Wirtschaft : Wasser wird wieder teurer

Berliner müssen bundesweit am meisten dafür ausgeben. Nun drohen wieder Preiserhöhungen. Verbraucherschützer sind verärgert

Moritz Honert

Berlin - Mit der für den 1. Juli 2007 angekündigten Tarifumstellung der Berliner Wasserbetriebe (BWB) könnten neue Preissteigerungen auf die Verbraucher zukommen. Details des neuen Modells sollen eigentlich erst im Mai bekannt gegeben werden. Bereits am Donnerstag kündigte BWB-Chef Jörg Simon bei der Vorstellung der Jahresbilanz jedoch an, das neue Modell solle Unternehmen entlasten. „Für Kleinverbraucher wird es minimal teurer, für Großverbraucher minimal billiger“, bestätigte BWB-Sprecher Stephan Natz. 95 Prozent der Kunden würden die Umstellung gar nicht bemerken, versicherte Natz. Bis dato errechnet sich der Endpreis ausschließlich aus der genutzten Wassermenge. Künftig soll bei verbilligten Kubikmeterpreisen auch ein Grundpreis gezahlt werden.

Eine deutliche Preissteigerung erwartet hingegen Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Sie kritisiert an dem neuen Tarifmodell mangelnde Transparenz und die hohen Wasserpreise der BWB. „Ein Berliner Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 100 Kubikmetern zahlte im Jahr 2006 rund fünf Euro je Kubikmeter, der gleiche Haushalt in München nur 3,17 Euro.“ Laut Verbraucherzentrale hat Berlin die teuersten Wasserpreise deutscher Großstädte. Auch im vergangenen Jahr mussten die Berliner erneut mehr für ihr Wasser ausgeben. Nachdem Anfang 2006 der Wasserpreis in Berlin um sieben Cent auf rund 4,85 Euro pro Kubikmeter angehoben wurde, zahlte jeder Verbraucher rund 18,48 Euro pro Monat an die Berliner Wasserbetriebe – 29 Cent mehr als 2005. Seit 2003 ist der Preis für Trink-, Schmutz- und Regenwasser in der Stadt laut Verbraucherzentrale um rund ein Viertel gestiegen (siehe Grafik). Die letzte Preiserhöhung um 1,9 Prozent erfolgte im Januar 2007.

2006 stieg der Umsatz der BWB von rund 1,104 um 1,8 Prozent auf circa 1,124 Milliarden Euro. Die Investitionen der BWB sanken im selben Zeitraum von 295 auf 274 Millionen Euro. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist im vergangenen Jahr erneut geschrumpft. Ende 2006 beschäftigten die BWB 4986 und damit 110 Mitarbeiter weniger als Ende 2005. Gestiegen ist 2006 hingegen die Fördermenge der neun städtischen Wasserwerke – um 3,2 auf 209,3 Millionen Kubikmeter. Das entspricht dem Stand des Jahres 2004. Die höhere Fördermenge sei jedoch auf den im heißen Sommer gestiegenen Bedarf an Sprengwasser zurückzuführen, nicht auf einen höheren Verbrauch der Privathaushalte. 2006 verbrauchte jeder Berliner rund 115 Liter pro Tag und damit erneut rund einen Liter weniger als im jeweiligen Vorjahr. Die Hauptstadt hat damit einen niedrigeren Verbrauch als die alten Bundesländer – und einen höheren als die neuen. Dort wurde in den vergangenen Jahren stark in moderne Wasch- und Sanitärtechnik investiert.

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