Zusammenschluss von Drive-Now (BMW) und Car-2-Go(Daimler) mit gemeinsam 2600 Fahrzeugen in der Hauptstadt und dem angekündigten Start des VW-Sharings mit 1500 Elektroautos im Frühjahr gehen nun zwei weitere Anbieter ins Rennen: Der Autovermieter Sixt bringt nach Tagesspiegel-Informationen mehr als 1000 Fahrzeuge auf die Straßen der Hauptstadt, das Luxemburger Start-up Oply stellt ab dem heutigen Mittwoch 200 Autos für das Carsharing bereit.

Ungeachtet der dann rund 5300 Fahrzeuge im stationsungebundenen Carsharing und einiger hundert weiterer Fahrzeuge mit festen Stationen (Cambio, Stadtmobil, Flinkster, u.a.) sehen die Unternehmen in Berlin einen attraktiven Wachstumsmarkt für das Teilen von Autos. Mit weniger als 400 privaten Pkw pro 1000 Haushalten ist die Ausstattung der Berliner Haushalte mit eigenen Autos vergleichsweise gering. Hinzu kommt ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz, das viele Fahrten mit dem eigenen Auto überflüssig macht.

Berliner besonders aufgeschlossen für Sharing-Modelle

Außerdem zeigt sich, dass die Berlinerinnen und Berliner besonders aufgeschlossen für Sharing-Modelle sind. Fast die Hälfte (45,2 Prozent) ist nach einer repräsentativen Studie bereit, Dinge über Online-Plattformen zu mieten, mehr als ein Drittel (35,5 Prozent) würde demnach eigene Gegenstände selbst anbieten. Das ist das Ergebnis einer von Turo in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage, dem weltweit größten Online-Marktplatz für privates Carsharing. Auch das private Carsharing, bei dem Privat-Pkw geteilt werden, stößt in Berlin auf Interesse:  Mehr als jeder vierte Berliner Autobesitzer (26,3 Prozent) kann sich gut vorstellen, das eigene Fahrzeug zu verleihen, gut jeder Dritte (34,2 Prozent) ist offen dafür, einen Pkw von privat zu mieten.

Im großen Stil will der Autovermieter Sixt nun in das professionelle Carsharing mit der Marke "Sixt Share" einsteigen. An diesem Donnerstag soll in München offiziell der Startschuss für ein neues, konzernweites Mobilitätskonzept gegeben werden, das die Unternehmenseinheit „Project X“ entwickelt hat.

In der Branche wird darüber bereits seit einiger Zeit unter dem Namen „Project One“ spekuliert. Ziel ist es, das, was der Autovermieter schon im Unternehmen hat, intelligent miteinander zu vernetzen, wie es heißt. Vorangetrieben wird das neue Geschäftsmodell von Alexander und Konstantin Sixt, den Söhnen des 74-jährigen Firmengründers Erich Sixt. Aufgesetzt wurde ein eigenes Software-Backend zur Steuerung der Flotten und des Miet- und Abrechnungssystems. 

Fahrten in der Testphase für neun Cent pro Minute

Sixt hatte zusammen mit BMW das Freefloating-Carsharing von Drive-Now erfolgreich aufgebaut - inklusive des komplett internetbasierten Miet- und Abrechnungssystems. Doch die Wege trennten sich, Sixt ließ sich den Verkauf seines 50-Prozent-Anteils mit 209 Millionen Euro bezahlen.   

Ein Baustein der neuen Mobilitätsmarke des Autovermieters wird nun das stationsungebundene Carsharing unter der Marke „Sixt Share“ sein. In einem Pilotprojekt testet Sixt das Modell seit gut zwei Wochen in Berlin – auch mit einigen Elektrofahrzeugen (Renault Zoe).

Nutzer können sich bereits eine Smartphone-App herunterladen. Auch das Tarifsystem ist online verfügbar. In der Testphase sind Fahrten ab neun Cent pro Minute möglich. Das „Produkt für die Metropolen“ soll zunächst in Berlin und am Firmensitz in München starten. Da Sixt weltweit Zugriff auf mehr als 200.000 Fahrzeuge hat, dürfte die Marke aber in weiteren Städten ausgerollt werden. Sixt wollte Details mit Verweis auf den offiziellen Starttermin an diesem Donnerstag nicht preisgeben. 

Senat will auch Außenbezirke einbeziehen

Nicht nur die großen Anbieter drängen in den Markt. Auch Start-ups wollen von der Sharing-Bereitschaft der Berliner profitieren. Das in Luxemburg gegründete Unternehmen Oply kombiniert die Kurzeitmiete mit der klassischen Autovermietung. Kunden können die von Oply bereitgestellten Transporter, Sportwagen, Kleinwagen und Kombis sowohl für die spontane, kurze Fahrt zur Arbeit als auch für einen geplanten Wochenendtrip zum See nutzen.

Anders als bei den Freefloating-Anbietern muss das Fahrzeug allerdings wieder in der Zone zurückgegeben werden, in der es gemietet wurde. Die Kombination beider Konzepte in einer Flotte gebe es noch nicht, sagt Geschäftsführerin Katharina Wagner, früher bei Car-2-Go. Im Vergleich zur klassischen Autovermietung entfalle außerdem der Kontakt mit den Mitarbeitern. Die Fahrzeuge der Oply-Flotte, alle mit Verbrennungsmotor, ließen sich per App automatisch auf- und abschließen und darüber bezahlen.

Und was hält die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vom hiesigen Carsharing-Boom? Man führe mit allen Anbietern des stationslosen Carsharings regelmäßige Gespräche, heißt es aus der Verkehrsverwaltung. Dabei gehe es zum einen darum, den Anteil der elektrisch betriebenen Carsharing-Fahrzeuge zu erhöhen, „zum anderen haben wir deutlich gemacht, dass gerade in den Berliner Außenbezirken Carsharing-Angebote ausgebaut werden sollten“, teilte eine Sprecherin mit.

 

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