Weiterbildung für Krankenpfleger : Packen wir es an

Von wegen berufliche Sackgasse: Wie sich Krankenschwestern und Pfleger weiterbilden – und beruflich verändern können. Ihre Jobaussichten sind gut.

Mehr Know-how erwerben. Damit eröffnen sich viele, neue berufliche Möglichkeiten.
Mehr Know-how erwerben. Damit eröffnen sich viele, neue berufliche Möglichkeiten.Foto: Polina Ponomareva Fotolia

Die Rettungsstelle kündigt telefonisch einen Neuzugang an. Sie muss die Oberärzte informieren. An einem Patientenbett ist die Beatmungsmaschine neu einzustellen und Pflegeschülern die komplexe Technik zu erklären. Der Dienstplan ist zu schreiben, bevor dann die Besprechung mit dem Chefarzt ansteht. Das alles könnte zu einem typischen Arbeitstag von Melanie Engel gehören, sie ist Stationspflegeleiterin der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Auguste-Viktoria- Klinikum in Schöneberg. Doch typische Arbeitstage sind bei ihr selten, was ansteht, ist kaum vorhersehbar. Melanie Engel findet das spannend.

„Obwohl ich seit mehr als 20 Jahren Krankenschwester bin, würde ich den Beruf immer wieder wählen“, sagt sie. „Die Arbeit ist kreativ, vielseitig und man kann in extrem vielen Bereichen tätig sein, im OP, auf der Dermatologie, einer Kinderstation oder in der Psychiatrie“, sagt sie. Nach ihrer Ausbildung und vor ihrem jetzigen Job als Stationspflegeleitung hat die 42-Jährige entsprechend viele berufliche Stationen erlebt.

Klinik, Krankenkasse oder Pharmafirma

Dass die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger keine berufliche Sackgasse ist und viele Möglichkeiten eröffnet, unterstreicht auch Johanna Knüppel, Sprecherin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK). Zum einen haben examinierte Krankenpfleger viele Einsatzbereiche, sie können in Kliniken, aber auch bei Pflegediensten, Krankenkassen oder Pharmafirmen arbeiten oder sich selbstständig machen. Zum anderen ist das Weiterbildungsangebot groß. Neben Fortbildungen, die nach Länderrecht, beziehungsweise den Vorgaben der Landespflegekammer geregelt sind, gibt es auch immer mehr Pflegestudiengänge.

Mit ihrer abwechslungsreichen Vita überrascht Engel häufig Schüler auf Karrieremessen. Nach ihrer Ausbildung an der Wannseeschule war sie als Vollzeit- Leasing-Pflegekraft in wechselnden Klinken im Einsatz. Sie hat im Unfallkrankenhaus Berlin auf der Schwerbrandverletztenstation gearbeitet und im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, wo sie sich zur Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin qualifizierte und sich zur Praxisanleiterin weiterbildete, sodass sie Pflegeschüler unterweisen und Prüfungen abnehmen darf.

Rettungseinstätze per Helikopter begleiten

Dann kam der Wechsel zur Charité, wo sie zu 75 Prozent auf der Intensivstation und zu 25 Prozent im Qualitätsmanagement arbeitete. In einem Spezialteam begleitete Engel Helikoptereinsätze für Patienten mit künstlichen Lungen. Nach einer Weiterbildung zur Atmungstherapeutin entwöhnte sie als Stationsleitung im Zehlendorfer Behring-Krankenhaus Patienten von der Beatmung. Seit 2018 ist sie nun Stationsleiterin in Schöneberg und arbeitet zum ersten Mal in ihrem Berufsleben nicht im Schichtdienst.

„Eine Ausbildung in einem Pflegeberuf und Berufserfahrung lassen sich mit vielen anderen Studiengängen kombinieren – mit breiten Karrierechancen“, betont Johanna Knüppel vom DBfK. „Hinzu kommen Masterstudiengänge im Sinne von Advanced Practice Nursing (APN) mit neuen Rollen und erweiterten Zuständigkeiten, wie sie international längst etabliert sind.“

Die Expertin weiß: Enorm hoch ist die Nachfrage nach weitergebildetem Intensiv-Pflegefachpersonal und Pflegefachleuten für den Geriatrie- und Gerontopsychiatriebereich. Sehr stark würden auch Angebote für Zusatzqualifikationen zur „Stroke-Nurse“ für Schlaganfall-Patienten und zu „Pain Nurses“’, also Experten für Schmerztherapie, zunehmen.

Inwiefern weiterbildungswillige Pflegekräfte von ihrem Arbeitgeber unterstützt werden, sei ganz unterschiedlich und oft Verhandlungssache, weiß die Verbandssprecherin. Wenn Arbeitgeber die Kosten übernehmen und ihre Mitarbeiter dafür freistellen, sei damit oft eine vertraglich begrenzte Bleibepflicht verbunden. „Wegen des dramatischen Fachkräftemangels sind Mitarbeiter hier aber in einer guten Verhandlungsposition“, sagt sie. An den Möglichkeiten, sich fortzubilden, könne man auch gute von schlechten Arbeitgebern unterscheiden.

Man kann Schmerz- oder Wundexperte werden

Doch schlagen sich zusätzliche Qualifikationen auch aufs Gehalt nieder? „Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sieht mit den entsprechenden Positionen nach Abschluss einer Weiterbildung Gehaltssteigerungen vor. Wo es keine Tarifbindung gibt, muss man selbst gut verhandeln“, rät Knüppel.

Beim Klinikkonzern Vivantes, zu dem auch das Auguste-Viktoria-Klinikum gehört, bilden sich „notwendige oder gesetzlich geforderte Fachweiterbildungen entsprechend des Tarifvertrages im Gehalt ab“, versichert Constance Schrall, fachliche Leiterin Personalentwicklung bei Vivantes. Der Klinikkonzern bietet auch eigene Fachweiterbildungen wie die Ausbildung zu Schmerzexperten oder Wundmanagern an. Für Pflegekräfte, die Pflegemanagement studieren wollen, um sich für einen Führungsjob zu qualifizieren (siehe Kasten), gibt es Stipendien- und Förderprogramme. Während der Weiterbildung kann man die Arbeitszeit reduzieren und anschließend wieder erhöhen. „Zu Beginn eines Jahres führen die Führungskräfte bei uns Mitarbeitergespräche oder klären im Team, welche fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen bei wem weiterentwickelt werden sollen“, erklärt Schrall.

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Melanie Engel denkt bereits über ihre nächste Zusatzqualifikation nach. Weil es in ihrem jetzigen Job oft um betriebswirtschaftliche Fragen geht, könnte sie sich vorstellen, in einigen Jahren ein berufsbegleitendes Studium in Pflegemanagement oder Gesundheitsökonomie zu beginnen: „Wenn ich mit 50 nicht mehr so aktiv am Patientenbett helfen kann, könnten sich damit neue Perspektiven in der Klinikverwaltung auftun.“

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