Tagespfleger kann theoretisch jeder werden

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Weiterbildung : Job mit Kindern

Grundsätzlich darf jeder an einer Tagespflege-Schulung teilnehmen. Allerdings sollten sich Fachfremde gründlich damit auseinandersetzten, wie viel Geduld und Einfühlungsvermögen die Arbeit erfordert. Ein Mittagsschlaf lässt sich ebenso wenig erzwingen wie gute Laune. Neben der Betreuung müssen Tagesmütter gesundes Essen zubereiten, ihren Gästen Raum zum Toben einräumen, sie fordern und fördern. Idealerweise steht täglich ein Ausflug ins Freie auf dem Programm.

Teilnehmer zertifizierter Kurse sprechen also nicht nur über pädagogische Themen. Es geht nebst rechtlichen Fragen viel um Hygiene, Gesundheit und Ernährung. Ist die Schulungsphase abgeschlossen, gibt das zuständige Jugend- oder Bezirksamt den Bewerbern das endgültige Okay. In Gesprächen prüfen Mitarbeiter Qualifikationen und persönliche Eignung, bei Hausbesuchen klopfen sie die Betreuungsräume auf Gefahrenquellen ab. Sind die Steckdosen gesichert? Stehen die Putzmittel so, dass Kinderhände sie nicht erreichen? Wurden Treppen, Herd und Kochplatten gründlich mit Gittern abgeschirmt? Je nach Eignung und Gegebenheiten darf eine zugelassene Tagespflegeperson schließlich bis zu fünf Kinder bei sich aufnehmen. Maximal zwei Tagesmütter können sich zu einer Kindergroßbetreuung zusammenschließen.

Allerdings variieren die Bestimmungen bundesweit stark, bei Unklarheiten ist das zuständige Amt der richtige Ansprechpartner. „Sogar innerhalb Berlins gibt es abweichende Regelungen“, sagt Katharina Frass vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Welche Bildungsträger mit den jeweiligen Ämtern kooperieren, wissen die Mitarbeiter vor Ort. Auch die Kosten für Tagespflege-Kurse fallen unterschiedlich aus. Ein grober Richtwert seien zehn Euro je Unterrichtsstunde. In Berlin ist eine Bezuschussung über Bildungsgutscheine oder Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds möglich.

Nach Angaben des Bundesverbandes für Tagespflege ist der Bildungsträger „Familien für Kinder“ in der Hauptstadt federführend. Auch Streidl und Seidenstricker haben dort einen Vorbereitungskurs besucht. Aufgrund ihrer Vorbildung mussten die Pädagoginnen allerdings nur 30 statt der sonst üblichen 160 Unterrichtsstunden absolvieren. Die beiden Frauen sind froh, dass die Qualitätsstandards der Branche steigen - selbst wenn dadurch der bürokratische Aufwand wächst. „Es geht um die Zukunft der Kinder, die ersten Lebensjahre sind prägend. Kontrollen und eine gute Ausbildung von Tagesmüttern halten wir deshalb für extrem wichtig“, sagen sie unisono.

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