Vorsätze für das neue Jahr : Glücksforscher: „Es ist ratsam, wenig zu grübeln"

Positiv denken, sich nicht mit anderen vergleichen, dankbar sein: Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel gibt Tipps für mehr Zufriedenheit im neuen Jahr.

Karlheinz Ruckriegel ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg und forscht über das Glück. Darüber hält er regelmäßig Vorträge und schreibt Aufsätze.
Karlheinz Ruckriegel ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg und forscht über das Glück....Foto: Steffen Giersch

Herr Ruckriegel, wann ist der Mensch glücklich?

Ich unterscheide da zwischen dem emotionalen und dem kognitiven Wohlbefinden. Unter dem ersten versteht man das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen, die jemand hat. Wichtig ist aber auch das zweite: Der Grad der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Also wie man bewertet, was man hat.

Wie lautet Ihr Rezept zum Glücklichsein?

Zunächst einmal sollte man üben, positiver zu denken. Unser Hang zur Negativität verzerrt unseren Blick auf die Realität. Es ist erwiesen, dass, obwohl wir in unserem Leben mehr positive Erfahrungen machen als negative, wir hauptsächlich die negativen wahrnehmen und uns daran erinnern. Das Verhältnis zwischen positiven und negativen Emotionen sollte aber auf jeden Fall bei einem Verhältnis von 3:1 liegen. Auf jedes schlechte Gefühl sollten mindestens drei gute pro Tag kommen.

Wenn das so einfach wäre.

Natürlich ist das eine Sache der Haltung und des Übens. Aber wenn ich wütend bin und mich aufrege, löst sich der Stau, der mich nervt, auch nicht auf.

Wie kann man positives Denken trainieren?

Zum Beispiel mit einem Dankbarkeitstagebuch, indem ich abends aufschreibe, wie ich den Tag erlebt habe und wofür ich dankbar bin. Das können ganz kleine Dinge sein. So lerne ich, mehr Schönes um mich herum wahrzunehmen und zu genießen.

Was hilft noch?

Es ist ratsam, wenig zu grübeln, nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern im Hier und Jetzt, sich so wenig wie möglich mit anderen zu vergleichen und das Glas als halb voll statt als halb leer anzusehen. Auch Optimismus kann man lernen.

Haben Sie noch einen Ratschlag für mehr Zufriedenheit im Job?

Erstens: Tun Sie etwas, was sie wirklich gerne machen, worin Sie aufgehen. Zweitens: Wollen Sie etwas verändern, dann setzen Sie sich realistische und sinnvolle Ziele, die Sie erreichen können und packen Sie die dann auch tatsächlich an. Wird man aktiv und sieht Erfolge, steigert man sein Selbstwertgefühl und man wird dadurch auch optimistischer. Noch wichtiger als der Beruf sind aber die sozialen Kontakte, die man hat. Ja, und etwas Gutes tun, anderen helfen, das macht ebenfalls sehr glücklich.

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