Von Uber bis Airbnb : Welche US-Techkonzerne 2019 an die Börse gehen

In diesem Jahr machen die amerikanischen Tech-Unternehmen wie Uber, Airbnb und Pinterest den Großteil der Börsenkandidaten aus. Ein Überblick.

Die App des US-Techkonzerns Uber auf einem Smartphone.
Die App des US-Techkonzerns Uber auf einem Smartphone.Foto: Dave Hunt/EPA

Die Taxikonkurrenten Uber und Lyft, der Internetvermieter Airbnb oder die Fotoplattform Pinterest: Gleich mehrere Techfirmen aus den USA wollen in diesem Jahr den Börsengang wagen. Insgesamt, so rechnet die Investmentbank Renaissance Capital vor, könnten Unternehmen mit Bewertungen von 697 Milliarden Dollar an die Börse drängen – ein Vielfaches des Jahres 2018. Zwar planen beispielsweise auch Biotechs und Unternehmen aus der Old Economy wie etwa der Weltmarktführer für Jeans, Levis, den Gang an den Markt. Doch machen Techkonzerne den Großteil der Börsenkandidaten aus. Allein für Uber wird mit einer Bewertung von bis zu 120 Milliarden Dollar gerechnet, was einer der größten Börsengänge überhaupt werden könnte.

Ob die Investoren solche Preise akzeptieren werden, ist derzeit allerdings noch völlig unklar. Uber wäre dann doppelt so hoch bewertet wie der Durchschnitt aller Unternehmen im US-Technologie-Index Nasdaq 100 – und könnte, wie einige andere Neulinge, damit künftig auch in großen Indizes vertreten sein. Allerdings ist dafür nicht nur ein bestimmter Börsenwert notwendig, sondern auch ausreichend Aktienumsatz.

Bewertungen verschiedener Tech-Unternehmen im Vergleich

Zum Vergleich: Facebook ist mit einer Bewertung von 104 Milliarden Dollar an den Start gegangen, Twitter mit 14,2 Milliarden und Snap mit 24,8 Milliarden. Die Foto-App war im März 2017 zum Kurs von 17 Dollar an die Börse gebracht worden. Zwar ist der Nutzerschwund bei Snap inzwischen gestoppt worden, dennoch notiert die Aktie gegenwärtig nur knapp über neun Dollar. Twitter, für das im Jahr 2013 Erstzeichner 26 Dollar zahlten, notiert aktuell bei 31,65 Dollar. Im Plus ist nach bald sechs Jahren also nur, wer Aktien vor dem Börsengang zugeteilt erhielt – oder wer während der besonders schwachen Jahre 2016 und 2017 neu gekauft hat. Erstkäufer von Facebook hingegen, die 2012 neue Aktien zu 38 Dollar ergattert hatten, liegen mit einem Kurs von aktuell 162 Dollar auch nach dem jüngsten Kursrutsch US-Technologiewerte noch gut im Plus.

Einige Marktbeobachter warnen auch, eine neuerliche Eintrübung des Gesamtmarktes mit sinkendem Appetit auf Risiken könnte den Börsenneulingen die Kurse verderben. Es sei also denkbar, dass die kalifornischen Tech-Unternehmen nun noch rasch Investoren anzapfen wollten, bevor ihnen eine konjunkturelle Schwäche oder gar Rezession den Börsengang verderben könnten. Optimisten indes glauben, dass Techs, die einen Börsengang wagen, inzwischen deutlich besser aufgestellt seien als noch vor einigen Jahren. Die meisten Kandidaten seien mindestens zehn Jahre am Markt und erwirtschafteten stabile Umsätze von mehr als 200 Millionen Dollar pro Jahr. Viele hätten lieber mit dem Börsengang ein paar Jahre länger gewartet, bis sie höher bewertet seien und damit auch das Interesse professioneller Anleger wie Fonds generieren könnten, so die Börsenexperten von Sapphire Ventures. Denn meist würden nicht mehr als zehn Prozent des Kapitals an die Börse gebracht. Insgesamt sind 2018 knapp 200 Unternehmen in den USA an die Börse gegangen, wo der Börsenmarkt deutlich aktiver ist als in Europa. Sie haben damit insgesamt 53 Milliarden Dollar eingesammelt, womit 2018 das stärkste Jahr für Börsenneulinge seit 2014 war.

Hedgefonds ziehen sich derzeit aus Techaktien zurück

Jay Ritter von der University of Florida ist ist bezüglich der geplanten Börsengänge rundum optimistisch. Angesichts einer Marktkapitalisierung von 30 Billionen Dollar in US-Aktien insgesamt könne der Markt problemlos ein kleinere Milliardensumme frischen Geldes für Börsenneulinge verdauen, so Ritter. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Aktienrückkäufe und Dividenden etwa eine Billion im Jahr in den Markt spülten. Ein nicht unerheblicher Teil der Investoren ist unentwegt auf der Suche nach einem neuen Google, Apple oder Amazon, denen zu Anfang kaum jemand sehr weite Sprünge zugetraut hatte. Negativ könnte sich auswirken, dass große Hedgefonds ihre Beteiligungen an Technologieaktien Ende 2018 deutlich reduziert haben, wie aus Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht erkennbar ist. Ob ihre Risikoaversion von Dauer ist, bleibt aber unklar.

