Versicherungen : Auf den Zahn gefühlt

Private Zusatzversicherungen zahlen für Kronen oder Implantate. Aber günstige Anbieter sind durchaus wählerisch.

Thomas Wüpper
Teure Sache: Wer sein Gebiss sanieren will, muss mit einem fünfstelligen Betrag rechnen. Zusatzversicherungen mildern die finanzielle Last. Viele der Policen sind gut, hat die Stiftung Warentest herausgefunden.
Teure Sache: Wer sein Gebiss sanieren will, muss mit einem fünfstelligen Betrag rechnen. Zusatzversicherungen mildern die...Foto: Foto: Hans Wiedl/dpa/pa

Schönere Zähne mit einer Zusatzversicherung – so werben private Versicherer häufig für ihre Angebote. Für jüngere und gesunde Kunden gibt es attraktive Policen zu günstigen Einstiegspreisen und mit teils guten Leistungen. Das kann sich lohnen.

WAS DIE KASSE ZAHLT

Denn Kassenpatienten bekommen beim Zahnarzt nur eine Basisversorgung und müssen für Zahnkronen, Keramikfüllungen (Inlays) oder künstliche Zahnwurzeln (Implantate) aus eigener Tasche zuzahlen. Da können schnell ein paar Tausend Euro für eine einzige teure Behandlung fällig werden.

TEURE ZUSATZVERSICHERUNG

Mit der richtigen privaten Zusatzversicherung lassen sich solche Kostenrisiken absichern. Die Stiftung Warentest hat solche Policen untersucht und gab im Frühjahr fast jedem dritten von 220 untersuchten Zahnzusatztarifen sehr gute Noten (www.test.de). Billig sind die besten Angebote allerdings nicht. Schon ein 43-jähriger Modellkunde zahlt im Schnitt 40 Euro im Monat, im Alter steigt der Beitrag auf mehr als 800 Euro pro Jahr.

TARIFWIRRWARR

Für Laien ist der Angebotsdschungel kaum zu durchschauen. Denn bei den Leistungen existieren gewaltige Unterschiede und die Versicherer kalkulieren messerscharf. So ist die Höhe der Zahlungen bei günstigeren Tarifen meist auf 500 oder 1000 Euro in den ersten drei bis sechs Jahren beschränkt. Im Kleingedruckten steht häufig auch, dass der Versicherte erst nach einer Wartezeit von acht Monaten Anspruch auf Leistungen hat. Am heikelsten aber sind die Gesundheitsfragen. Die Anbieter fragen nach laufenden Behandlungen, Vorerkrankungen, Zahnersatz und fehlenden Zähnen, um einschätzen zu können, welche Risiken künftiger teurer Behandlungen der Kunde mitbringt. Danach wird knallhart aussortiert – und das trifft vor allem Ältere.

NOCH ALLE ZÄHNE DA?

Bei mehreren fehlenden Zähnen (ausgenommen Weisheitszähne) sinkt die Chance auf eine Zusatzpolice schnell gegen null. Falls Wurzel-, Parodontose- oder Kieferbehandlungen laufen, beabsichtigt oder angeraten sind, lehnen fast alle Anbieter die Aufnahme sofort ab. Das erscheint nachvollziehbar, andere Regelungen dagegen weniger.

So kann bei manchen Versicherern schon eine vorhandene Knirschschiene, die Fehlbelastungen der Zähne verhindern soll, zur Ablehnung eines Vertrags führen. Andere Anbieter sagen Nein, wenn der Kunde in den vergangenen drei Jahren wegen Parodontose beim Zahnarzt war.

GÜNSTIGE SIND STRENGER

Gerade in Tests gut bewertete Anbieter mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis schauen ganz genau hin. So verweigert die Inter die Aufnahme, wenn mehr als 13 Zähne bereits mit Zahnersatz versorgt sind oder mehr als fünf Zähne schon Zahnersatz haben, der älter als zehn Jahre ist. Dazu zählen ausdrücklich nicht nur Kronen, Brücken oder Implantate, sondern auch Inlays, die oft als Amalgam-Ersatz gewählt werden.

FÜR ÄLTERE SCHWIERIGER

Es kann also besonders für Ältere sehr mühsam werden, noch eine bezahlbare Zusatzpolice zu bekommen. Experten raten daher, die Versicherungen bei Bedarf möglichst bis Anfang 40 abzuschließen, wenn das Gebiss meist noch einigermaßen in Ordnung ist. Die aufwendigeren Behandlungen kommen meist erst Jahrzehnte später. Wer länger wartet, spart zwar viele Tausend Euro an Beiträgen, riskiert aber, keinen Vertrag mehr zu bekommen – zumindest keinen zu akzeptablen Bedingungen.

VERSCHWEIGEN BRINGT NICHTS

Manche versuchen deshalb, zu tricksen und Vorerkrankungen zu verschweigen. „Sie glauben nicht, was wir da alles erleben“, berichtet eine erfahrene Maklerin. Manche Kunden seien völlig uneinsichtig und erstaunlich skrupellos, wenn es darum gehe, mal schnell die Versicherung zu betrügen. Auch eindringliche Warnungen würden nicht ernst genommen.

Dabei reicht auch hier ein Blick ins Kleingedruckte, um einzusehen, dass Schwindeleien sich nicht lohnen. Denn wenn herauskommt, dass der Kunde beim Vertragsabschluss falsche oder unvollständige Angaben zu früheren Zahnbehandlungen gemacht, kann der Versicherer die Leistungen verweigern und die Police kündigen.

ALLES NICHTIG

Bei arglistiger Täuschung ist teils sogar geregelt, dass der gesamte Vertrag nichtig werden kann. Der Versicherte muss dann erhaltene Leistungen zurückzahlen, bekommt seine Beträge nicht wieder und sehr wahrscheinlich auch bei keinem anderen Anbieter eine Zusatzpolice mehr, zumal die Daten für einige Zeit gespeichert werden.

Man ist also gut beraten, die Gesundheitsfragen besonders sorgfältig zu beantworten und am besten beim Zahnarzt genau nachzufragen, was in der Patientenakte steht. Denn genau das tun Versicherer auch und spätestens dann, wenn es um teure Behandlungen geht. Stoßen sie dann auf unterschiedliche Angaben, bekommen Verbraucher ein Problem.

NOTFALLS SELBER SPAREN

Wer keine private Zusatzpolice bekommt, muss nicht verzweifeln. Auch die Regelversorgung beim Zahnarzt, die Krankenkassen mindestens zur Hälfte bezahlen, gilt aus medizinischer Sicht als ausreichend. Für die fälligen Zuzahlungen sollte man eine Rücklage ansparen oder eine abgespeckte Zusatzpolice abschließen, die den Eigenbetrag übernimmt und die es schon für unter zehn Euro im Monat gibt.

FÜNFSTELLIGE SUMMEN

Wer teure Inlays und Implantate wünscht, braucht auch dafür keine Zusatzpolice. Man braucht allerdings das Geld, um diesen Luxus selbst bezahlen zu können. Eine aufwendige Gebisssanierung im Alter kann fünfstellige Summen verschlingen. Eine gute Zusatzpolice kostet in zwanzig Jahren im Schnitt allerdings auch schon meist mehr als 10 000 Euro an Beiträgen. Teuer sind perfekte Zähne also so oder so.

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