Wirtschaft : „Wir machen keine Billigmarke“

Vodafone-Chef Friedrich Joussen über Preise, Wachstum und warum er kein Geld mehr für neue UMTS-Frequenzen zahlen will

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Herr Joussen, in dieser Woche hat die Telekom die Einführung einer Billigmarke angekündigt. Andere Netzbetreiber haben längst eine. Wann starten Sie mit einer Zweitmarke?

Unsere Marke steht glasklar. Wir machen so etwas nicht. Wir haben eine hervorragende Qualität, wir sind spitze in Service, Technik und Innovation. Wir können und wollen nicht ein BMW im Leistungsportfolio und ein Kia im Preis sein. Unsere Preise sind wettbewerbsfähig. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.

Ihr Konkurrent E-Plus hat den Preis für ein Handytelefonat auf zehn Cent gesenkt. Wann werden Sie reagieren?

Wenn Sie kein gutes Netz und keinen guten Service bieten, dann müssen Sie mit dem Preis spielen. Das ist die Strategie die E-Plus fährt, das ist nicht Vodafone. Ich glaube auch, sie werden mit ihrem Zehn- Cent-Tarif nicht erfolgreich Kunden aus dem Festnetz abwerben. Dafür ist er einfach viel zu teuer. Für Mobilfunk ist das ein ordentliches Angebot. Für das Festnetz aber völlig ungeeignet. Die Preise für unser Angebot „Vodafone Zuhause“, mit dem wir das Festnetz angreifen, liegen mit vier Cent erheblich niedriger.

Was wird mit den Preisen in diesem Jahr passieren?

In den letzten 18 Monaten sind die Preise um 40 bis 45 Prozent gesunken. Auch in diesem Jahr werden die Preise weiter erheblich sinken. Es ist schwer vorherzusagen, um wie viel. Unser Kernmarkt ist unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Da geben wir uns keiner Illusion hin.

E-Plus lagert sein Netz aus. Ist das auch eine Option für Vodafone?

Für uns ist das Netz ein wichtiges Kriterium, um uns von den Wettbewerbern zu unterscheiden. Wenn das Netz nicht gut ist, dann kann man es auslagern. Für Vodafone ist das derzeit kein Thema.

E-Plus will seine Netzkosten auf die Weise um 20 Prozent senken. Muss Vodafone nicht sparen?

Natürlich müssen auch wir sparen, indem wir im Netzbetrieb Synergien nutzen. Dafür arbeiten wir mit unserer Schwesterfirma Arcor zusammen und nutzen auch Standorte gemeinsam mit anderen Netzbetreibern, wie etwa T-Mobile.

Zuletzt ist Ihr Umsatz in Deutschland geschrumpft. Wie wollen Sie in diesem Jahr wachsen?

Richtig ist, dass Vodafone der umsatzstärkste und profitabelste Mobilfunker in Deutschland ist. Wir werden den Angriff auf das Festnetz fortsetzen. Die Telekom verliert 150 000 Kunden jeden Monat. Wir arbeiten daran, möglichst viele von Vodafone zu überzeugen. Wir glauben, dass im Bereich der Sprachverbindungen ein Großteil des Festnetzgeschäftes zu den Mobilfunkanbietern wechseln wird. Ein weiterer Wachstumsmarkt sind breitbandige Internetanschlüsse über DSL. Heute haben 37 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss. In ein paar Jahren werden es 70 bis 75 Prozent sein. Das ist ein Riesenmarkt für uns. Wir kooperieren mit unserer Schwesterfirma Arcor, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen.

Wie groß soll das Stück denn werden?

Groß genug. Wir geben keine Planzahlen nach draußen. Im vergangenen Jahr haben wir im Festnetz von 200 000 auf über zwei Millionen Kunden zugelegt. Bei DSL hatten wir einen Anteil von 20 Prozent am Marktwachstum. Ich sehe keinen wirklichen Grund, warum sich an der Dynamik etwas ändern soll.

Ist der Angriff auf das Festnetz die einzige Chance zu wachsen?

Der zweite große Wachstumsmotor wird das Thema Daten sein. 3,5 Millionen Menschen nutzen jeden Monat unser mobiles Internetportal Vodafone live. Wir sind unter allen deutschen Portalen einschließlich Google und Ebay inzwischen bereits die Nummer 14. Dabei verdienen wir zum einen an der Vodafone live Flatrate und zum anderen an den kostenpflichtigen Inhalten, wie etwa Musik. Aufs Jahr gerechnet sind das bereits 400 Millionen Euro Umsatz. Auch die Werbeumsätze nehmen zu. Sie werden über das Jahr hinweg hoffentlich in den zweistelligen Millionenbereich wachsen.

Das ist nicht viel.

Innovationen zu managen, Trends zu erkennen heißt Märkte frühzeitig zu entdecken. Das Thema Werbung ist, wenn man es ganz langfristig sieht, so groß wie der Markt Telekommunikation und sicher ein riesengroßes Thema für uns. Aber natürlich noch nicht in den nächsten zwei Jahren. Ein weiterer Service, an den wir glauben, ist das Thema Fernsehen auf dem Handy. Doch noch ist die Frage nicht geklärt, wie genau die kommerziellen Modelle aussehen werden.

Glauben Sie wirklich, dass die Kunden Werbung auf dem Handy haben wollen?

Sie dürfen sich das nicht als belästigende SMS oder als unerwünschte Werbe- E-Mails vorstellen. Das ist indiskutabel, dafür ist das Handy viel zu persönlich, viel zu nah an den Menschen dran. Es geht darum, den Nutzern auf unserem Portal individualisierte Werbung anzubieten, so ähnlich wie es Google heute macht, wenn ein Nutzer dort eine Suchanfrage startet.

Bald bekommen Sie Konkurrenz vom Computerhersteller Apple mit seinem iPhone.

Warum Konkurrenz? Ich finde das gut. Das unterstützt den Trend, dass das Handy mehr ist als nur ein Mobiltelefon. Ich sehe es gern, dass jemand mit einer hochwertigen Marke einsteigt. Das ist eine gute Bestätigung, dass wir mit der Breitbandtechnik UMTS und Multimediaanwendungen in die richtige Richtung gehen.

Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, hat angekündigt, bald neue Frequenzen für UMTS zu versteigern. Machen Sie mit?

Wir sind ein bisschen erstaunt. Wir haben für die UMTS-Frequenzen viel Geld ausgegeben. Alle, die mitgesteigert haben, dachten, wir bekommen die Lizenzrechte jetzt zugeteilt. Warum das noch einmal über eine Versteigerung gehen soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Mit acht Milliarden Euro haben wir bereits einen ordentlichen Obolus erbracht. Ich habe mein Erstaunen schon zum Ausdruck gebracht und einen Brief an Herrn Kurth geschrieben.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

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