Technisch gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, ein Unternehmen oder Teile davon an die Börse zu bringen. Beim meist üblichen Börsengang geht diesem ein Preisbildungsverfahren voraus. Die begleitenden Banken berechnen aufgrund der Geschäftslage und eingehender Nachfrage bei institutionellen Investoren eine Preisspanne, innerhalb derer die Anleger dann Gebote abgeben können. Auch Privatinvestoren können sich an diesem Bookbuilding beteiligen. Zusammen mit dem Unternehmen wird schließlich festgelegt, zu welchem Preis die Aktien zugeteilt werden. Häufig sind dabei gerade bekannte Namen um ein Vielfaches überzeichnet, es werden also mehr Aktien nachgefragt als angeboten. Wer nicht zum Zug kommt, kann zum Börsenstart nachkaufen – in der Hoffnung, dass der erste Kurs nicht allzu deutlich über dem Zuteilungskurs liegt. Das Bookbuilding-Verfahren ist für die Börsenneulinge teuer, bringt den Anlegern jedoch faire Preise.

Ein zweites Verfahren ist das Direct Listing, wie es der Musikstreaming-Anbieter Spotify bereits umgesetzt hat. Dabei werden ohne Bankenhilfe Aktien der Alteigentümer angeboten. Realistische Preise bilden sich erst nach und nach aus Angebot und Nachfrage. Der Börsengang von Spotify im April 2018 war erfolgreich – der erste Kurs lag mit 165,90 Dollar allerdings deutlich über der von Analysten errechneten Orientierungsmarke bei 132 Dollar. Dem Gesamtmarkt folgend stieg die Aktie bis zum Sommer auf 198 Dollar, um dann bis Dezember auf 107 Dollar einzubrechen. Aktuell notiert sie bei 146 Dollar, also unter dem Erstkurs. Auch die Kommunikationsplattform Slack plant nun dem Vernehmen nach ein Direct Listing.

Das Logo des Tourismuskonzerns Airbnb.
Das Logo des Tourismuskonzerns Airbnb.Foto: promo

Airbnb

2008 hatten Brian Chesky und Joe Gebbia die Idee, drei Luftmatratzen aufzustellen und sie inklusive Frühstück zu vermieten. Daraus wurde Air, Bed and Breakfast, also Airbnb. Aus der Schlafplatzbörse ist inzwischen ein Tourismuskonzern mit fünf Millionen gelisteten Unterkünften, 150 Millionen vermittelten Zimmern in 191 Ländern, 2,6 Milliarden Dollar Umsatz (2017) und etwa 100 Millionen Dollar Gewinn geworden. Auch 2018 soll Airbnb profitabel gewesen sein – im dritten Quartal konnten erstmals mehr als eine Milliarde Dollar binnen drei Monaten umgesetzt werden. Vor dem Börsengang wird der Wert des Unternehmens bei etwa 31 Milliarden Dollar gesehen. Dieser war bereits 2018 geplant gewesen, aber wegen interner Auseinandersetzungen abgeblasen worden. In vielen großen Städten verspürt Airbnb zunehmend Gegenwind, weil Stadtverwaltungen gegen die gewerbliche Kurzzeitvermietung vorgehen. Insgesamt vermittelt Airbnb Zimmer in 81000 Städten.

Pinterest

250 Millionen Menschen weltweit nutzen Pinterest. Das 2010 gegründete US-Unternehmen ist eine Art visuelle Suchmaschine, die Usern die Möglichkeit bietet, aus einem Pool von 175 Milliarden mit Daten hinterlegten Bildern, kreative Ideen zu ziehen und auf Pinnwände zu stellen. Wertschöpfung erzielt Pinterest aus Werbe-Pins von Unternehmen. Der Börsengang könnte bereits für April geplant sein. Konkrete Geschäftszahlen veröffentlicht Pinterest derzeit noch nicht. 2019 könnte das Unternehmen seinen Umsatz Schätzungen zufolge auf etwa eine Milliarde steigern. Der Wert wird insgesamt auf 13 bis 15 Milliarden Dollar geschätzt. Den Börsengang sollen Insidern zufolge die beiden US-Banken Goldman Sachs und JP Morgan Chase betreuen. Bis zu 1,5 Milliarden Dollar könnte Pinterest dabei an neuem Kapital ins Unternehmen holen. Pinterest versteht sich nicht als soziales Netzwerk, sondern ausdrücklich als Ideenplattform, die dazu inspirieren soll, offline zu gehen.

