Wirtschaft : Volkswagen: Eine gerechte Strafe für VW

Alfons Frese

Das ist bitter. Zum zweiten Mal binnen weniger Jahren brummt die EU-Kommission VW eine Millionenstrafe auf. Offenkundig verstößt der größte Autoherstellers Europas am gröbsten gegen die Regeln des Binnenmarktes. Im neuen Fall hat VW Auto-Händlern mehr oder weniger verboten, mit Preisnachlässen den Verkauf des Passat anzukurbeln. Das Ziel, nämlich das Auto auch preislich im oberen Marktsegment zu positionieren, wurde erreicht: VW kassiert heute für den Passat einen Premiumaufschlag von gut zehn Prozent. Das heißt, die VW-Kunden zahlen zehn Prozent mehr, als für ein qualitativ gleichwertiges Auto einer anderern Marke. Als Mittel zum Zweck griffen die Wolfsburger Vertriebsstrategen dazu in die Preisbildungsfreiheit der Händler ein - und das wird jetzt von der EU geahndet. Die zweistellige Millionenstrafe tut VW nicht weh. Wichtiger ist aber auch das erneute Signal an alle Autofirmen, dass die EU-Kommission aufmerksam beobachtet, wie sie mit ihren Händlern umspringen. Auch Opel musste schon zahlen, Untersuchungen gegen Daimler-Chrysler, Renault und PSA laufen. Die spannendste Frage ist allerdings, wie die EU-Kommission mit der demnächst auslaufenden "Gruppenfreistellungsverordnung" umspringt, eine europaweite Regelung, die den Herstellern exklusive Vertriebsnetze sichert. Und die zum Beispiel auch dazu beiträgt, dass Autoverkäufe im Handel - wie es jetzt Edeka mit dem Fiat Punto plant - kaum möglich sind. Gewiss sind Automobile keine Ramschprodukte, von fachkundigen Markenhändlern profitieren schließlich die Kunden. Doch das bisherige Vertriebssystem ist mit den Ansprüchen eines freien Marktes nicht vereinbar.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben