Vor der IFA 2019 : Wie die Sorge um den Datenschutz die Technik-Branche lähmt

Eine Umfrage zeigt, dass viele Kunden die neuen Technologien skeptisch sehen. Die Erwartungen an die IFA sind deshalb verhalten.

Schrumpfender Markt: Schon vor der IFA 2018, von der dieses Foto ist, verzeichnete der Markt für Unterhaltungselektronik Umsatz-Rückgänge.
Schrumpfender Markt: Schon vor der IFA 2018, von der dieses Foto ist, verzeichnete der Markt für Unterhaltungselektronik...Foto: dpa

An diesem Freitag startet die 59. Internationale Funkausstellung in Berlin. Bis kommenden Mittwoch sind die Messehallen unterm Funkturm wieder weltweit größter Treffpunkt der Elektronikbranche. Erwartet werden rund 250.000 Besucher, mehr als die Hälfte davon Fachleute. Im vorigen Jahr vereinbarten Industrie und Handel nach Messeangaben Aufträge von 4,7 Milliarden Euro auf der IFA. Wichtigste Trends auf der Schau sind Künstliche Intelligenz, Sprachsteuerung und 5G-Vernetzung.

In diesem Jahr ist die Stimmung unter den 1939 Ausstellern etwas getrübt. „Es steht außer Zweifel, dass anhaltende Diskussionen zu globalen Handelskonflikten, politischen Streitigkeiten und auch zum Brexit ihren Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten bei Neuanschaffungen haben“, sagt Hans-Joachim Kamp vom Branchenverband gfu Consumer & Home Electronics. Die Branche wäre daher schon mit Umsätzen auf Vorjahresniveau zufrieden.

Im ersten Halbjahr gab es teils heftige Einbrüche und massiven Preisverfall. Vor allem die klassische Unterhaltungselektronik, viele Jahrzehnte der wichtigste Markt, verliert weiter an Bedeutung. Die Erlöse in der TV-, Video- und Audiosparte schrumpften um sieben Prozent auf noch 3,9 Milliarden Euro. Bei Fernsehgeräten sank der Umsatz sogar um ein Zehntel auf unter 1,7 Milliarden Euro, der Durchschnittspreis für ein Gerät sackte von 618 auf 564 Euro ab.

Vorbehalte gegen Smart-Home wegen Datenschutz

Der TV-Gerätemarkt wird von Herstellern aus Asien dominiert, die Digitalisierung hat eine Modellflut ausgelöst. Ein Ziel ist es, den vernetzten Fernseher zur Steuerzentrale im „Smart Home“ zu machen. Viele Verbraucher sehen dieser Entwicklung aber mit Skepsis, wie eine repräsentative Onlinebefragung im gfu-Auftrag zeigt. Demnach gibt es bei zwei von drei Befragten Vorbehalte vor allem wegen des Datenschutzes und der Gefahr, dass Fremde Zugriff auf die eigene Haustechnik bekommen könnten.

Nur jeder Vierte hat demnach Interesse, Heizung, Jalousien, Garagentore oder Beleuchtung zentral zu steuern oder nutzt dazu bereits vernetzte Technik. Lediglich 37 Prozent erwarten, dass vernetzte Produkte die Sicherheit im Haushalt erhöhen und nur 36 Prozent gaben an, dass sie helfen, Energie einzusparen.

Dagegen befürchten 42 Prozent, dass Abschalten und Entspannung durch die Vernetzung kaum noch möglich sind und 38 Prozent fühlen sich schon jetzt von der komplexen Technik manchmal überfordert. Die Studie zeige, wie wichtig Datenschutz und Sicherheit für die Konsumenten seien, sagt Kamp. Für Industrie und Handel gelte es daher gleichermaßen, „die Kunden zu informieren und die Bedenken auszuräumen“.

Gefeierte Entwicklungen wurden zum Flog

Auch der inzwischen mit Abstand wichtigste Markt der Konsumelektronik schwächelt erstmals deutlich. Der Umsatz mit Smartphones ging im ersten Halbjahr um fast 7 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück, die Zahl der verkauften Geräte sank um fast 800.000 auf 9,9 Millionen Stück. Die gute Nachricht ist lediglich, dass die Konsumenten weiter bereit sind, viel Geld für ein neues Gerät auszugeben. Der Durchschnittspreis stieg von 483 auf 487 Euro.

Auch hier hoffen die Hersteller, dass Innovationen die Verbraucher zum Kauf neuer Modelle bewegen. So wird der neue Funkstandard 5G noch leistungsfähigere Datenverbindungen ermöglichen. Manche gefeierten Entwicklungen wie das faltbare Handy hatten zuletzt jedoch wenig Erfolg. Das lange Zeit rasante Wachstum scheint den Zenit erreicht zu haben.

Insgesamt schrumpfte der Umsatz mit Unterhaltungselektronik, Telekommunikations- und IT-Technik für Zuhause im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Besser läuft das Geschäft mit der weißen Ware von Waschmaschinen bis zum Mixer, die auf der IFA inzwischen ein wichtiger Bereich sind. Der Erlös bei Großgeräten wuchs um 1,7 Prozent auf 4,3 Milliarden, bei Kleingeräten um 7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

Die Erwartungen fürs Gesamtjahr sind ähnlich unterschiedlich. Bei der Konsumelektronik rechnet die gfu mit einem Umsatzminus von zwei Prozent. Bei großen Haushaltsgeräten soll es dagegen ein Plus von zwei Prozent geben und bei Kleingeräten von sechs Prozent.

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