Lyft und Uber

Zehn Milliarden Mal ist ein Mensch seit 2009 schon mit Uber gefahren. Rund drei Millionen Fahrer in 65 Ländern sind für den Taxidienst unterwegs. Das kalifornische Unternehmen hatte immer wieder mit Führungschaos, rechtlichen Streitereien und diversen Skandalen rund um die Fahrer gerungen. Inzwischen benötigen die Privatchauffeure vor allem in Europa eine Personenbeförderungslizenz. Zudem diversifiziert Uber verstärkt in andere Gebiete, etwa autonomes Fahren, Essens- und Frachttransport. 2018 fuhr Uber ein Minus von 1,8 Milliarden Dollar ein, der Umsatz stieg um 43 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Gewinne werden frühestens 2022 erwartet. Größter Einzelaktionär ist aktuell die japanische Softbank. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Uber mit 78 Milliarden Dollar bewertet. Auch Uber-Konkurrent Lyft will an die Börse. Bisher ist das 2012 gegründete Unternehmen nur in den USA und in Kanada verfügbar, hat dort einen Marktanteil von 40 Prozent. Seine Finanzdaten hält Lyft noch geheim. Die Bewertung soll zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar liegen. Beide Unternehmen wollen noch im ersten Halbjahr an die Börse, ein Zeitplan liegt jedoch nicht vor.

Das Logo des Kommunikationsdienstes Slack.
Das Logo des Kommunikationsdienstes Slack.Foto: promo

Slack

Im zweiten Quartal 2019 will der US-Messenger- und Kommunikationsdienst Slack an die Börse. 2009 gegründet bietet Slack Nachrichtenaustausch und Unternehmensorganisation über „Channels“. 10 Millionen Kunden nutzen Slack täglich, etwa 85000 Unternehmen sind Kunden. Ein Account ist in einer Basisversion gratis. Mit seinem Freemium-Modell, das bei Nutzung aller Funktionen pro Person und Monat ab 11,75 Euro kostet, will Slack dieses Jahr 640 Millionen Dollar umsetzen. Der Marktwert wird vor dem Börsengang auf etwa sieben Milliarden Dollar geschätzt – wenn es tatsächlich an die Börse geht, könnte Slack sogar auf eine Bewertung von zehn bis 13 Milliarden Dollar kommen. Slack plant ein sogenanntes Direct Listing ohne zwischengeschaltete Banken. Das senkt zwar die Kosten, hat aber für den Anleger den Nachteil, dass kein öffentliches Preisbildungsverfahren stattfindet, sondern neue Investoren nur Aktien kaufen können, die Altaktionäre verkaufen.

WeWork

Microsoft, Adidas, die Allianz, Facebook oder Blackrock gehören zu den Kunden von WeWork. In aktuell 33 Ländern gestaltet und vermarktet WeWork Leihbüros oder Arbeitsplätze für Unternehmen, die mit bestimmten Services und Benefits verknüpft sind. Aktuell stehen etwa 930000 Quadratmeter Bürofläche unter Vertrag, in Berlin hat das US-Unternehmen etwa Büroflächen am Potsdamer Platz angemietet. Das 2010 gegründete WeWork sieht sich mit seinen 6000 Mitarbeitern, die seit Sommer 2018 nur noch vegetarische Kost erhalten, nicht als Immobilienfirma, sondern als Techplattform für effektives Büromanagement und als Gemeinschaft, die die Welt verändern will. Ziel sei es, „eine Google Analytics der Bürowelt“ zu werden und optimale Arbeitsplätze zu schaffen, so WeWork. Größter Investor ist die japanische Softbank, die gerade gegen neue Anteile weitere zwei Milliarden Dollar zugeschossen hat. Der Umsatz soll zwei Milliarden Dollar erreichen, die Bewertung könnte aktuell bei bis zu 45 Milliarden Dollar liegen – eine Summe, die bei Investoren aber zunehmend Fragezeichen hinterlässt. Die Verluste liegen bei deutlich mehr als einer Milliarde pro Jahr und sollen sich zuletzt erhöht haben.

Palantir

Das Mastermind hinter dem US-Konzern Palantir ist Peter Thiel, der auch bereits PayPal mitbegründet hatte. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Analyse großer Datenmengen, hat mit Palantir Gotham eine Software zur Bekämpfung von Betrug und Terrorismus entwickelt und mit Palantir Metropolis Programme zur Integration und Analyse großer Datenmengen. Zu den Kunden zählen CIA, NSA und FBI, viele zivile staatliche Organisationen sowie Hedgefonds, Banken, das Land Hessen oder auch Unternehmen wie Airbus, wo Palantir-Software die in großen Mengen anfallenden Messdaten von Flugzeugen analysiert. Den Firmennamen hat der Fantasy-Fan Thiel aus der Herr-der-Ringe-Saga übernommen, wo ein Palantir ein mächtiger „sehender Stein“ ist. Das Unternehmen, dem angesichts seines Geschäftsmodells der Ruf eines Geheimniskrämers anhängt, hat bisher kaum Zahlen veröffentlicht. 2018 soll der Umsatz bei etwa 750 Millionen Dollar gelegen haben. Mit dem Börsengang, bei dem Palantir mit einer Bewertung von rund 41 Milliarden Dollar an den Start gehen könnte, wird im zweiten Halbjahr 2019 gerechnet. (moc)

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