Wirtschaft : „Wir verlieren Aufträge“

Deutsche Autohersteller und Maschinenbauer klagen über den schwachen Yen, der japanische Produkte attraktiver macht

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Kurze Zeit blickten die Manager im Maschinenbau und in der Autoindustrie mit helleren Mienen auf den Yen. Immerhin drei Tage legte die japanische Währung Anfang März zu, der Kurs gegenüber dem Euro bewegte sich im Zuge der Turbulenzen auf den Aktienmärkten auf die Schwelle von 150 Yen je Euro zu. Aber es blieb ein Zwischenspiel: Der Kurs gegenüber dem Euro ist wieder auf rund 155 Yen gestiegen und hat damit auf Jahressicht um rund zwölf Prozent zugelegt. Japanische Maschinenbauer und Autohersteller können weiter von Währungsvorteilen gegenüber der Konkurrenz in Europa zehren. „Ein Auto aus Japan im Wert von 20 000 Euro hat dank der Abwertung einen Vorteil von über 5000 Euro“, beklagt der Automobilverband VDA. Immerhin: Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet bis zum Jahresende wieder mit einer stärkeren japanischen Währung und einem Kurs von rund 147 Yen pro Euro. „Das wäre wenigsten ein Nachlassen der Schmerzen für die Industrie. Mehr aber nicht.“

Im Maschinenbau gibt es vermehrt Klagen über die anhaltende Yen-Schwäche, die sich seit Ende 2000 kontinuierlich vergrößert. Mehr als ein Drittel hat die japanische Währung seit 2000 gegenüber dem Euro eingebüßt. Die Folge: Japanische Maschinen und Autos haben gegenüber europäischen, aber auch amerikanischen Produkten erhebliche Wettbewerbsvorteile. „Wir verlieren ohne Zweifel Aufträge“, sagt Ralph Wiechers, Chef- Volkswirt des Maschinenbauverbands VDMA. Quantifizieren will er das Minus nicht. „Aber die Schmerzgrenze in Sachen Yen ist für viele Unternehmen erreicht.“

Deutlich wird dies vor allem im Werkzeugmaschinenbau. Inzwischen sind die Japaner mit einem Anteil von 22,7 Prozent am Weltmarkt klar vor den deutschen Firmen mit 17,3 Prozent. 2002 sah das noch anders aus: Damals kamen die Deutschen auf eine Quote von 21,4, die Japaner nur auf 18,8 Prozent. Und deutsche Firmen haben seitdem ihre Wettbewerbsfähigkeit durch interne Restrukturierung deutlich verbessert. Auch technologisch haben sie nicht geschlafen.

„Die Schwäche des Yen ist nicht einfach zu verkraften. Aber wir sind gegen die Währungsentwicklung abgesichert“, sagt Geschäftsführer Harald Völker vom renommierten Maschinenbauer Trumpf. „Noch verlieren wir keine Aufträge, weder in Japan noch in Asien. Die Konjunktur läuft gut, die Nachfrage ist hoch.“ Entscheidend bleibe vor allem, den Technologie-Vorsprung zu halten. Der Autoverband VDA beklagt dagegen, die Abwertung sei zu einer „unvertretbaren indirekten Markthilfe für japanische Importeure“ geworden. Diese Wettbewerbsverzerrung könne durch keine noch so scharfe Kostensenkung ausgeglichen werden. „Das Thema gehört weiter auf die internationale Agenda der Finanzminister.“

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die Aufregung für überzogen. Dass Toyota, Mazda oder Honda Vorteile aus dem Yen-Kurs ziehen, streitet er nicht ab. „Für den Erfolg von Toyota auch in Europa sind aber andere Gründe entscheidend – wie etwa die hohe Produktivität.“ 50 bis 80 Prozent der Autos für den europäischen Markt würden auch in Europa produziert. „Klagen hilft nichts“, sagt er. „Im Zweifel müssen die Autohersteller ihr Geschäftsmodell vernünftig organisieren.“

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