Start-ups wollen die Lücke füllen, die die Makler hinterlassen

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Wer bestellt, der zahlt : Reform des Mietrechts krempelt Maklerbranche um
Teures Ärgernis. Bislang mussten meist die Wohnungssuchenden dem Makler bis zu zwei Kaltmieten plus Mehrwertsteuer an Provision zahlen.
Teures Ärgernis. Bislang mussten meist die Wohnungssuchenden dem Makler bis zu zwei Kaltmieten plus Mehrwertsteuer an Provision...Foto: dpa

Wo Makler nicht mehr wie bisher ins Geschäft kommen, tun sich Chancen für andere Modelle auf. Neue Plattformen und Dienstleister versuchen, die Lücke zu schließen – mit unterschiedlichem Erfolg. So wirbt das Vergleichsportal Verivox mit der „größten Marktübersicht für provisionsfreie Immobilien“, die sich aus den Angeboten der zehn größten deutschen Immobilienportale speist. In Berlin finden Interessierte immerhin mehr als 10.000 Objekte – allerdings selten in den begehrten Innenstadtlagen.

Mit dem Social-Media-Profil zur Wohnung

Am 1. November an den Start gehen will das Münchener Start-up Faceyourbase. Angeboten wird „die Lösungsalternative zum Makler und der Gesetzesänderung“. Die Idee: Mieter bewerben sich bei Faceyourbase mit ihrem Social-Media-Profil um eine Wohnung, die Auswahl erfolgt über eine „Fotobewerberwand“ – Exposé-, Besichtigungs- und Vertragsservice inklusive. „Matching“ heißt das Zauberwort auch beim 2013 gestarteten Hamburger Anbieter Anlageimmobilien.de, der sich auf die Suche nach Immobilien zur Kapitalanlage spezialisiert hat: Statt bei Massenbesichtigungen Zeit und Nerven zu verlieren, versprechen die elektronischen Helfer Online-Tools, die Angebot und Nachfrage gezielt zusammenführen. Der Haken: Wer klein anfängt, hat wenig Auswahl zu bieten.

Loftville hatte zu viel versprochen

Zu viel versprach der Hamburger Immobilien-Marktplatz Loftville. Statt mit der Vermittlung exklusiver Wohnungen und Häuser Erfolge zu feiern, stellte Loftville vor einem knappen Jahr den Betrieb mangels Masse ein – die Mitarbeiter wechselten zur Internetplattform Immonet. So kommt es, dass hinter den Kulissen einiger Start-ups die großen Online-Börsen mit ihren riesigen Immobilienbeständen stehen. Auch bei der Berliner Group- Estate („Gemeinsam mehr erreichen“), die seit Mitte des Jahres ihre Dienste anbietet, wenn Freunde oder Familien zusammen eine Immobilie kaufen wollen.

Makler setzen jetzt auf Gemeinschaftsgeschäfte

Die Makler rücken derweil zusammen, um zu retten, was zu retten ist. Mit Gemeinschaftsgeschäften bei Kaufimmobilien wird versucht, Imageverlust und Internetportalen Paroli zu bieten. „Die Abhängigkeit der Makler von den Online-Anbietern ist zu groß geworden“, sagt der Hamburger Makler Björn Dahler. Er macht sich für ein Multiple-Listing-System stark: Nach US-Vorbild bringen mehrere Makler gemeinsam ihre Immobilien ein – und teilen sich die Provision, wenn es zum Verkauf kommt. Auch der IVD Berlin betreibt seit einem Jahr einen solchen „Ticker“ für Gemeinschaftsgeschäfte. „Die guten Immobilien stehen nicht im Internet“, wirbt Dirk Wohltorf. Kollege Dahler sieht in Gemeinschaftsgeschäften eine Chance, das „Mauerdenken“ in der Branche aufzubrechen: „Besser ein Geschäft teilen, als gar keins mehr zu machen.“

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